Stoppt Nummer 6 die Blechlawine?

05.03.2009

Mainpost 05.03.2009

GAIBACH

Stoppt Nummer 6 die Blechlawine?

Rund 150 Zuhörer bei Infoabend zur Umgehung Volkach, Gaibach, Kolitzheim

Der Top-Favorit für die Lösung der Verkehrsnöte in Volkach, Gaibach und Kolitzheim heißt Variante 6. Der Arbeitstitel beschreibt eine Umgehung, die Volkach im Osten umschifft, nach Westen abbiegt und dort Gaibach und Kolitzheim weiträumig meidet. Die 21 Millionen Euro teure Variante stieß bei der Umgehungs-Infoveranstaltung im Gaibacher Frankenlandschulheim lediglich bei den Bewohnern von Volkach-Ost auf größeren Widerspruch.

Rund 150 Zuhörer füllten die Turnhalle des Landschulheims, um die Vertreter des Staatlichen Bauamts Schweinfurt die „ergebnisoffene“ Suche nach der passenden Umgehung für die drei Orte zu finden. Ergebnis der eineinhalbjährigen Voruntersuchungen waren acht Varianten und nach einem Behördentermin die vorläufige Einigung auf Nummer 6.

Die gut neun Kilometer lange Umgehung ist für Volkachs Bürgermeister Peter Kornell die langfristige „Lösung aller Verkehrsprobleme an der Mainschleife“. Allerdings ist klar, dass Gaibach und Kolitzheim mit der Umgehung nicht die dörfliche Idylle zurückerhalten. Lediglich eine Halbierung der täglichen Blechlawine prophezeite Holger Bothe, Direktor des Bauamts Schweinfurt. Das sei recht „ordentlich“ und für die verkehrsgeplagten Anwohner eine Erleichterung.

Der Osten trägt Teil der Last

Umkämpft im Publikum ist dagegen die Ostumfahrung Volkachs. Die Menschen, die dort an der einst angedachten und später in der Versenkung verschwundenen Umgehung – am Ostring – wohnen, sehen sich als „betrogene“ Verlierer der Entlastung von Volkach-Nord. Nicht ganz zu Unrecht: Während die Gaibacher Straße mit – laut Bothe – 7500 Fahrzeugen täglich um 45 Prozent der Verkehrslast erleichtert werden soll, müssten die Menschen am Ostring 33 Prozent mehr Verkehr oder täglich tausend Fahrzeuge mehr verkraften. An der Zahl zweifelten etliche Redner aus Volkach-Ost, die eine „wahnsinnige Verkehrszunahme“ prophezeiten.

Die Sorgen der Anwohner, ungeschützt die Last Anderer aufgebürdet zu bekommen, stieß bei Kornell auf Verständnis: Wenn der Ostring Teil der Umgehung werde, gebe es tausend Fahrzeuge mehr, aber es dürfe „lärmmäßig“ für die Anwohner nicht mehr Belastung geben. Dafür werde sich der Stadtrat einsetzen.

Weiter ungeklärt ist die Finanzierung des 21-Millionen-Projekts. So könnten Bothe zufolge die Umgehung Gaibachs und Kolitzheims als Sonderbaulast (die Stadt ist Bauherr, der Freistaat gibt Zuschüsse zwischen 70 und 80 Prozent) laufen, Volkach müsste mit seiner Entlastungs-Route auf die langwierige Aufnahme ins Neubauprogramm warten. Klar nur: Kornell will das Gesamtprojekt mit dem geringstmöglichen Zeitabstand erledigt wissen.

1,4 Millionen Euro: Volkach in Not

Sein Problem: Volkach drückt eine große Schuldenlast, die keine großen Sprünge erlaubt. Runde 1,4 Millionen Euro als Eigenanteil der Stadt für die Umgehung Gaibach – bei einer Sonderbaulast – seien fast unfinanzierbar. Das sah auch Landrätin Tamara Bischof so, die sich in München dafür einsetzen will, um Volkach mit maximal zehn Prozent der Kosten (700 000 Euro) zu belasten.

Wie geht's weiter? Volkach und Kolitzheim gehen jetzt mit der Umgehungs-Variante 6 in ihre Stadt- oder Gemeinderäte, die eine Entscheidung treffen sollen. In Volkach will Kornell zudem im Gremium den Lärmschutz für Volkach-Ost – wenn nötig – festschreiben lassen.

Bleibt die Frage nach dem möglichen Baubeginn: Da gab's in der Veranstaltung keine Vorhersage, nur von der Landrätin die von Erfahrung getragene Feststellung: „Wenn der Staat baut, dauert's zwölf bis 20 Jahre.“

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