Strom und Wärme aus Biomasse

19.04.2006

Mainpost 19.4.2006

 

Strom und Wärme aus Biomasse

 

oberspiesheim Etwa 600 Meter von Oberspiesheim entfernt in Richtung Herlheim wird ab Mitte Mai auf einer 27 000 Quadratmeter großen Ackerfläche eine Biogasanlage entstehen, die derzeit viertgrößte in Bayern. Mitte November soll die rund vier Millionen Euro teure Anlage, die Strom und Wärme aus Mais, Ganzpflanzenschnitt (GPS) und Getreide gewinnt, in Betrieb gehen.

 

Den Strom - pro Jahr etwa 7,5 Millionen Kilowattstunden - nimmt die Unterfränkische Überlandzentrale (ÜZ) Lülsfeld ab. Die Genossenschaft erhöht dadurch ihren Stromanteil aus regenerativer Energie wie Wind- oder Wasserkraft oder Photovoltaik um etwa 1,8 Prozent auf 25 Prozent und liegt mit diesem Anteil im Bundesgebiet in der Spitzengruppe der Versorgungsnetzbetreiber.

Wärme für Treibhäuser

Die Wärme, die bei der Vergärung des Substrates - gehäckselter Mais und Ganzpflanzenschnitt (Getreide, das etwa 14 Tage vor der Körnerreife abgeschnitten wird) - entsteht, wird als 85 Grad heißes Wasser zur etwa 350 Meter entfernten Gärtnerei Gernert geleitet und dort für das Heizen der Treibhäuser verwendet. Die Energie entspricht einer Heizölmenge von 600 000 Litern und reicht, wie Bernhard Bedenk von der ÜZ erläutert, für die Grundversorgung der Gärtnerei.

Betreiber der Biogasanlage wird die im Sommer 2005 gegründete Bio-Energie Oberspiesheim GmbH  &  Co KG sein. Die Gesellschaft besteht aus 28 Landwirtschaftsbetrieben im Umkreis von etwa zehn Kilometer um Oberspiesheim, die jeweils vier bis 20 der 2500 Euro teuren Anteile zeichneten und dafür pro Anteil Grünmasse von jeweils 1,35 Hektar Fläche anliefern dürfen - pro Betrieb also zwischen fünf und rund 25 Hektar.

Auch Bauernverband engagiert

Federführend in der GmbH  & Co KG sind die "MR-Service GmbH" der Maschinen- und Betriebshilfsringe Hofheim und Gerolzhofen sowie die ÜZ. Diese gründeten die "Bio-Energie-Verwaltungs-GmbH MR-ÜZ". Mit großem Engagement ist der Bauernverband-Kreisverband Schweinfurt in Person des Geschäftsführers Dipl. Ing. Manfred Kraus beratend tätig, erläuterten die Geschäftsführer der Bio-Energie-Verwaltungs GmbH MR-ÜZ, Energieberater Bernhard Bedenk (Schallfeld) von der ÜZ und der Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsringes Hofheim, Dipl.-Ing. FH Tino Scheithauer (Donnersdorf), bei einem Pressegespräch.

An dem Gespräch nahmen auch der Geschäftsführer des Maschinenringes Gerolzhofen, Roland Kukoll (Zeilitzheim), und der Vorsitzende des Beirates der Landwirte, Egon Mauer (Brünnstadt), teil. Von dem von der Bio-Energie Oberspiesheim GmbH  &  Co KG gekauften Gelände bei Oberspiesheim wird etwa ein Drittel, wie vom Bund Naturschutz im Zuge des Bebauungsplan-Verfahrens gefordert, als Eingrünungsfläche verwendet. Rund um das Gelände wird ein zehn bis 15 Meter breiter, leicht erhöhter Grünstreifen mit heimischen Gehölzen entstehen. Ein weiteres Drittel der Fläche wird für die Zwischen-Lagerung des von den Landwirten angelieferten Silage-Materials in fünf, bis zu 80 Meter langen und 2,50 Meter hohen, abgedeckten Fahrsilos benötigt.

Behälter zwei Meter im Boden

Auf dem restlichen Drittel des Geländes werden elf bis zu sechs Meter hohe Behälter für die Fermentierung, Nachgärung und Endlagerung des Grün-Materials und Körner-Getreides errichtet. Diese Behälter werden aber nach Aussage der Verantwortlichen nicht sechs Meter hoch über das Gelände-Niveau ragen, sondern um etwa zwei Meter im Boden versenkt. Gebaut wird auch ein Maschinenhaus. Die Betriebsabläufe auf der Anlage steuern zwei fest angestellte Arbeitskräfte.

Rund 30 der so genannten Träger öffentlicher Belange wurden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens gehört. Forderungen wie der Bau einer Abbiegespur aus Richtung Herlheim und eine verstärkte Umgrünung der Anlage wurden danach in die Planung eingearbeitet. Einsprüche von Bürgern habe es nicht gegeben. Auch der Gemeinderat Kolitzheim habe in der jüngsten Sitzung seine Zustimmung erteilt.

"Wir erwarten jetzt die Baugenehmigung in den nächsten Tagen", sagt Bernhard Bedenk. Der Baubeginn sei in der zweiten Woche im Mai vorgesehen.

Strom und Wärme gewonnen wird das ganze Jahr über in der Anlage. Die Anlieferung der jährlich 24 000 Kubikmeter Grün-Masse - rund zwei Drittel gehäckselter Mais, knapp ein Drittel Ganzpflanzensilage (Getreide im Stadium der Milchreife) und täglich eine Tonne Getreidekörner - wird in jeweils etwa zwei Wochen ab Ende Juni (Getreide-Grünmasse) und ab Ende September (Mais) erfolgen.

Was angeliefert wird, wächst auf einer Gesamtfläche von etwa 400 Hektar. Zwischen 60 und 70 Fahrten landwirtschaftlicher Fahrzeuge sind in den kurzen Erntezeiten zur Anlieferung erforderlich, um die Einsatzstoffe zu liefern. Die Anlieferung des Getreides erfolgt das ganze Jahr über. Täglich ist hier etwa eine Tonne erforderlich.

Geruchsbelästigungen dürften durch die neue Anlage nicht auftreten, sagt Bedenk. "Die gesetzlichen Vorgaben werden deutlich übererfüllt".

Für die Landwirte, die an der Anlage beteiligt sind, bringt diese einen gesicherten neuen Absatzbereich für Bio-Masse. Sie sind nicht mehr ausschließlich von der Nahrungsmittelproduktion abhängig.

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