Ungewöhnliche Musik, die ins Blut geht

25.09.2008
Mainpost 25.09.2008

ZEILITZHEIM

Ungewöhnliche Musik, die ins Blut geht

Publikum begeistert beim Gastspiel der Gruppe „Talisman New Gypsy Art“ im Schloss

Das Publikum klatschte begeistert. Bravorufe und „Das war zu kurz“ ertönten immer wieder dazwischen. Die Künstler der Gruppe „Talisman New Gypsy Art“, die im Schloss in Zeilitzheim auftraten, verbeugten sich und wollten gehen. Die Zuhörer ließen es nicht zu und applaudierten unermüdlich weiter, bis die Interpreten sich bereit erklärten, noch etwas zu spielen. Aber auch dann war es noch nicht genug, und sie ließen die drei Vollblutmusiker erst und ungern nach einer weiteren Zugabe gehen.

Traurig und fröhlich

 

In dem etwa zweistündigen Konzert zogen Oleksandr Klimas, Oleg Nehls und Viktor Maksimu die Zuhörer mit ihrer Musik, ihrem Können und ihrem Temperament in ihren Bann. Sie verausgabten sich und wurden eins mit den Instrumenten, die sie meisterlich beherrschten. Sie entlockten ihnen traurige und fröhliche Melodien, die ihren eigenen Zauber ausstrahlten. Ungewöhnliche Musik, die überschrieben werden konnte mit „Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt“. Musik, die ins Ohr ging, die den Alltag vergessen ließ und die in eine andere Welt entführte. Die Zeit verging wie im Fluge und so konnten die Zuhörer es kaum fassen, als Oleksandr Klimas nach eineinhalb Stunden feurigen Spiels verkündete: „Das war es“.

 

In den Stücken, die teils instrumental waren, teils vom Gesang begleitet wurden, ging es um Liebe, Sehnsucht, Tod, Schmerz und Leidenschaft. Die drei Musiker verstanden es, diese Gefühle perfekt auf die Musik zu übertragen ohne dass es kitschig wurde. Die gefühlvollen und temperamentvollen Weisen, die sie selbst komponiert oder die sie neu arrangiert und interpretiert hatten, gingen ins Herz und ins Blut. Niemand konnte sich ihrem Charme entziehen. Überschrieben waren sie zum Beispiel mit so poetischen Titeln wie „Gypsy-Karawane“, „Horses dreams“ oder „Das einsame Segelboot“.

 

Plastische Wirkung

 

Neben konventionellen Instrumenten wie Gitarre, Geige und Akkordeon kamen selbst gebaute oder unfunktionierte Instrumente zum Einsatz, zum Beispiel Ketten in dem Lied „Der Gang zum Schafott“. Diese Kombination sowie der Wechsel von schnellen und langsamen Sequenzen, von dunklen, schrillen und schrägen Tönen ließen das Stück sehr plastisch wirken. Vor dem geistigen Auge wohnte das Publikum der Hinrichtung bei. Die Angst und Anspannung des Delinquenten waren hör- und fühlbar. „Erschrecken Sie nicht, wir spielen so etwas nicht mehr, laufen Sie nicht weg“, scherzte Oleksandr Klimas.

 

Weite und Freiheit assoziierten die Musiker mit dem Stück „Horses dreams.“ Es war förmlich zu hören, wie Pferde über eine weite Ebene im Galopp trabten. Zum Abschluss nahmen die drei Künstler die Zuhörer mit auf eine Fahrt mit dem Segelboot. Sie entlockten ihren Instrumenten Töne, die sich wie das Geschrei von Möwen, das Knarren von Holz, das Rauschen des Windes in den Segeln oder das Fließen des Wassers anhörten – eine perfekte Illusion, wunderschön anzuhören und ungewöhnlich.

 

Wurzeln in der Musik der Roma

 

Alle drei Musiker haben eine klassische Musikausbildung und erhielten für ihr Spiel und Können hochrangige Preise. Sie verschmelzen in ihrer Musik unterschiedliche Musikrichtungen. Die Wurzeln liegen unverkennbar in der Musik der Roma.

 

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