Viel im Krieg durchgemacht

24.10.2006

Mainpost 24.10.2006

 

Viel im Krieg durchgemacht

 

GERNACH (ES) Bei guter Gesundheit kann Erwin Werner heute feiern. Am 24. Oktober 1921 in Gernach als ältestes von vier Geschwistern geboren, besuchte er zunächst die Volks- und danach die Fortbildungsschule. Im April 1938 tritt er bei Fichtel & Sachs ein.

Im Januar 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Seine Scharlach-Erkrankung rettete ihn möglicherweise vor dem Tod, denn viele Kameraden seiner Einheit kehrten vom Afrika-Feldzug nicht lebend zurück. 1942 bis zum Rückzug 1943 gehörte Erwin Werner in Russland einer Funkeinheit an. Bis zum Ende des Kriegs war er aufgrund der verschleppten Malaria-Erkrankung zur besonderen Verwendung in der Einheit "Geheime Waffen" eingesetzt.

Die Übergabe der Unterlagen für die V 2 an die Amerikaner Ende April 1945 rettete ihn vor der russischen Gefangenschaft: Im Gegenzug setzten die Amerikaner die gesamte Division "geheime Waffen" in der Nacht zum 1. Mai 1945 auf das westliche Elbufer über, so dass sie nicht in russische, sondern in amerikanische Gefangenschaft kam.

Am 29. Juni 1945 kam er nach Gernach zurück, im Februar 1946 konnte er wieder bei Fichtel & Sachs zu arbeiten beginnen. Er war zunächst als Schichtarbeiter in der Stoßdämpfer-Abteilung, dann in der Schleiferei und schließlich als Maschinen-Einsteller tätig. Ende Oktober 1982 trat er in den Ruhestand.

1952 heiratete Erwin Werner die Gernacherin Paula Hellerich. Zwei Kinder entstammen ihrer Ehe, und mit ihnen können vier Enkel dem Opa zum Geburtstag gratulieren. Schon gleich nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft spielte Erwin Werner beim TSV Gernach Fußball, zuerst in der ersten Mannschaft, dann in der Reserve und später bei den Alten Herren. Der TSV ehrte ihn für 70-jährige Mitgliedschaft. Die Feuerwehr verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand war er einer der drei damals mutigen Männer, die am Seniorentreff teilnahmen. 1982 war dieses Treffen der Senioren gerade im Entstehen. Im Januar 2002 konnte er mit seiner Frau Paula Goldene Hochzeit feiern. Ihr Tod im vergangenen Jahr war für ihn nicht leicht zu verkraften. Trotzdem lässt er den Lebensmut nicht sinken: Er hält Kontakt mit den Rentnern, die mit ihm alt geworden sind, und auch dem Seniorentreff ist er weiter treu.

Auch lässt es sich Erwin Werner nicht nehmen, mit seinem Hund jeden Tag wenigstens ein Stück spazieren zu gehen.

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