Spannende Einblicke in die Ahnenforschung

23.04.2019

Mainpost 23.04.2019

 

Gernach

Spannende Einblicke in die Ahnenforschung

Klar, dass der Osterhase auch zum Seniorenforum nach Gernach gehoppelt war, und jedem Senior und jeder Seniorin ein kleines Osternest auf den Tisch gestellt hatte. Der Leiter des Seniorenforums Hugo Hetterich mahnte die Senioren – nicht ganz ernsthaft – es so zu halten wie es früher war: vor Ostersonntag durfte man die Köstlichkeiten im Osternest nur anschauen, nicht aufmachen oder gar anbeißen.

Passend zum Osterfest hatte Hugo Hetterich eine Geschichte mitgebracht, die zum Nachdenken anregte: "Wo geschieht Auferstehung?" lautete die Frage. Die Antwort: immer dort, wo wir Vorbehalte aufgeben, uns von Vorurteilen verabschieden, wo wir ein gutes Wort für den anderen übrig haben, wo wir bereit sind, auch die guten Seiten in den Menschen zu sehen, mit denen wir leben. Das gute Wort, die wohlwollende Haltung öffnen den Weg zur Seele des Mitmenschen – und so kann Auferstehung sehr schön sein.

Hauptthema des Seniorennachmittags war "Ahnenforschung". Bruno May und seine Frau Sigrid, die ihn bei seinen Ahnenforschungsaktivitäten mit ihren Lateinkenntnissen unterstützt, waren nach Gernach gekommen. Der Kontant war über Alfred Glos hergestellt worden, der den Referenten Bruno vom Tischtennisspiel her kannte und mit ihm ins Gespräch gekommen war über dessen Hobby: Ahnenforschung.

Ahnentafeln mitgebracht

Bruno May hatte sich speziell für diesen Vortrag in Gernach vorbereitet und die Ahnentafeln von einigen Gernacher Familien mitgebracht, die er per Power-Point-Präsentation zeigte. Ein weiterer Bezug zu Gernach war für Bruno May gegeben, weil seine Vorfahren in Gernach wohnten: in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind die Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten festgehalten.

Eine Besonderheit, die noch wenig bekannt ist, konnte der Referent auch bekannt geben: Es war wohl vergessen worden, die Geburt des späteren Kardinals Michael Faulhaber, der aus Heidenfeld stammt, in das dortige Matrikelbuch eintragen zu lassen. Anlässlich dessen Priesterweihe am 1. August 1892 wurde dieses Versäumnis entdeckt und Nachtrag an die entsprechende Seite im Matrikelbuch angefügt: "Auf Angabe des Vaters und auf Grund des Impfscheins" (erfolgte dieser Taufeintrag).

Der Referent informierte auch, dass bis in das Jahr 1876 die Pfarrer in den jeweiligen Gemeinden die Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten festhielten – in den sogenannten Matrikelbüchern. Erst danach ging diese Aufgabe an die staatlichen Standesämter über. Unterschiedliche Schreibweisen der Namen, wie zum Beispiel May, Mai, Mei, Mey, erklären sich daraus, dass es wenig schriftliche Unterlagen gab, viele Bürgerinnen und Bürger auch nicht lesen und schreiben konnten, und man die Namen nur nach Gehör aufschrieb.

Nachforschungen im Diözesanarchiv

Bruno May informierte auch, dass man im Diözesanarchiv  Nachforschungen anstellen könne – allerdings ist der Zugang erst möglich, wenn der Tod der jeweiligen Personen mehr als 120 Jahre zurückliegt. Ausnahmen werden nur gemacht, wenn man nachweisen kann, dass man Nachfahre der gesuchten Person ist.

Er erklärte auch, dass es ein international festgelegtes System für die Nummerierung der Vorfahren gibt: die Person, nach deren Vorfahren geforscht wird, erhält die Nummer 1, der Vater die Nummer 2, die Mutter die Nummer 3, dann der Großvater des Vaters die Nummer vier, die Großmutter des Vaters die Nummer 5 und so weiter – so erhalten alle männlichen Vorfahren gerade Zahlen als Zuordnung, und die weiblichen Vorfahren ungerade Zahlen. Die Nummer legt die Position in der Reihe der Vorfahren jeweils eindeutig fest, sodass – etwa bei gleichen Vornamen – keine Verwechslungen entstehen können.

Interessant auch, dass viele Namen in einer Ortschaft im Verlauf der Jahrhunderte aus einer Ortschaft verschwinden, andere neu dazukommen. Darauf hatte auch Hugo Hetterich in seinem Buch "Gernacher Geschichte und Geschichten" hingewiesen. So sind zum Beispiel die Namen Brehm, Drescher, Dusel, Trap, Vichel und Ullrich in Gernach nicht mehr zu finden.

Hugo Hetterich bedankte sich bei dem Referenten für seine Ausführungen zur Ahnenforschung recht herzlich und überreichte ein kleines Präsent. Die Senioren konnten bei einem schmackhaften Abendessen ihre Erinnerungen an die alten Zeiten austauschen und vertiefen.

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