Wer rettet die Kirchenburg?

17.07.2015

Mainpost 17.07.2015

 

ZEILITZHEIM

Wer rettet die Kirchenburg?

In Zeilitzheim ist man auf der Suche nach einem Nutzungskonzept für die Gaden-Häuschen inklusive alter Schule.

Die Kirchenburganlage mit dem noch weitgehend erhaltenen Ring der ehemals zehn alten die St. Sigismund-Kirche umgebenden Gadenhäuser in Zeilitzheim hat allen Stürmen und Angriffen getrotzt. Doch ist inzwischen der Zahn der Zeit in Form von Verfall und Verwitterung nicht spurlos an dem Erbstück aus uralten Zeiten vorübergegangen.

Ein Problem, an dem aktuell die evangelische Kirchengemeinde in Zeilitzheim und die politische Gemeinde Kolitzheim kräftig zu knabbern haben. Gesucht sind deshalb derzeit Ideen für ein tragfähiges Nutzungskonzept, um den altehrwürdigen Mauern ein neues und sinnvolles Leben einzuhauchen.

Welche Möglichkeiten gibt es also, die Zeilitzheimer Kirchenburg aus dem Dornröschenschlaf zu wecken? Das ist die große und spannende Frage, der man sich in Zeilitzheim und Kolitzheim zu stellen hat.

Erst vergleichsweise spät, nämlich, 1890 war der wehrhafte Gebäudering mit dem Abriss zweier Gaden an der südöstlichen Ecke gesprengt worden, um an ihrer Stelle einen neuen protestantischen Schulsaal zu errichten. Dies als Ersatz für die „Kantorats“-Schule rechter Hand vom ehemaligen, 1704 durch den sogenannten Gemeindeturm ersetzten Torhaus.

Der kahle und schmucklose Neubau von einst steht längst leer und verfällt zusehends. Der Zustand ist desolat. Irgendetwas müsste also in naher Zukunft passieren, bevor das Gebäude irgendwann möglicherweise einstürzt.

Die Eigentumsverhältnisse sind klar. Von den acht noch bestehenden Fachwerk-Gaden, die zusammen mit dem Gemeindeturm, der Friedhofsbefestigung und dem Turm der Pfarrkirche mit seinem über einen Meter dicken Mauerwerk einst die Kirchenburg bilden, befinden sich fünf in privater Hand. Zwei Gaden gehören der evangelischen Kirchengemeinde und Gade Nr. 9 befindet sich zusammen mit der Schule im gemeindlichen Besitz.

Derartige Befestigungsanlagen entstanden in Franken ab dem 12. und 13. Jahrhundert aus der Not heraus. Die Gadenringanlage in Zeilitzheim geht dabei auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück.

Damals setzten Kriegshandlungen und Plünderungen durch umherstreunende Söldnertruppen der Dorfbevölkerung übel zu. Immer wieder wurden Lebensmittelvorräte geplündert, wurde das Vieh weggetrieben, wurden Most und Wein aus den Kellern gestohlen und die Dorfbewohner nicht selten umgebracht oder gequält und gefoltert, um noch den letzten Heller, Batzen oder Kreuzer aus ihnen herauszuleiern.

So entstand der Wunsch und Wille des Dorfherren und seiner Untertanen, sich vor solchen Überfällen zu schützen und sich so der Eindringlinge zu erwehren. Mitten im Dorf, meistens auf einer Anhöhe, wurde zu diesem Zweck wie auch in Zeilitzheim der mit einer bergfriedähnlichen Mauerverstärkung und den Schießscharten versehene Kirchturm ähnlich einer Wagenburg-Verteidigung von einem Ring aus „Vorratshäusern“, eben den Gaden, umgeben. Der Begriff stammt aus dem Altdeutschen und wird mit „Haus oder Zimmer“ gleichgesetzt.

Der einzige Weg hinein und hinaus führte durch das Torhaus. Es wurde in Zeilitzheim 1704 durch den 1824 wieder eingeebneten hohen Gemeindeturm ersetzt. Die in den Gaden eingelagerten Vorräte an Lebens- und Futtermitteln sowie Getränken dienten den hier Schutz, Sicherheit und Zuflucht suchenden Menschen und ihrem Vieh dazu, es über einen längeren Zeitraum auszuhalten, bis die Luft wieder rein war.

Die schönste Gade, einst im Besitz der Adelsfamilie der Fuchs von Bimbach und später der neuen Dorfherren, der von Wolfsthal, befindet sich übrigens an der Ostseite. Das Fachwerkgebäude hat einen fast turmartigen Aufbau.

In der Gade links von der 1890 errichteten neuen evangelischen Schule ist im Mauerwerk übrigens ein gotisches Fensterfragment eingefügt. Es erinnert zusammen mit dem „Evangelisten- und Gemeindeglöcklein“ von 1319 an die Vorläuferkapelle der heutigen, wie erwähnt, 1451 erbauten evangelischen Sankt-Sigismund-Kirche.

 

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