Deutsche Weinkönigin der Herzen

09.10.2006

Mainpost 9.10.2006

 

Deutsche Weinkönigin der Herzen

 

Da freut man sich auf einen schönen Fernsehabend. Orgelt ewig auf der Fernbedienung herum, bis auf Sendeplatz 47 der MDR auftaucht. Ist bereit, Gunther Emmerlich zu ertragen. Will Jennifer Herbert siegen sehen. Legt sich mit Schweinfurt an und gemeindet Zeilitzheim frech in den Landkreis Kitzingen ein. Und dann das: Die Fränkische Weinkönigin bekommt einen Sekunden-Auftritt. Wird aus der Wahl gekegelt, bevor diese überhaupt angefangen hat. Das ist ein Skandal. Und ein Grund, Jennifer Herbert wenigstens zur Deutschen Weinkönigin der Herzen zu erklären.

Die Wahl zur 58. Deutschen Weinkönigin am Freitagabend - übertragen von diversen dritten Fernsehprogrammen - war in vielerlei Hinsicht ein Flop. Schon der Titel: "Die Krönung". Da erwartet man ein Kaffeekränzchen, niemals aber die Begegnung mit den 13 deutschen Weinanbau-Gebieten. Dazu Herr Emmerlich - vom ersten Moment an ein Nervfaktor. Nicht nur wegen der gepunkteten Fliege. Wenn schon einer die Kandidatinnen in Reimen vorstellt. Es ist nahezu nicht zitierfähig, aber bitte: "Der Frankenwein ist immer mehr wert, kredenzt ihn fröhlich Jennifer Herbert." Aua! Das konnte ja nichts werden. Die Zeilitzheimerin durfte eine Treppe hinab laufen - und gleich wieder abtreten. Weil aus unerfindlichen Gründen fünf Kandidatinnen sofort die Endrunde erreichten. Der Rest: abserviert. Frechheit, sowas. Oder, um es mit den Worten einer Mitguckerin zu sagen: "So'n Scheiß!"

Erklärt wurde die ominöse (wahlweise: bedenkliche, ungerechte, bescheuerte) Vorauswahl nicht wirklich. Wahrscheinlich ging alles hoppla-hopp, um Zeit und Platz für diverse und an DDR-Zeiten erinnernde Gesangsdarbietungen sowie für das MDR-Fernsehballett zu schaffen. Somit verkürzte sich die eigentlich auf 90 Minuten angesetzte Sendung - zumindest für mich - auf 16 Minuten von 2015 bis 2031 Uhr.

Denn: Wenn Jennifer gehen muss, gehe ich auch. Wobei ich nicht das Feld räume, ohne Jennifer Herbert vorher noch zur Deutschen Weinkönigin der Herzen zu erklären. Wenn ich könnte, würde ich Gunther Emmerlich diesen Satz 100 Mal aufschreiben lassen. In Schönschrift. Und ohne alberne Fliege.

So, genug gesehen. MDR ade, Sendeplatz 47 ist die nächste Zeit gestrichen. Ab zu RTL. Von Gunther zu Günther. Da weiß man wenigstens, was man hat. Keine Fliege. Kein seltsames Fernseh-Ballett. Nur Fragen. Jauch, mein Abend-Retter. Wer am Ausgang der Fußball-WM 1966 beteiligt war? Richtige Antwort für 64000 Euro: "C, der Dienst". Und zwar Gottfried Dienst. So hieß der schweizerische Schiedsrichter im Endspiel.

Um das herauszufinden, verballerte der Kandidat seinen Anruf-Joker. Und falls sich jemand nicht erinnern sollte: Der Ausgang des Endspiels 1966 gegen England war sehr ungerecht - ähnlich wie der Ausgang der Weinköniginnen-Wahl 2006.

P. S.
Falls dieser Text nicht ausreicht, um Jennifer-Königin-der-Herzen-Herbert zu trösten - von neun Redaktionsmitgliedern der Kitzinger MAIN-POST reißt sich mindestens einer darum, diese Aufgabe zu übernehmen.

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