Zwischen Phlegma und Chaos

09.03.2016

Mainpost 10.03.2016

LINDACH
Zwischen Phlegma und Chaos

Als rechtschaffener Bürger kann man guten Mutes sein, weil die Hüter des Gesetzes auf ihrer Polizeistation normalerweise für Recht und Ordnung sorgen. So kennen und schätzen wir Bürger das. In der „Polizeiwache 007“, mit der die Laien-Theatergruppe des Lindacher Kulturvereins gerade für Furore sorgt, funktioniert das nicht.

Zahlreiche Gäste aus nah und fern waren und sind in Lindach zu den zehn Vorstellungen in diesem Jahr als Zuschauer angesagt. So sorgt die Theatergruppe mit ihren Auftritten für einen hohen Bekanntheitsgrad des Weinortes.
Seit Ende Februar spielt sie an jedem Wochenende noch bis zum 10. April, jeweils am Samstag und am Sonntag. Nur in den Osterferien legt man eine Pause ein. Drei Akte hat die Komödie, die auf der Bühne im Saal des Lindacher Sportheims zu sehen ist.

In der Polizeistation feiern das Phlegma und die Gleichgültigkeit der Polizeibeamten fröhliche Urständ. Zum Alltagsgeschäft gehören hier statt Verbrecherjagd feuchtfröhliche Feiern mit Alkohol und üppigem Essen. Der Schlüssel des Waffenschranks wird in einer Kaffeetasse auf dem Regal aufbewahrt und die etwas senile Oma Tilli, gespielt von Erika Heller, darf ihre Ersparnisse und den teuren Schmuck im Waffenschrank deponieren.

Selbstverständlich weiß sie, wo der Schlüssel zu holen ist. Die berechnende Raumpflegerin Klawuttke (Hannelore Wiederer) putzt nicht nur das Polizeirevier in Schwarzarbeit. Ein berüchtigter Hochstapler und Heiratsschwindler (Stefan Hellert) verkehrt ungeniert mit umwerfendem Charme und unter falschem Namen in den Polizeiräumen, wobei er sich gekonnt mit französischem Akzent ausdrückt.
Die Sekretärin (Tanja Schmitt) ist seinen Annäherungsversuchen heillos verfallen, da sie die wahre Absicht ihres Angebeteten lange nicht erkennt. Aber das ist noch nicht alles, denn während der Dienstzeit geht sie, wenn sie mag, ihren privaten Geschäften nach, kocht und serviert den Herrn Polizisten auch noch das Essen.
Die Zustände in der Dienststelle bleiben den Polizeioberen allerdings nicht verborgen. So wird eines Tages der junge, dienstbeflissene Polizeioberkommissar Klug geschickt, um für Ordnung zu sorgen. Diese tragende Rolle wird von dem erst 17-jährigen Felix Dittmann gemimt.
Er soll dem bunten Treiben in der Polizeiwache 007 ein Ende bereiten. Doch das ist leichter gedacht als getan. Die altgedienten Oberwachtmeister Huber (Christian Hellert) und Wimpel (Horst Niedermeyer) sind nicht so einfach in die Bahnen des normalen Dienstes zu lenken.

Denn Oberwachtmeister Huber hat mit seiner resoluten Dauerbraut Palmine (Elisabeth Dägele) zu tun, die nun endlich vor den Traualtar geführt werden möchte. Sie will das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durchsetzen. Das führt zu dramatischen Situationen auf der Wache, die das ganze komödiantische Repertoire der Schauspieler fordern.

Dazu nervt Lebedame Molly (Gudrun Rieger) die Beamten mit ständigen Beschwerden und Anzeigen, was mit Arbeit verbunden ist, die auf der Wache total verpönt ist.

Für den neuen, jungen Dienststellenleiter ist es schwer, Ordnung in den Laden zu bringen, zumal sich die ganzen negativen Gepflogenheiten unter dem pensionierten Dienststellenleiter Greifer (Jürgen Hellert) nach und nach fest etabliert haben.
Dieser, längst Pensionär, erscheint äußerlich zwar etwas senil, doch er hat es faustdick hinter den Ohren, wenn er mit seinem „Polizei-Rollator“ wieder einmal aus dem nahen Seniorenheim ausbüxt und im Revier erscheint.

Natürlich mischt der alte Herr dort noch kräftig mit und untergräbt damit die Autorität des jungen Chefs. Letztlich bleibt diesem nichts anderes übrig, als Eingeführtes in dieser Polizeistation unangetastet zu lassen.

 


Das Geschehen auf der Bühne lebt von der Dynamik der Rolleninterpretation. Mimik und Gestik unterstreichen die Komik des Stückes, das an Wortwitz nicht geizt. Dank der überzeugenden schauspielerischen Leistungen wird das Publikum des Dreiakters prächtig unterhalten, was in zahlreichen Lachsalven und spontanen Beifallsbekundungen zum Ausdruck kommt.

Regisseur Rainer Feulner landete dank der Auswahl des Stücks und dank optimaler Besetzung wieder einen Volltreffer bei den inzwischen schon traditionellen Lindacher Theatertagen. Bemerkenswert ist, dass alle Darsteller aus dem 500-Einwohner-Dorf Lindach kommen und man nicht auf auswärtige Unterstützung angewiesen ist.

Nicht nur die Darsteller tragen zum Gelingen der zehn Aufführungen bei, sondern auch viele Unterstützer hinter den Kulissen. So übernimmt Magda Hellert in bewährter Weise das Amt der Souffleuse. Daniela und Helmut Reisbeck sorgen wieder für die Bühnenausstattung, Thomas Schön und Marcel Wieland kümmern sich um eine sehr professionelle Bühnentechnik und Eva Rock sorgt als Maskenbildnerin gekonnt für das originelle Aussehen der Darsteller. Martina und Torsten Wehner organisieren den Kartenvorverkauf.

Für die noch bevorstehenden Aufführungen gibt es noch ein kleines Kontingent an Restkarten

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