Der „Adler“ war einst ein Königshof

16.09.2008
Mainpost 16.09.2008

HERLHEIM

Der „Adler“ war einst ein Königshof

Gerhard Wagner erläuterte seine Forschung

 

(bp) Bei seiner Recherche über den Minnesänger Walther von der Vogelweide hat Gerhard Wagner Bemerkenswertes zur Geschichte Herlheims herausgefunden. Am Tag des offenen Denkmals führte er Interessierte durchs Dorf und erzählte von seinen Forschungsergebnissen.

 

Der Name Herlheim geht auf das „Heim der Herilind“, einer fränkischen Edelfrau, zurück. Deren 64 Hektar großes Gut stand im Unterdorf (heute Herlindenstraße 61). Erstmals urkundlich erwähnt wurde Herlheim 742 mit der Schenkung der Kirche. Zu solch einer königlichen Eigenkirche gehörten eine Siedlung und ein Königshof. Dessen Standort war das Gasthaus„Schwarzer Adler“, so Wagner. Dieses Gebäude wird später als „Haus des Richters“ erwähnt. Mehrere Wirtschaftshöfe gehörten zum Königshof. Neben den königlichen Gütern gab es neun freie Bauern, die alle acht Huben (64 Hektar) Land besaßen, das sie mit hörigem Gesinde bestellten.

 

Herlheim lag damals an der Grenze des Frankenreiches und hatte eine wichtige Funktion beim Schutz vor den Slawen. Die Bauern waren Kriegerbauern und mussten bei Bedarf bestimmte Dienste leisten. Mit der Ausdehnung der deutschen Herrschaft nach Osten wurde der Königshof Herlheim unwichtig und etwa um das Jahr 1000 an den Bischof von Würzburg verschenkt. Trotzdem setzte König Konrad III. königliche Vögte in Herlheim ein, als letzten Walther von der Vogelweide. Dieser wohnte im „Haus des Richters“, so Wagner.

 

Anders als in anderen fränkischen Dörfern lagen die Gehöfte gleich ausgerichtet mit dem Giebel zur Straße links und rechts der heutigen Herlindenstraße, erklärte der Geschichtsforscher. In Höhe der heutigen Kegelbahn beim Gasthaus „Zum Adler“ gab es ein Dorftor, das auch Rathaus war.

 

Ein Zehntenhof war einst das Anwesen in der heutigen Herlindenstraße 27, das Matthias Braun vor acht Jahren erwarb. Seitdem renovierte er das typische Bauernhaus (Wohn-/Stallhaus) von 1689/90 und stellte das Ergebnis am Tag des offenen Denkmals den Besuchern vor. Bilder zeigten die Sanierungsarbeiten. Braun und seine Ehefrau Stefanie Petermair standen für Auskünfte zur Verfügung. Auch auf Befunduntersuchungen eines Restaurators wurde hingewiesen. Zudem wurden Grabungsfunde aus dem Haus, zum Beispiel Ofenkacheln mit einem römischen Kopf und Gefäßbruchstücke, präsentiert.

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