Blindschleiche streicheln

30.05.2016

Mainpost, 30.05.2016

 

GERNACH

Blindschleiche streicheln

Zum ersten Mal führten Komm-in aus Gernach und die Offene Behindertenarbeit Schweinfurt (OBA) in den Pfingstferien eine fünftägige „inklusive Freizeit“ durch - eine Freizeit, an der behinderte und nicht behinderte Menschen teilnehmen.

Die Altersspanne war ziemlich groß: Es nahmen sieben behinderte Menschen zwischen 15 und 29 Jahren teil. Dazu kamen 13 Kinder aus Gernach und Umgebung; bei ihnen lag die Altersspanne zwischen 7 und 15 Jahren.

Eine Gruppe startete in Schweinfurt, die andere in Gernach, man traf sich unterwegs und fuhr gemeinsam zur Jugendherberge am Harsberg bei Eisenach, am Rande des Nationalparks Hainich. Die Jugendherberge, ausgezeichnet für ihre Jugend- und Familienfreundlichkeit, war eine gute Ausgangsbasis für viele Erlebnisse.

Mit einem Kennenlernspiel war die anfängliche Scheu – die Teilnehmer kannten sich nicht alle – bald überwunden. So machte man sich am zweiten Tag gleich auf, um den Baumkronenpfad in Thiemsburg kennenzulernen: Aus 45 Metern Höhe konnte man bis nach Erfurt und zur Wartburg schauen, und viel über die Baumarten und die Tiere im Wald lernen.

Natürlich stand auch der Besuch der Wartburg auf dem Programm. Der Führer stellte sich gut auf die Jugendlichen ein und erzählte viel Wissenswertes über den Rittersaal, die Kirche und den großen Festsaal. Klar, dass auch erwähnt wurde, dass Luther auf der Wartburg in nur zehn Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt hatte.

Sieben Kilometer

Am nächsten Tag stand der Besuch des Wildkatzendorfes in Hütscheroda auf dem Programm. Die sieben Kilometer, die bis zur Fütterung im Wildkatzendorf zu bewältigen waren, stellten eine Herausforderung dar, die aber von allen bravourös bewältigt wurde.

Und die Entdeckung einer Blindschleiche unterwegs, die die Mutigen auch mal vorsichtig streicheln durften, war ein Höhepunkt dieser Wanderung. Nach dem Grillen und einem Fußballspiel am Abend begann die Nachtwanderung. Nach mancherlei Aufregung kam man erst nach Mitternacht, todmüde, wieder in der Jugendherberge an.

Beim letzten Treffen vor der Abreise waren sich Betreuer und Teilnehmer einig: Im Lauf der Tage in Thüringen war ein großer Zusammenhalt entstanden. Man verstand sich gut, die Stimmung war toll, trotz der kleinen Missgeschicke, die zu einer solchen Freizeit einfach dazugehören.

Abschluss der Freizeit war ein Besuch der Oberhof-Therme: drei Stunden Zeit, sich im kühlen oder wärmeren Nass zu tummeln. Die Jugendlichen genossen diese Zeit besonders, war doch ein früher geplanter Schwimmbadbesuch ins Wasser gefallen. Die Nichtschwimmer konnten währenddessen im Rennsteiggarten Pflanzen bestaunen, Eis und Kaffee genießen.

Der Johannisverein Gernach und der KAB-Ortsverband bezuschussten die Freizeit. So konnte der Komm-in den Teilnehmerbeitrag niedrig halten. Geleitet wurde die Freizeit von Elke Dressel, der Vorsitzenden von Komm-in.

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