Bauplatzmangel und Schulkindbetreuung als Hauptprobleme

12.03.2018

Mainpost 12.03.2018

LINDACH       Bürgerversammlung


Bauplatzmangel und Schulkindbetreuung als Hauptprobleme

Bei der Bürgerversammlung der Gemeinde Kolitzheim in Lindach herrschte Massenandrang. Etwa 110 von den insgesamt 542 Einwohnern ließen den alten Tanzsaal der Gastwirtschaft zum Löwen der Familie Schön fast überquellen, so groß war das Interesse.

Breite und kontroverse Diskussionen zogen die Themen „Bauplatzmangel“ und „Schulkindbetreuung“ nach sich, zumal sich hier bisher noch keine konkreten Lösungen abgezeichnet haben. In allen vorherigen Bürgerversammlungen der vergangenen Jahre waren das die Kernthemen.
In seinem Jahresbericht verwies der Bürgermeister der Großgemeinde, Horst Herbert, auf den kurz vor dem Abschluss stehenden Breitbandausbau in den Dorfstraßen. Danach werde man die Hausanschlüsse in Angriff nehmen. Exakte Kostenrechnungen gäbe es noch nicht. Sicher sei, dass der Staat 80, sowie die Gemeinde und die Hausbesitzer jeweils zehn Prozent der Kosten übernehmen müssten.
Ferner stünde die Erneuerung der gesamten veralteten Elektrik in der Stammheimer Kläranlage an, die auch das Lindacher Abwasser aufnimmt. Die Kosten dafür werde man auf den Abwasserpreis umlegen.
Sorge mache der Gemeinde die Schulsituation, die von einem großen Raumproblem geprägt sei, das eine effiziente Mittagsbetreuung zurzeit nicht in gewünschter Weise zuließe. Herbert stellte die im Gemeinderat diskutierten Modelle vor, mithilfe derer man den Raumbedarf in den Griff bekommen wolle. Ein Redner meinte dazu, dass man nun schon sehr lange über die Situation berate, ohne einer praktikablen Lösung nahe gekommen zu sein. Einen Schulverband einzugehen, sei einer Gemeinde mit 5500 Einwohnern unwürdig, angesichts einer Finanzrücklage von rund sechs Millionen Euro, wie eingangs zu hören war. Herbert erklärte, dass man hier die pädagogischen Konzepte der Zukunft abwarten müsse, ehe man eine weitreichende Entscheidung treffe. Er wolle keine Schnellschüsse machen, die er später verantworten müsse. Andere Rednerinnen mahnten an, dass man bis zum kommenden Herbst, wenn das neue Schuljahr beginnt, in die Gänge kommen müsse, damit wenigstens das Problem der Mittagsbetreuung vernünftig gelöst sei.

Eine sehr heftige Diskussion löste das Thema „Bauplatzmangel in Lindach“ aus. Viele Redner verwiesen darauf, dass dies schon überlang ein untragbarer Zustand speziell in Lindach sei. Das führe dazu, dass immer mehr bauwillige junge Lindacher in andere Dörfer abwanderten und noch abwandern werden, wenn hier in der nächsten Zeit nichts geschehe. Gemeindechef Herbert verwies auf das im Westen des Dorfes geplante Baugebiet. Einen konkreten Bebauungsplan aufzustellen, scheitere aber nach wie vor an der Bereitschaft einiger Grundeigentümer, ihre Flächen zur Verfügung zu stellen, obwohl man den Kaufpreis pro Quadratmeter inzwischen auf 25 Euro festgesetzt habe, so Herbert. Da manche Eigner an Geld prinzipiell nicht interessiert seien, meinte der Redner weiter, solle die Gemeinde überlegen, Ersatzflächen bereitzustellen. Dies sehe er als problematisch an und außerdem gäbe es solche Flächen nicht in der Gemeinde, entgegnete Herbert. Andere Redner forderten, nicht stur an dem angedachten Baugebiet festzuhalten, wenn hier kurzfristig keine Lösung in Sicht sei. Sie machten verschiedene Vorschläge, wo ein anderes Baugebiet entstehen könne, bei dem weniger Widerstände zu erwarten seien, weil man mit weniger Eignern verhandeln müsse, als das im geplanten Gebiet der Fall sei.
Herbert sagte dazu, dass dies bei den übergeordneten Behörden nur ganz schwer durchzusetzen wäre, weil Planungen und bisher verursachte Kosten für das favorisiere Baugebiet getätigt wurden. Außerdem stünde bei den Ämtern der Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ im Vordergrund. Das bedeute, freie Grundstücke innerorts zu bebauen, habe Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete auf der grünen Wiese. Allerdings würden die Besitzer solcher Flächen in Lindach ebenso wenig verkaufen wie jene von baufälligen Altgehöften, die man für einen Neubau nutzen könnte. Ein Teufelskreis.
Die Lösung für Lindach, nämlich das neue Baugebiet in absehbarer Zeit durchzubringen, sieht der Bürgermeister nur in einem Umlegungsverfahren. Dies hätte aber zur Folge, dass die Gemeinde beim Erwerb von Grundstücken – sie beansprucht den größten Teil für sich, um handlungsfähig zu bleiben – wohl kaum zum Zuge kommen werde, weil die Besitzer die Bauplätze für sich behalten werden, befürchtet der Bürgermeister.

Damit wäre wenig gewonnen, weil eben nicht sichergestellt sei, dass diese in den freien Verkehr gelangen. Daneben wurden weitere Themen angesprochen. Dazu zählten Probleme mit der Verkehrssicherheit in den Schulbussen und an der Bushaltestelle, anstehende Erneuerungsarbeiten am Spielplatz, die Erweiterung des Feuerwehrhauses um einen Aufenthaltsraum, ein Fahrradweg nach Kolitzheim, zu schnelles Fahren auf der Ortsverbindungsstraße nach Öttershausen, die unschöne Friedhofsgestaltung um die Urnengräbersteine, die mangelhafte Schneeräumung an den innerörtlichen Kreuzungen sowie Ungerechtigkeiten beim gemeindlichen Förderprogramm, wenn man den Kauf eines Hauses innerorts anstrebt.

Bürgermeister Herbert versprach, Manches zu überdenken, um auch hier zu vernünftigen Lösungen zu kommen.

 

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