Vom bunten Rock zum Feldgrau

30.03.2007

Mainpost 30.3.2007

 

STAMMHEIM

Vom bunten Rock zum Feldgrau

 

„Vom bunten Rock zum Feldgrau“ lautet in diesem Jahr das Motto des Museumsfrühlings im Museum für Zeitgeschichte. Den 90. Jahrestag des Endes der Schlacht vor Verdun im 1. Weltkrieg und die Uniformen dieser Zeit haben sich Günter Weißenseel und sein Team für den 31. März und den 1. April zum Thema genommen.

Erich Maria Remarque beschreibt es sehr eindringlich in seinem Roman „Im Westen nichts Neues“, das sinnlose Sterben in den Materialschlachten des 1. Weltkriegs. Als die größte Schlacht dieses Krieges gilt die vor Verdun. Sie begann am 21. Februar 1916 als „Operation Gericht“ unter Führung von Generalstabschef Erich von Falkenhayn. Sie endete erst viele Monate später und kostete rund 300 000 Soldaten auf beiden Seiten das Leben – Ohne, dass sich der Frontverlauf entscheidend geändert hätte.

„Die Soldaten sind im bunten Rock mit Begeisterung ausgezogen und mussten in Feldgrau dem Stellungs- und Grabenkrieg ihren Tribut zollen“, so Museumschef Günter Weißenseel zum diesjährigen Museumsfrühling, der sich anlässlich des 90. Jahrestages des Endes der Schlacht von Verdun mit dieser Thematik beschäftigt. Eine Chronik aus Zeiten des 1. Weltkrieges zeigt, dass auch viele Stammheimer in den Schlachten dieses Krieges kämpften. 17 Gefallene waren dabei am „Eselsberg“ zu beklagen.

Hauptmann a. D. Wilhelm Pierau aus Dittelbrunn, der beim Festakt am Samstag um 10 Uhr eine Referat zum Thema „Vom bunten Rock zum Feldgrau“ halten wird, macht für die hohe Zahl der Gefallenen vor allem auch die fortschreitende Technisierung der Kriegführung verantwortlich: „Der Mensch hatte die Technik nicht mehr im Griff. Man hatte keine Vorstellung, was die Technik für Fortschritte gemacht hatte.“

Schutz nicht ausreichend

So etwa kamen neben Giftgas im 1. Weltkrieg auch erstmals Maschinengewehre zum Einsatz. Und obwohl die Pickelhaube auf deutscher Seite 1916 vom Stahlhelm verdrängt wurde, war der Schutz der Soldaten in ihren Stellungen kaum ausreichend. Sie bekamen an den Helm zur Verstärkung eine stählerne Stirnplatte, und waren mit dem „Grabenpanzer“, einer Art kugelsicheren Weste, ausgestattet. Dennoch war es gegen die Durchschlagskraft der modernen Waffen oft zu wenig. „Es gab den Irrglauben, Stahl hält alles ab“, so Pierau.

Damit sich die Museumsbesucher ein Bild davon machen können, welche beklemmende Situation in einem Stellungsbunker vor Verdun geherrscht haben muss, hat das Museumsteam von Günter Weißenseel in monatelanger Arbeit eine solche Anlage nachgebaut. Komplett mit Stacheldrahtverhau, Stolperdrähten, MG–Stellung, Schützengräben, Kommandostand und Lazarett. Die bedrohliche Geräuschkulisse mit Granat-Einschlägen und Maschinengewehrfeuer soll vom Band eingespielt werden.

Darsteller von weit her

Rund 60 Darsteller in historischen Uniformen und Kleidern der ausgehenden Kaiserzeit werden am Wochenende die Bunkeranlage und das angrenzende Feldlager mit Leben erfüllen. Sie kommen teils von weit her – aus Trier, Stuttgart, Saarbrücken, Darmstadt. Die Darsteller bringen sowohl deutsche als auch französische Uniformen mit.

Auch Kinderuniformen werden zu sehen sein. „Die waren damals nicht unüblich und orientierten sich an der Tätigkeit des Vaters,“ erläuterte Weißenseel und zeigt eine Polizeiuniform im Miniformat. Auch die damals sehr beliebten Matrosenanzüge für Kinder, die man häufig auf alten Fotos sieht, fallen in diese Rubrik: „Diese Art Kleidung war dem Kaiser geschuldet, dessen großes Steckenpferd die Marine war“, so Weißenseel. Im Inneren des Museums ist eine interessante Sammlung von Uniformen zu sehen, die Weißenseel und sein Team im vergangenen Jahr zusammengetragen haben.

Auch Verköstigung

Wie immer bei den Museumsfesten wird es auch in diesem Jahr wieder eine Verköstigung aus der Feldküche und der Feldbäckerei geben. An beiden Tagen stehen Fahrzeug- und Panzervorführungen auf dem Programm. Die alte Schmiede ist in Betrieb, und die Feldbahn dreht im Freigelände ihre Runden. Am Sonntag ist zum Weißwurstfrühstück und Frühschoppen eingeladen.

 

 

Zu den News