Zeitreise in eigene Kindheit

23.11.2006

Mainpost 23.11.2006

 

Zeitreise in eigene Kindheit

 

Zeilitzheim (BP) "Kinderzeit zwischen 1. Weltkrieg und 3. Jahrtausend" lautet das Thema der Spielzeugausstellung im Rathaus. Nach deren Eröffnung trafen sich zahlreiche Gäste im Jagdsaal des Schlosses, um noch mehr über diese Materie zu erfahren.

Durch Vorträge von drei "Bogenspannern" sollte das Publikum auf einer Zeitreise in die eigene Kindheit begleitet, der Bogen zu dieser Zeit gespannt werden, so Initiator Hilmar Spiegel in seiner Begrüßung.

Als Blick in die Vergangenheit, die Kindheit, die Jugend und die Dorfgeschichte bezeichnete Schirmherr MdL Otto Hünnerkopf die Ausstellung. Woher kommen wir, warum stehen wir hier und wie soll es weitergehen, würden hier beantwortet, beziehungsweise Anregungen gegeben.

Die örtliche Weinprinzessin Johanna Mößlein fand es interessant, in der Sammlung von vergangenen Generationen etwas zu erfahren.

Bürgermeister Horst Herbert lobte die gelungene Ausstellung. Hier werde bewusst, dass die Kinder heute, die in Frieden und Freiheit aufwachsen andere Startbedingungen hätten und unendliche Möglichkeiten, sich zu entfalten.

Die ersten beiden "Bogenspanner", Hildegard und Hans Driesel, machten sich Gedanken über Struwwelpeter und Co. Dies seien keine lustigen Geschichten mit drolligen Bildchen, sondern den Kindern wurde hiermit kräftig eingebläut, sich wohl zu verhalten. Tun sie dies nicht, seien die Folgen harte und grausame Strafen. Das Ehepaar Driesel brachte noch viele Beispiele aus der Literatur, wie die Kleinen zum pflegeleichten Kind getrimmt und mit Spielzeug für den entsprechenden Zeitgeist erzogen wurden.

Nicht so negativ sah der dritte "Bogenspanner", Professor Jürgen Hofmann aus Berlin diese alten Kindergeschichten. Er lasse sich seinen Struwwelpeter und Max und Moritz nicht nehmen, meinte er. Als Sohn eines Pfarrers verbrachte Hofmann in der Kriegs- und Nachkriegszeit 13 Jahre seiner Kinder- und Jugendzeit in Zeilitzheim. Aus seinem Buch "Pfarrers Kinder-Müllers Vieh" brachte er dem begeisterten Publikum seine Erinnerungen aus dieser Zeit nahe. Dabei merkte man förmlich, wie sich die Zeilitzheimer mit dem Beschriebenen identifizierten.

Als Spieldorf, in dem Erwachsene nicht sehr störten, bezeichnete Hofmann das Dorf. Die Spielsaison wurde mit dem Frühling eröffnet und spannte sich entsprechend den Gegebenheiten der jeweiligen Jahreszeit durchs ganze Jahr. Mit allem was die Natur oder auch der Krieg hergab wurde gespielt. Oft waren die Spiele gefährlich, ja sogar verboten, was aber erst recht reizte. Kinder lieben die Gefahr und die Unordnung und sind auch grausam, so der Interpret.

Hilmar Spiegel schrieb über diesen Zeitvertreib sogar ein Gedicht, mit dem er den Abend beendete. Und auch in der Ausstellung waren diesem Thema eine ganze Vitrine mit Kugeln in verschiedensten Größen, Farben und Materialien gewidmet.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend mit passenden Liedbeiträgen des Männerchors "Frohsinn" und des Kolpingchors.

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