Unbewohnte Gebäude keine Zierde

19.09.2006

Mainpost 19.9.2006

 

Unbewohnte Gebäude keine Zierde

 

Kolitzheim "Wir haben in allen Ortsteilen der Gemeinde eine ganze Reihe leer stehender Gebäude - nicht nur Nebengebäude, sondern auch Wohnhäuser - und leider nicht nur in Nebenstraßen, sondern auch an Hauptstraßen: Gebäude, die zum Teil schon in baufälligem Zustand sind und wahrlich keine Zierde mehr für das Ortsbild", bedauert Bürgermeister Horst Herbert. Machen kann die Gemeinde dagegen so gut wie nichts. Nur an die Besitzer appellieren, dass sie ihr Eigentum nicht verfallen lassen.

 

So wie Herbert geht es vielen Bürgermeistern in ganz Bayern. "Gerade in der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, dass ein Ortsbild einen intakten Eindruck macht und keine Ruinen wie kaputte Zähne in den Ortschaften herumstehen. Seit einigen Jahren haben wir unsere Anstrengungen im Bereich Tourismus sehr verstärkt. Da sind unbewohnte Gebäude, vor allem in guter Lage, wahrlich nicht das, was wir brauchen können", sagt Herbert.

Die Gemeinde selbst gehe, wo immer sich Gelegenheit bietet, mit gutem Beispiel voran und nehme Dorferneuerungsmaßnahmen oder Städtebauförderungsmittel in Anspruch, um in den Ortsteilen Dorfplätze zu verschönern oder Ortsbildgestaltungen in die Tat umzusetzen. So sei bereits viel erreicht worden, sagt Horst Herbert. Und immer wieder sorgen auch Hausbesitzer durch aufwändige, vorbildliche Renovierungen für Glanzpunkte in den Orten, was ihn und den Gemeinderat sehr freue. Wenn er durch die Gemeinde fahre, könne er in diesem Punkt sogar sehr zufrieden sein.

Kein Patentrezept

Ein Problem aber, das man nicht übersehen dürfe, seien leer stehende Gebäude in der Gemeinde allemal. Sie aus den Orten verschwinden zu lassen, dafür gebe es kein Patentrezept. So mache er bei Bürgerversammlungen immer wieder deutlich, wenn über zerfallende Anwesen gesprochen wird: "Wir können als Gemeinde nicht alle alten Häuser aufkaufen und herrichten. Das würde unsere Möglichkeiten bei weitem übersteigen". Außerdem, meint Herbert, entstünde der Eindruck, man könne ein Haus ruhig verfallen lassen; die Gemeinde kümmert sich schon darum.

"Wir können nur immer wieder an die Leute appellieren, etwas gegen den Verfall von Gebäuden zu tun, denn Eigentum verpflichtet auch", meint Herbert. Es sei sehr wichtig, die Orte lebendig zu halten, denn sonst sterben sie allmählich aus.

Verstärkt habe das Problem mit leer stehenden Anwesen in den letzten Jahren auch der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Immer mehr kleinere Betriebe gaben die unrentable Landwirtschaft auf. Nebengebäude wie Ställe und Scheunen werden nicht mehr benötigt und verkommen. Bei den Wohnhäusern sehe es noch etwas besser aus.

Viele Dorfbewohner hätten in den letzten Jahren auch neue Häuser in den Siedlungen gebaut, weil sie sich entweder nicht mit Auflagen des Denkmalschutzes herumschlagen wollten oder erhebliche Einschränkungen beim Bauen moderner Gebäude in Altorten befürchteten. Gerade Letzteres sei völlig falsch, denn in der Regel gebe es für für die Ortszentren keine Bebauungspläne, während in Neubaugebieten oft strenge Gestaltungsvorschriften einzuhalten seien.

Und auch in punkto Denkmalschutz müsse man seit einigen Jahren mit weniger Auflagen rechnen, sagt Horst Herbert. Die Denkmalschützer hätten inzwischen eingesehen, dass man mit restriktiven Forderungen nicht weit komme. Auch Geld stehe für Privatmaßnahmen kaum noch zur Verfügung. Zuschüsse geben es eigentlich noch von Gemeinde, Landkreis oder Bezirk.

Ein weiteres Argument, das gerne für das Bauen in Siedlungsgebieten anstatt in Altort-Lagen angeführt wird, seien die Abbruchkosten für bestehende Gebäude. Die machen aber, so Herbert, in den meisten Fällen weniger aus als die Erschließungskosten in Neubaugebieten. Und in Altorten fallen keine an, weil die Anwesen ja längst erschlossen und bezahlt sind. Er freue sich, sagt der Bürgermeister, dass in jüngster Zeit, obwohl die Gemeinde mittlerweile in allen Ortsteilen genügend Bauland ausgewiesen und erschlossen habe, die Tendenz zu spüren sei, dass junge Leute wieder mehr in den Dörfern investieren und auch manches Nebengebäude zum Wohnhaus umgebaut werde.

Zuschüsse für Private

Und Leute, die sich nicht sicher seien, ob sie im Ort bauen sollen oder in einem Siedlungsgebiet, bitte er, so Herbert, mit der Gemeinde das Bauvorhaben zu besprechen. Auch im Zuge von Dorferneuerungsmaßnahmen wie zur Zeit in Kolitzheim gebe es noch Zuschussmöglichkeiten für private Bauvorhaben - und, was auch ein Vorteil sei, kostenlose Beratung durch das Amt für ländliche Entwicklung und das von ihr beauftragte Architekturbüro.

Wünschenswert wäre auch, wenn Hausbesitzer, die ältere Gebäude in Altortbereichen haben und sie nicht mehr brauchen oder nicht mehr renovieren wollen oder können, diese verkaufen. Die Immobilienpreise seien zur Zeit zwar "ein wenig am Boden", aber die Grundstücke oder Teile davon Nachbarn oder anderen Privatleuten zum Kauf anzubieten sei noch besser als sie so zerfallen zu lassen, dass Ziegel vom Dach und Steine aus den Wänden fallen und die Gemeinde ihrer Sicherungspflicht nachkommen und den unmittelbaren Bereich solcher "Schandflecken" absperren muss.

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