Was Klinsi von Jenny lernen kann

18.03.2006

Mainpost 18.3.2006

 

 

Was Klinsi von Jenny lernen kann

 

Zeilitzheim/Volkach Sie hatte die Krone noch keine zehn Minuten auf, da bekam Jennifer Herbert schon einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten zwölf Monaten als Fränkische Weinkönigin auf sie zukommt.

 

Hände schütteln. Bussi hier, Bussi da. Wieder Hände schütteln. "Jenny, schau mal hier her". Kurz in Richtung Kamera lachen. Wieder ein paar Hände zu schütteln. Das Defilee der Gratulanten reißt nicht ab. "Unbeschreiblich" sei das Ganze, erzählt die 21-jährige den Herren vom Fernsehen. Die Gratulanten müssen mal eben eine Pause einlegen. Kurz nur. "Ich kann es noch gar nicht glauben", diktiert sie einem Vertreter der schreibenden Zunft in den Block, während sich ihr schon wieder eine Hand entgegen streckt.

Und kaum dass sich die Reihen der Gratulantenschar etwas lichten, kommt auch schon Hermann Schmitt, der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, auf die Bühne. Vorbei ist's mit dem Gratulieren. Radio und Fernsehen brauchen Jenny. Live. Jeder will etwas von der neuen Königin. Möglichst exklusiv. Möglichst sofort. Stress schon in der ersten Stunde. Aber an ihrem Gesicht kann man ablesen, dass sie das nicht stört. Eher im Gegenteil.

Faire Konkurrentin

Als es dann doch eine kleine Verschnaufpause gibt, verabschiedet sich Anne Hahn von ihr. Die 24-Jährige war die härteste Konkurrentin, war in der Stichwahl unterlegen. Es kann nur eine geben. Anne nimmt es sportlich. Überhaupt scheint die Chemie zu stimmen zwischen den beiden. In den langen Minuten, bis die Stimmen ausgezählt waren und der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Andreas Oestemer, das Ergebnis bekannt gab, hielten sich die jungen Damen auf der Bühne an den Händen.

Das änderte sich erst, als Oestemer den Satz sprach, auf den alle gewartet haben. "Die neue fränkische Weinkönigin ist... Jennifer Herbert!" Die riss jubelnd die Arme in die Höhe, Anne Hahn klatschte fair Beifall, freute sich mit. Die mitgereisten Fans aus Zeilitzheim standen Kopf. Schon stürmten die ersten Gratulanten auf die Bühne. Horst Herbert, der Zeilitzheimer Bürgermeister. Harald Leitherer, der Schweinfurter Landrat. Nicole Then, vor drei Jahren selbst in Volkach zur Königin gewählt und nun souveräne Moderatorin des Ereignisses, komplimentierte sie wieder von der Bühne. Zuerst die Krönung, dann die Glückwünsche. Spritzig, eloquent, charmant. So hatte sich Jennifer Herbert bei der Vorstellungsrunde und bei den Fachfragen präsentiert. Was sie denn mitnähme auf eine einsame Insel, wollten Nicole Then und ihr Moderationspartner Axel Robert Müller wissen. "Frankenwein, Kerzen für das romantische Ambiente, und ein Boot", antwortete sie. Um dann doch wieder von der Insel wegzukommen? "Um Wein-Nachschub zu holen", fuhr sie fort.

Mehr Nähe zum Team

Und welchen Promi würde sie gerne mal kennen lernen? "Jürgen Klinsmann", kam es wie aus der Pistole geschossen. Und warum? Weil sie wisse, wie er seine in letzter Zeit schwächelnden Jungs wieder auf WM-Kurs trimmen könnte. Mit Frankenwein nämlich. Denn der sei besser als Doping, betonte die begeisterte Hobby-Sportlerin: "Ohne dass ich das jemals ausprobiert hätte." Außerdem könnte sie dem Klinsi dann mal stecken, dass ein Bundestrainer so kurz vor dem Großereignis schon in die Nähe seiner Mannschaft gehöre und nicht nach Kalifornien.

Und sie, die mit einem 2005er "Der Franke" Silvaner trocken vom Zeilitzheimer Weingut Rainer Mößlein bei der Wahl ins Rennen ging, brach eine Lanze für Weine mit Terroir, hinter denen die Handwerkskunst des Winzers stecke, und plädierte gegen Designer- oder Kunstweine. "Die Leute greifen lieber zu einem Naturprodukt, hinter dem ein Gesicht steht", war sich Jennifer sicher.

Die Jury konnte sie überzeugen. Nun hat sie zwölf Monate Zeit, auch möglichst viele Verbraucher, Erzeuger und Entscheidungsträger mit ihrer Botschaft zu erreichen. Das kann stressig werden. Aber mit Stress umzugehen, kann Jennifer ja gleich kurz nach der Wahl trainieren. Und während sie munter Interviews gibt und weitere Hände schüttelt, wartet daheim in Zeilitzheim schon die Blaskapelle. Für den rauschenden Empfang und die lange Nacht am neuen Königshof des Frankenweins, dem Heiligenberg.

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