Beeindruckt von Stalingrad-Madonna

11.05.2006

Mainpost 11.5.2006

 

Beeindruckt von Stalingrad-Madonna

 

gernach (es) Mit besonderer Freude hatte Bürgermeister Horst Herbert einige Vertreter der ehemaligen 5. Kompanie des schweren Pionierbataillons 861, an ihrer Spitze den ehemaligen Chef dieser Kompanie, Hauptmann Thorsten Stephan, beim Dorffest in Gernach begrüßt. Bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde entstand bei Angelina Weis und Hedwig Treutlein-Scholl die Idee, den Bürgermeister und den Kompaniechef in die Gernacher Kirche einzuladen, um ihnen die Stalingrad-Madonna zu zeigen.

 

Spontan schlossen sich die Sprecherin des Pfarrgemeinderats in Gernach, Karin Johe Nickel, und Marianne Ott, Mitglied der Kirchenverwaltung in Gernach, der kleinen Gruppe an, die am Rande des Dorffestes einen kleinen Abstecher in die Gernacher Kirche machte. Sowohl Bürgermeister Horst Herbert als auch der ehemalige Kompaniechef Thorsten Stephan, der jetzt in seiner neuen Einheit für politische Bildung zuständig ist, zeigen sich beeindruckt von dem Bild der Stalingrad-Madonna in der Gernacher Kirche.

Im dritten Jahr schon ist im Mai jeweils eine andere Mutter Gottes zu Gast auf dem rechten Seitenaltar der renovierten Kirche. Es war die Idee von Pfarrer Georg Hartmann, in diesem Jahr die Mutter Gottes von Stalingrad zu Gast sein zu lassen. Die "Mutter Gottes von Stalingrad" ist eine etwa 90 mal 130 Zentimeter große Kohlezeichnung, die der evangelische Pfarrer und Arzt Kurt Reuber 1942 auf die Rückseite einer russischen Landkarte gezeichnet hat. "Weihnachten im Kessel" steht auf der linken Seite des Bildes. Die 16. Panzerdivision, zu der Dr. Reuber gehörte, war von der russischen Armee bei Stalingrad eingekesselt worden. Es gab im Winter 1942 keine Aussicht mehr, die gegnerischen Linien zu durchbrechen; es erreichte sie sogar ein Führerbefehl, der den Ausbruch ausdrücklich untersagte. General Paulus wagte es nicht, sich dem Führerbefehl zu widersetzen. So starben hunderttausende russische und deutsche Soldaten einen sinnlosen Tod. Die Mutter Gottes ist mit einem Tuch geschmückt, das die Kälte des Kessels von Stalingrad symbolisiert und das unendliche Leid, das die russischen und deutschen Soldaten dort aufgrund eines irrsinnigen Befehls von Hitler erdulden mussten.

Die Munition auf dem Altar soll die grausame Wirklichkeit des damaligen Geschehens deutlich machen, und deutlich machen, wie sehr das Bild der Mutter Gottes den Soldaten in Kälte, Hungersnot, Todesgefahr und Tod Trost spendete. Zugleich soll dadurch deutlich werden, dass Krieg und dadurch verursachtes menschliches Leid immer noch in vielen Teilen der Welt blutige Wirklichkeit sind.

Bürgermeister Horst Herbert berichtete, dass er in Gesprächen mit alten Menschen, die die Schrecken der Kämpfe des Zweiten Weltkrieges als Soldaten selbst miterlebt hätten, merke, wie schwer es ihnen falle, über die damaligen Erlebnisse zu reden. So gesehen, hätten diese jetzt schon mehr als 60 Jahre zurückliegenden Ereignisse noch Auswirkungen bis in unsere Zeit, bis in unsere Familien.

Hauptmann Thorsten Stephan erläuterte, dass er es als seine Aufgabe sehe, mit dafür zu sorgen, dass die Ereignisse von damals nicht in Vergessenheit geraten bei den jungen Soldaten. Die Erinnerung an die Zeit der Diktatur könne mit dazu beitragen, den Friedensauftrag umso entschiedener wahrzunehmen.

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