Stall, Scheune, Schmuckstück

09.06.2009

 

Mainpost 9.6.2009
 
LINDACH
Stall, Scheune, Schmuckstück
 
MITTENDRIN: Isolde Folger ließ von ihrem Traumhaus nur die Außenmauern stehen
Isolde Folger ist impulsiv, kreativ – und sie weiß, was sie will. 1999 krempelte sie ihr Leben komplett um. Sie hängte ihren Beruf als kaufmännische Angestellte an den Nagel, wurde freiberufliche Malerin und sie baute. Aber nicht irgendein Haus auf der grünen Wiese. Isolde Folger wagte sich an den ehemaligen Kuhstall und die Scheune ihres Elternhauses – und machte daraus ein Schmuckstück.
Nichts erinnert mehr daran, dass in dem 1964 errichteten Gebäude bis 1983 Schweine und Kühe untergebracht waren und Stroh gelagert wurde.
„Ich malte zuerst in der Küche, dann auf dem Dachboden, aber alles wurde zu klein. 1999 entschloss ich mich, einen Teil des Stalls zum Atelier umzubauen“, erläutert die Lindacherin, die mit ihrer Familie im Haus ihrer Eltern wohnte.
Sie hatte keine Angst vor dem, was auf sie zukommt, packte die Sache an und zog sie durch. Von dem Gebäude blieben nur die Außenmauern stehen. Das Dach wurde neu gedeckt. Energetische Gesichtspunkte spielten eine große Rolle.
Entstanden sind in der einjährigen Umbauphase helle, moderne, funktionale und großzügig bemessene Arbeits- und Atelierräume im südlichen Stil. Der Boden ist zum Beispiel mit Terrakottaplatten gefliest. Holz und Stahl setzen wirkungsvolle Kontraste. Einen Teil der Arbeiten vergab sie an Firmen, ein Teil wurde in Eigenleistung gemacht. Im Jahr 2000 wurden die Räume mit einer Ausstellung eröffnet.
2005 entschloss sich die Malerin zu einem weiteren Umbau, weil der Platz wieder knapp wurde. Die Arbeiten gingen zügig. Sechs Monate später war es geschafft. Im Hinterhaus hatte eine über zwei Stockwerke führende Wohnung mit großer Eingangshalle und Loggia sowie Atelier- und Lagerräumen Platz gefunden. „Mit der Wohnung habe ich mir einen Traum erfüllt. Ich wollte ein Loft. Die Räume sind bis zu 4.20 Meter hoch. Es wurde viel Granit und Stahl verwendet. Alles ist so geworden, wie ich mir das vorgestellt habe“, erläutert die Künstlerin.
Räume und Einrichtung sind elegant, puristisch und modern gehalten, die Linien klar und schnörkellos. Vorherrschende Farben sind grau, schwarz, weiß, silber und braun. Besonders gerne mag Isolde Folger die Architektur und die Möbel des Bauhauses. Eines ihrer Lieblingsstücke ist die Reproduktion einer Liege von Le Corbusier. Gemälde und Skulpturen runden die Gesamtkonzeption ab.
Puristisch ist auch die Fassade des Gebäudes. Blickpunkte sind die großen Fenster und die zwei etwa 1,50 Meter großen, farbigen Scheiben, die die Künstlerin selbst kreiert hat. Neu gestaltet wurde im Zuge des Umbaus auch der Außenbereich. Auf Grünflächen wurde verzichtet. Der Boden ist mit verschiedenen Steinen gepflastert. Akzente setzen Topfpflanzen, Bäume, der Metallzaun aus Riffelblech und Skulpturen.
Der größte Teil der Arbeiten Isolde Folgers entsteht in Lindach. Ihr Domizil ist für die Künstlerin ein Ruhepol. „Ich hänge sehr an dem Ort, an meiner Familie und an meiner Wohnung. Ich fühle mich hier wohl und ich tanke hier Kraft für meine Arbeit“, betont Isolde Folger, die trotz ihres Erfolgs mit beiden Beinen im Leben steht. Sie ist natürlich geblieben, hat ihren Dialekt beibehalten. „Ich bin und ich bleibe Fränkin“, betont sie.
Bilder von ihr hängen unter anderem im Bundestag in Berlin und bei Willi Weber, dem Manager von Michael Schumacher. Inspirieren lässt sich Isolde Folger, die auch Kunst-Dozentin ist, von ihren Reisen – und von ihrer fränkischen Heimat.
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