Bildstöcke sind nicht zu retten

15.06.2019

Mainpost 15.06.2019

Lindach

Bildstöcke sind nicht zu retten

Auf Initiative des örtlichen Arbeitskreises „Dorfgemeinschaft – Dorfentwicklung“ konnten in Lindach weitere Zeichen für die touristische Erschließung installiert werden. Die Mitarbeiter der Gemeinde Kolitzheim, Matthias Pfaff und Gregor Huttner vom Bauhof und Werner Knoblach von der Verwaltung, sorgten für die Aufstellung von Informationstafeln an allen zehn Bildstöcken und Wegkreuzen im Sonderkulturendorf. Dafür ist man in Lindach der Gemeinde Kolitzheim zum Dank verpflichtet. Metallbau Krischker und der Malerbetrieb Heusinger, Betriebe im Gemeindebereich, fertigten die Tafeln nach den Vorlagen des örtlichen Chronisten Kurt Albert an.

Weshalb im Obstbaudorf so viele Bildstöcke stehen, hat sicherlich seinen Grund. Zu vermuten ist, dass sie einst wegen des durch Lindach führenden alten Wallfahrtsweg zum nahen Volkacher Kirchberg aufgestellte wurden. In früheren Zeiten war es Sitte und Brauch, dass an jedem des am Weg stehenden Bildstocks für das Seelenheil des Stifters gebetet wurde. Deswegen ließen nicht nur Lindacher Bürger einen Bildstock am Wallfahrtsweg errichten, wie Inschriften an den Säulen beweisen. Die amtliche Bezeichnung des jeweiligen Bildstocks, den Standort, das Jahr der Aufstellung und den Grund der Errichtung kann der Betrachter auf der Infotafel lesen, wobei auch auf die neueste Ortschronik verwiesen wird, wenn man weitere Informationen sucht.

Finanziert wurden die Infotafeln mittels eines Spendetopfes, der rund 5500 € enthielt, den die Gemeinde Kolitzheim treuhänderisch verwaltete. Die Kosten für die neuen Tafeln beliefen sich auf rund 1500 Euro. Im Jahre 2008 ließ die Gemeinde die Mariensäule auf dem Dorfangerplatz restaurieren, wobei etwa 2500 Euro aus diesem Spendentopf verbraucht wurden. Das Restgeld in Höhe von rund 1500 Euro könnte nun für eine weitere sinnvolle Maßnahme im Dorf Verwendung finden, denn für die Restauration der Bildstöcke hat es keinen Nutzen mehr. In den Jahren 2005 bis 2007 wurden auf Initiative des damaligen Vorsitzenden des örtlichen Kulturvereins, Kurt Albert, bei verschiedenen innerörtlichen Veranstaltungen Spenden in Höhe von etwa 5500 € für die Restaurierung der Lindacher Bildstöcke gesammelt. Eigentümer der so genannten Kleindenkmäler ist die Gemeinde Kolitzheim. Sie beauftragte im Jahre 2008 eine Fachkommission, die Vorschläge für die Restaurierung machen sollte. Nach deren Begutachtung stellte sich jedoch heraus, dass alle Bildstöcke in den 1980er Jahren schon einmal eine Restaurierung durchliefen.

Damals wurden schadhafte Stellen mit einer Acrylharzmasse ausgebessert und auch der komplette Sandstein damit getränkt. Diese Methode galt damals als der Weisheit letzter Schluss bezüglich der Haltbarkeit. Heute stellt sich heraus, dass dem doch nicht so war. Folglich sind nach Aussage der Experten keine Restaurationsarbeiten mehr an den Steinfiguren möglich. Somit sind die in verschiedener Hinsicht wertvollen Kleindenkmäler dem Verfall durch Verwitterung  preisgegeben, der zwar nicht so rapide erfolgen wird, doch unaufhörlich voranschreitet. Insofern wäre das einst gesammelte Geld nutzlos auf dem Konto bei der Gemeinde. Angesichts dieser Tatsache entschloss man sich in Lindach, mit dem Geld etwas Anderes, Sinnvolleres, anzufangen.  Man kam auf die Idee, Infoschilder an den Martersäulen aufzustellen, was sicherlich sinnvoll erscheint, denn heute oder morgen werden die „Marterli“, wie sie im Volksmund benannt werden, sicherlich noch nicht ganz verschwunden sein.

Gelegentlich sieht man Tagestouristen durch den Ort und dessen Fluren wandern, um ihn näher zu erkunden. Dazu sollen diese Schilder ebenso dienen wie jene, die vor einiger Zeit an den historischen Gebäuden und Plätzen innerorts angebracht wurden. Somit hat man den Rundwanderweg im „Versteckten Paradies“, wie sich Lindach auch nennt, informationstechnisch komplettiert.  An manchem der Schilder kann man immer wieder einmal fremde Tagesgäste stehen sehen, die die Informationen lesen. Das kann man vor allem an den Tagen der beiden Weinfeste feststellen, wenn viel Publikum im Winzerort verkehrt, oder an Sonn- und Feiertagen, wenn Besucher der örtlichen Gastronomie einen Verdauungsspaziergang unternehmen. Es bleibt zu hoffen, dass die Bildstockschilder für dieses Publikum  nicht weiniger interessant sein werden wie die Gebäudeschilder. Finanziert wurden die Info-Schilder an den Gebäuden seinerzeit vom gemeindlichen Tourismusverein „Fränkisches Wein- und Kulturland“ (FWK), die Texte darauf stammen ebenfalls aus der Feder von Kurt Albert. Hin und wieder gab es seitens der Touristen sogar Rückfragen an den Autor, die die eine oder andere auf den Tafeln geschilderte Begebenheit betrafen.

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