Von Jakobus zu Jakobus

17.08.2018

Mainpost, 17.08.2018

HERLHEIM

Von Jakobus zu Jakobus

"Die Idee war, vom Jakobus zum Jakobus zu fahren“, berichtet Fred Krauß aus Herlheim bezüglich seiner Fahrrad-Wallfahrt auf dem Jakobusweg. Diesen Wunsch, von der Herlheimer Pfarrkirche Sankt Jakobus bis zum Grab des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela zu reisen, erfüllte sich der Herlheimer in diesem Sommer auf einer fünfwöchigen Rad-Pilgerfahrt.

Ohne große Planung

„Von der ersten bis zur letzten Minute war diese Fahrt ein Traum“, begeistert sich der Herlheimer, der von Thomas Rückert aus Humprechtshausen begleitet wurde. Auch ohne große Planung, lediglich der Rückflug stand fest, funktionierte alles bestens auf der 2700 Kilometer langen Strecke. Es fanden sich täglich gute Unterkünfte, mit erträglichen Temperaturen und bis auf drei Regentage spielte auch das Wetter mit. Die wenigen Pannen an den Fahrrädern waren leicht zu reparieren.

Bergetappe im Zentralmassiv

Die Fahrt begann in Herlheim und führte, schon in Deutschland immer die wegweisende Jakobusmuschel im Blick, über Rothenburg ob der Tauber, Ulm und Konstanz in die Schweiz. Dort gab es eine Übernachtung in Kloster Einsiedeln, ehe es entlang der Ausläufer der Alpen über Luzern und Genf nach Frankreich ging. Hier führte der Weg an Lyon und Le puy-en-Velay, einem wichtiger Ort am französischen Jakobusweg, vorbei, wobei die Fahrradpilger das französische Zentralmassiv passieren mussten.

Diese Etappe war der anstrengendste Teil der ganzen Tour, berichtet Krauß. Mit 33 bis 34 Grad lagen die Temperaturen recht hoch und beim ständigen Auf und Ab in diesem Gebirge mussten die Radler mit über 2000 Höhenmeter an einem Tag die meisten Bergstrecken bewältigen. Saint-Jean-Pied-de Port, am Fuße der Pyrenäen gelegen, war schließlich die letzte Station in Frankreich. In dieser Stadt vereinigen sich die zahlreichen Jakobus-Pilgerstrecken aus Osten und Norden zu einem einzigen Weg.

Pyrenäen waren leichter

Ohne große Probleme überquerten die beiden unterfränkischen Pilger die Pyrenäen und setzten bei angenehmen Wetterbedingungen ihren Weg in Spanien über Pamplona, Burgos und León fort. Den klassischen Pfad konnten die Radpilger nur teilweise benutzen, da er oft mit dem Rad nicht befahrbar ist. Häufig ging die Fahrt deshalb über Radwege, die manchmal etwas abseits, oft aber auch parallel des Caminos verlaufen und ihn auch immer wieder kreuzen.

Je näher sie Santiago de Compostela kamen, desto mehr Pilger bevölkerten den Camino de Santiago, berichtet Fred Krauß. Auf dem Weg und natürlich auch in den Herbergen gab es sehr schöne und interessante Begegnungen und Gespräche mit Menschen aus aller Welt. So trafen die Unterfranken neben Deutschen beispielsweise auch Holländer, Litauer, Esten und sogar Kanadier.

Kleine Kirchen bevorzugt

Wunderschön und sehenswert waren auch die Städte und Dörfer auf der Strecke. Oft hätten sie allerdings kleine Ansiedlungen mit kleinen Kirchen viel mehr angesprochen als größere Orte und riesige Kathedralen. Auch die Landschaften mit teilweise wunderbaren Ausblicken und die Natur genossen die Rad-Pilger in vollen Zügen. Dabei prägten sich oft kleinste Details, wie eine einzelne Blume in einem Felsen, besonders gut ein.

Einer der Höhepunkte der Reise war der Besuch am Cruz de Hierro, einem eisernen Kreuz auf einer Höhe von 1500 Metern auf den Montes de León, dem „Dach des Jakobuswegs“. Wie viele Pilger legte auch Fred Krauß hier einen mit einem Wunsch beschriebenen Stein, und damit symbolisch eine Last, ab, den er von zu Hause mitgebracht hatte.

Standbild umarmt

Nach 27 Tagen erreichten die beiden Rad-Pilger schließlich Santiago de Compostela. Wie es üblich ist, umarmte der Herlheimer Pilger in seiner Freude angekommen zu sein, in der Kathedrale das Standbild des Heiligen Jakobus.

Nach einem Tag Aufenthalt in der Wallfahrerstadt ging es weiter zum Kap Finisterre am Atlantik, dem Ende des Jakobuswegs.

Vom Leuchtturm am Kap Finisterre, dem „Ende der Welt“, konnten die beiden unterfränkischen Pilger atemberaubende Ausblicke auf den Atlantischen Ozean genießen. Vor dem Rückflug blieben dann noch drei bewegende Tage in der Stadt des Apostelgrabes. Natürlich besuchten die Unterfranken auch eine Pilgermesse und sahen hier sogar den 54 Kilogramm schweren Weihrauchkessel in Funktion, als er geschwenkt wurde.

Viele Stempel im Pilgerpass

Mehrmals besuchten sie auch die Messe in deutscher Sprache, an der sie mitwirkten. Und selbstverständlich erhielten die beiden Rad-Pilger den Pilgerpass, der sie als echte Pilger ausweist. Hierfür hatten sie als Bestätigung auf ihrer langen Reise zahlreiche wunderschöne Stempel erhalten.

Rechtzeitig zum Patronatsfest in der Herlheimer Kirche Sankt Jakobus kehrte Fred Krauß in die Heimat zurück und zog hier mit seinem Fahrrad zusammen mit Pfarrer Andreas Engert und den Ministranten in die Kirche zum Festgottesdienst ein.

 

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