Auf der Sonnenseite der Energiegewinnung

04.03.2020

Mainpost 04.03-2020

Kolitzheim

Auf der Sonnenseite der Energiegewinnung

Nachdem Ministerpräsident Markus Söder beim Politischen Aschermittwoch in Passau mehr Energie aus Photovoltaikanlagen gefordert hatte, besuchte die Klimaschutzbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Anja Weisgerber, begleitet von Kolitzheims Bürgermeister Horst Herbert, Landratskandidat Lothar Zachmann und einigen Kreistagskandidaten das Unternehmen Belectric Solar & Battery GmbH in ihrem Wahlkreis in Kolitzheim.

"Bayern ist das Sonnenland", wird Weisgerber in einer Pressemitteilung der CSU zitiert. Bei 1700 Sonnenstunden im Jahr sei es sinnvoll, die Potentiale zur Energiegewinnung noch besser zu nutzen, sagte sie. "Wir haben das Ziel, 65 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 zu erreichen und die Photovoltaik ist dabei ein wichtiger Baustein", so Weisgerber. Die Energiewende müsse dabei vor Ort in den Kommunen beginnen.

Unter der Überschrift "Von Kolitzheim aus in die Welt" stand die Unternehmenspräsentation durch Ingo Alphéus, Vorsitzender der Geschäftsführung von Belectric. Die Sonnenstromerzeugung sei von hier aus maßgeblich beeinflusst worden, bekräftigte auch Martin Zembsch, Chief Customer Officer (CCO) der Firma. Das Unternehmen ist weltweit in der Entwicklung und im Bau von Freiflächen-Solarkraftwerken, PV-Dachanlagen und Energiespeichersystemen aktiv und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Systemintegration. Das Unternehmen wurde im Jahr 2001 gegründet und ist seitdem zu einem internationalen Konzern mit Aktivitäten auf allen Kontinenten gewachsen.

Belectric hat über 400 Freiflächen-Solarkraftwerke mit rund 2,3 Gigawatt Peak Photovoltaikleistung schlüsselfertig errichtet. Hinzu kommen Batteriespeicher und Hybridsysteme, die verschiedene Technologiekomponenten zu autarken Systemen kombinieren. Als einer der weltweit größten Dienstleister sichert Belectric zudem den jahrzehntelangen Anlagenbetrieb seiner Kunden.

Bei der Besichtigung der Freiflächen-Photovoltaikanlagen am Betriebsgelände bestand die Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion. Landratskandidat Lothar Zachmann sprach sich dafür aus, dass mehr Dachflächen mit Solaranlagen ausgestattet werden. "Hier müssen die Kommunen mit gutem Beispiel vorangehen", betonte er und forderte die verstärkte Installation entsprechender Module auf Kreiseinrichtungen.

"Deutschland soll für uns wieder der wichtigste Markt werden", gab Ingo Alphéus als Ziel aus. Die Solartechnik sei heute die billigste Art der Stromerzeugung, sagte er weiter. Das liege vor allem daran, dass seit 2010 die Photovoltaik-Module um 80 Prozent günstiger geworden sind. Eine selbststabilisierende Unterkonstruktion dient als robustes Tragwerk und Auflagefläche für die Solarplatten mit acht Grad Neigung im Ost-West-System. Maschinen-, Logistik- und Arbeitskosten werden hier im Vergleich zu früher gebauten Anlagen um bis zu 90 Prozent reduziert.

Zudem seien diese unauffällig im Landschaftsbild und erreichen eine bestmögliche Flächennutzung. Die Eindringtiefe im Boden beträgt 80 Zentimeter. Unter und neben den Modulen entsteht ein ökologisch wertvoller Lebensraum für viele Tierarten, erklärte Alphéus weiter. Auf Nachfrage bestätige der Vorsitzende der Geschäftsführung, dass die Module zu 100 Prozent recycelt werden können und aus der Verwertung der Rohstoffe lasse sich der Rückbau der Anlagen vollständig finanzieren.

Zentral wurde in der Runde die Frage diskutiert, welche Regelungen notwendig seien, um größere Solaranlagen auch in der Fläche einfacher realisieren zu können, ohne dabei gleichzeitig riesige Mega-Solarparks auf besten landwirtschaftlichen Böden entstehen zu lassen, wie dies in Kolitzheim vor geraumer Zeit mit 130 Hektar von einem nicht hier ansässigen privaten Investor in den Raum gestellt wurde.

Bürgermeister Horst Herbert erläuterte, dass der Gemeinderat bereits im Jahr 2008 die Regelung beschlossen habe, zwei Solaranlagen pro Gemarkung bei maximal fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zuzulassen.

Anja Weisgerber lobte die Gemeinde für die weitsichtige Entscheidung, so Energie und Landwirtschaft in einen schonenden Ausgleich zu bringen. Diese "Kolitzheimer Regelung" könnte Vorbild für andere Gemeinden sein beziehungsweise auch für Rechtsänderungen im Baugesetzbuch als Richtschnur dienen, so Weisgerber.

Von Seiten der Belectric-Verantwortlichen wurde angesprochen, dass für die Batteriespeicher bisher ein System der Vergütung fehle. Es brauche zwar mehr Netze, aber weniger als man heute denkt, prognostizierte Martin Zembsch. Die Kosten für Netzdienstleistungen dürften aktuell nicht in das Netzentgelt eingerechnet werden, dies müsse sich ändern, damit mehr dezentrale Energiespeicher entstehen könnten, gab er der Abgeordneten mit auf den Weg.

Eine einfache Rechnung belege, dass inzwischen aufgrund der geringeren Investitionskosten auch für Private die Solarstromerzeugung zum Eigenverbrauch wieder lukrativ erscheint, erklärte Martin Zembsch. Die Eigenproduktion verursache durchschnittliche Kosten von circa 11 Cent pro Kilowattstunde. Dagegen koste die Kilowattstunde bei den Stromanbietern insgesamt circa 30 Cent.

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