Der Kontinent ist durcheinander

25.04.2016

Mainpost 25.04.2016

ZEILITZHEIM

Der Kontinent ist durcheinander

Wohin steuert Europa?“ Um diese Frage im Gespräch mit Bürgern zu beantworten, kam Manfred Weber, Vorsitzender der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europäischen Parlament und seit dem letzten Parteitag auch einer der Stellvertreter von Horst Seehofer als CSU-Parteivorsitzender, nach Zeilitzheim.
Im Weingut Mößlein empfing Jungwinzer Martin Mößlein zahlreiche interessierte Bürger sowie Mandatsträger aus Gemeinden und Landkreis mit einem Secco. Anschließend führte er die Anwesenden einschließlich der Politprominenz durch sein Weingut und die Whisky-Brennerei.
Anja Weisgerber begrüßte ihren Parteifreund und langjährigen Sitznachbarn im europäischen Parlament im großen Veranstaltungssaal des Weinguts und freute sich auf „aktuellste Informationen bezüglich europäischer Fragen“. Weber gilt in der Partei als Stratege, der es auch in seiner Funktion als Fraktionsvorsitzender der mit 215 Abgeordneten stärksten Fraktion im EU-Parlament schafft, viele Interessen zu bündeln, lösungsorientiert und zielstrebig zu arbeiten und Kompromisse zu schließen.
Laut Weisgerber ist der 43-jährige Niederbayer einer der gefragtesten Gesprächspartner der Staats- und Regierungschefs aller EU-Mitgliedsländer. Weber betonte eingangs, dass in der EU-Politik viel Alltag stecke und diese von unserem Leben vor Ort nicht weit weg sei.

Derzeit blicke er jedoch nachdenklich auf Europa. „Der Kontinent ist ziemlich durcheinander“, konstatierte er besorgt. Er berichtete in diesem Zusammenhang über Soldaten, die derzeit in Brüssel das EU-Parlament vor Terror-Anschlägen sichern, von hoher Jugendarbeitslosigkeit in vielen Mitgliedsländern und über einen kalten beziehungsweise manchmal auch heißen Krieg in der Ostukraine.
Nicht zuletzt trage aber auch die Flüchtlingskrise zum Durcheinander entscheidend bei, so Weber. Hier betonte der EU-Politiker und niederbayerische CSU-Bezirkschef, dass nicht die EU Schuld an der Krise habe, sondern der „nationale Egoismus“ von Staaten wie Tschechien oder Ungarn.
Einer Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU erteilte Weber auf Nachfrage eine klare Absage. Teils kritische Fragen der Anwesenden kamen zum T-Tip-Abkommen mit den USA. Bei der aktuellen Diskussion handle es sich derzeit eher um einen Glaubenskampf als um Fakten, so Weber. Er räumte aber ein, dass auch er noch nicht sagen könne, ob er letztendlich zustimme. Aber „wir wollen, dass verhandelt wird“, betonte er energisch. „Es geht um unseren Wohlstand“, sagte er weiter.
Insgesamt müssten Grundsatzfragen in Bezug auf Europa in den nächsten Jahren geklärt werden. Es gehe darum, ob die Mitgliedsstaaten die Kraft aufbringen, sich als vereintes Europa in der Globalisierung zu behaupten. „Ansonsten wird die Welt mit uns Ping-Pong spielen“, prognostizierte der seit zwölf Jahren im Europaparlament sitzende Politiker.

Auf die Frage, ob er Brüssel und das EU-Parlament nicht lieber gegen ein Mandat beispielsweise im Bayerischen Landtag, der 2018 neu gewählt wird, eintauschen würde, mit der Chance sogar auf einen Ministerposten, antwortete der Niederbayer nur ausweichend.

Er sehe Europa existenziell als Gestaltungsebene und habe sich deshalb der wunderbaren Aufgabe als Fraktionsvorsitzender verschrieben, sagte er mit einem Lächeln. Ebenso genieße er die großartige Unterstützung seiner Fraktion. Ziel müsse weiterhin sein, dass Europa mit einer Stimme spricht.
Insider sehen in Weber längst eine der künftigen Führungsfiguren der CSU. Wahrscheinlich also, dass er auf absehbare Zeit in die Bundes- oder Landespolitik wechselt.

 

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