Wenn Küche wegen Heizung warten muss

19.03.2007

Mainpost 19.3.2007

 

Wenn Küche wegen Heizung warten muss

 

ZEILITZHEIM Nicht nur das Klima ist im Wandel, auch die Einstellung vieler Häuslebauer und Hausbesitzer befindet sich in einem völligen Umbruch. „Die Küche kommt heute eindeutig nach der Heizung“, betont so Frank Hartmann vom Forum Wohnenergie in Zeilitzheim, um zugleich darauf hinzuweisen, dass der Trend in Deutschland stark in Richtung Klimaschutz, sprich Erneuerbare Energien zur dezentralen Energieversorgung von Häusern und Gebäuden geht. Diese stünden endgültig nicht mehr in der Spinner-Ecke, sondern seien zur absolut salonfähigen Technologie gereift.

Mit anderen Worten: Begriffe wie Biogas, Solarthermie, Erdwärme oder Photovoltaik seien keine Fremdwörter mehr, sondern gängiger Sprachgebrauch.

Das ist kein Wunder: In Zeiten steigender Energiepreise suchen immer mehr Hausbesitzer nach Alternativen zu Öl und Gas. Von Tag zu Tag mehr werden und sind dabei auch Alternativen zur Schadstoff-Emission und vor allem zur Reduzierung des CO•-Ausstoßes gefragt.

Ausgesprochener Fachmann

Frank Hartmann weiß, wovon er spricht. Er ist Elektroinstallateur und Energietechniker, Gas-Wasser-Installateur sowie Heizungs- und Lüftungsbauer. Im Jahr 2000 mit seiner Frau nach Zeilitzheim gekommen, hat er hier 2002 in der alten Pickelschen Schmiede das Forum Wohnenergie als Dienstleistungszentrum für effizientes Bauen und Modernisieren auf dem Gebiet der Haus- und Gebäudesystemtechnik gegründet. Hier hat seit 2003 auch die Sektion der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS) ihren Sitz, für die Frank Hartmann inzwischen als Vorsitzender des bundesweit tätigen Fachausschusses „Wärmepumpe“ in Sachen Beratung und Weiterbildung tätig ist. Daneben ist er Mitbegründer der Solateur-Schule Nürnberg und Autor von Fachbüchern auf diesem Gebiet.

Die tagtägliche Erfahrung zeige, so Hartmann, dass das Bewusstsein der Menschen da sei, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Den Häuslebauern kommen dabei eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz zu. Natürlich gehe es einerseits darum, mit der Investition nicht nur der Umwelt einen Dienst zu erweisen, sondern auf Dauer auch Geld zu sparen. Mehr und mehr seien sie bereit, auch etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, um der Verantwortung für die Umwelt gerecht zu werden. Vielfach hätten die Leute aber Angst vor einer falschen Entscheidung für die nächsten 20 bis 25 Jahre, weshalb sie verstärkt Wert auf eine umfassende Aufklärung über die Nutzungs- und Anwendungsmöglichkeiten etwa von Umweltwärme mit Wärmepumpen legen.

Energieeffizienz ist entscheidend

„Nicht das Design der Fassade ist heute ausschlaggebend, sondern die Energieeffizienz. Da müssen wir unsere Hausaufgaben machen“, betont der Fachmann und sieht besonders die öffentlichen Gebäude und Einrichtungen ins Hintertreffen geraten. Hier müsse und könnte vielmehr getan werden, um der Energiewende zum Durchbruch zu verhelfen. Dazu zähle auch die künftige Versorgung von ganzen Häuserzeilen oder Baugebieten statt mit Gas durch Nahwärme. In Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern seien bereits ganze Dörfer energie-autark, also unabhängig von einer Fremd-Versorgung.

Natürliche Ressourcen nutzen

Frank Hartmanns Credo: „Nutzen wir die vorhandenen, natürlichen Wärme-Ressourcen bei uns, statt sie über den halben Globus zu transportieren“. Die Bandbreite reiche dabei im Gebäude von der Erdwärme und der Sonne bis hin zu Außenluft, Grundwasser oder Holz-Pellets für Heiz-, Lüftungs- und Kühlzwecke sowie Wassererwärmung. Aber auch „unnatürliche“ Wärmelieferanten und –quellen wie Abluft, Abwasser oder auch die Gülle etwa in der Landwirtschaft gelte es in Energie umzuwandeln. Einerseits werden so dem Klimawandel entgegengewirkt, andererseits Arbeitsplätze geschaffen. Der Mann aus Zeilitzheim: „Unsere Branche ist ein Job-Motor.“

Hervorgehoben durch die Energiewende gibt es Frank Hartmann zufolge allerdings heute einen ganz anderen Beratungsbedarf, wie ihn das klassische Handwerk alleine nicht mehr leisten könne. Der Kunde wolle Leistungen aus einer Hand und nicht drei oder vier Fachbetriebe zum Beispiel mit der Installation seiner Wärmepumpenanlage beauftragen. Um diesen Anspruch gerecht zu werden, bedürfe es zum einen der Weiterbildung der Mitarbeiter sowie zum anderen der Ausweitung der Geschäftsfelder oder der Zusammenarbeit mit anderen Fachbetrieben.

Ein wesentlicher Meilenstein in Sachen Erneuerbare Energien ist in den Augen Hartmanns die Einführung der so genannten Energieeinsparungsverordnung, kurz EnEV, im Jahr 2002 gewesen. Erstmals seien hier Gebäude ganzheitlich betrachtet und Wärmeschutz und Anlagentechnik unter einen Hut gebracht worden. Und so ist sich Hartmann in diesem Zusammenhang auch sicher, dass das in der Diskussion befindliche Wärmegesetz noch nicht vom Tisch sei und kommen werde.

Energetische Gebäudesanierung

Die nächste Themenwoche der DGS im Forum Wohnenergie in Zeilitzheim findet übrigens vom 18. bis 25. April zum Thema „Energetische Gebäudesanierung“ statt.

Nähere Informationen gibt es telefonisch unter Tel. (0 93 81) 71 68 31 oder im Internet unter: www.forum-wohnenergie.de

 

 

 

 

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