Die Diva und ihr Männerballet

09.10.2015

STAMMHEIM

Die Diva und ihr Männerballet

Ein Abend nur für Frauen“, so stand es auf der Einladung des Katholischen Frauenbundes Stammheim für den Kabarett-Abend „Supertussis packen aus“ mit Rena Schwarz. Die Veranstaltung im Musikerheim war einer der Hauptpreise, die es bei der Mitgliederwerbeaktion des Diözesanverbandes Würzburg im vergangenen Jahr zu gewinnen gab. Der Stammheimer Frauenbund hatte von allen 187 Zweigvereinen die meisten Neumitglieder im Verhältnis zur Einwohnerzahl geworben, 17 Frauen.

Damit auch alle Frauen die Vorstellung genießen konnten, wurde dann doch eine Ausnahme gemacht. Sechs Männer durften der Veranstaltung als Servicekräfte beiwohnen. Dabei blieb es aber nicht. Ganz im Gegenteil, mit einer ausgefeilten Tanzeinlage gelang es den Männern am Ende fast, der eigentlichen Akteurin des Abends, Rena Schwarz, die Show zu stehlen. Aber nur fast.

Denn auch Rena Schwarz verstand es von Anfang an, die anwesenden Frauen in ihren Bann zu ziehen, indem sie munter drauf loserzählte, von sich, von ihrer Freundin Kerstin und von deren Mutterglück. Zum neuen Trend, seine Kinder nach Orten oder Dingen zu benennen, hatte sie gleich mehrere Vorschläge parat: „Melitta“ für das Mädchen, „Bosch“ für den Jungen. So kann Melitta gleich mal den Kaffee kochen und Bosch sollte nicht in der Nase bohren.

Die erste Tussi, die Rena Schwarz vorstellte, war Tupperberaterin Dortje von Dojse, mit perfekt imitiertem holländischen Dialekt. Automatisch fühlte man sich erinnert an so manche Samstagabend-Fernsehsendung mit einem Showmaster des gleichen Zungenschlags. Und wer schon einmal bei einer Tupperparty war, auch „Frauengelüste-Befriedigungs-Party“ genannt, musste sich eingestehen, dass Rena Schwarz der Realität doch sehr nahe kam.

Neben einer großen Auswahl an nützlichen Küchengegenständen wie dem „Vergißmeinnicht mit Sichtfenster“ für halbe Pampelmusen, stellte sie auch gleich die Tuppertischdecke vor, die sich ebenso gut zum Halstuch eignet. Damit auch die Männer nicht zu kurz kommen, gab es für sie die passende Krawatte, gleich am lebenden Objekt vorgeführt.

Mit schwäbischer Zunge erzählte Dolores Häberle aus ihrem Schönheitssalon und wie sie die Frauen davon träumen lässt, so zu bleiben, wie sie niemals waren. Mit Tattoos sei sie inzwischen aber vorsichtig. Eine Freundin hätte sich nämlich vor zehn Jahre auf dem Steißbein einen Gecko mit dem Kopf nach unten tätowieren lassen. Inzwischen sei der Kopf nicht mehr zu sehen.

Sportlich und vor allem sehr gesundheitsbewusst zeigte sich Nachbarin Petra. Schon vor der eiskalten Wechseldusche am Morgen wird gewalkt, danach gibt es das makrobiotisches Powermüsli. Als Nachtisch gönnt sie sich schließlich zwei Kapseln Vitamin-Mineral-Präparate, erzählt sie, während sie auf der Bühne walkt und Yoga-Übungen vollführt. Bei soviel Gesundheitsbewusstsein fragte sich dann auch Rena Schwarz, was Petra davon hat, wenn sie 100 Jahre alt wird und keiner kommt, weil alle schon tot sind.

Angelika Schmerkel, Cousine der Kanzlerin, war die letzte Tussi, die Schwarz vorstellt, eine Politikerin, die mit der typischen Handhaltung und dem Gesichtsausdruck ihrer Cousine äußerst ähnlich war und neue Möglichkeiten für Beerdigungsrituale vorstellte.

Bevor Rena Schwarz das Publikum zum Abschluss als Reinkarnation von Marlene Dietrich verzauberte, kamen die erwähnten Männer ins Spiel. Sie sollten das Publikum während der Pause mit einem selbst kreierten Tanz unterhalten. Sie schafften es, durch Auf- und Absetzen von Brillen mit anschließendem Auf- und Zuknöpfen eines Hemdknopfes die anwesenden Frauen zu Begeisterungsstürmen hinzureisen, ehe Rena Schwarz als Diva ein grandioses Finale bot.

Während die sechs Männer der Künstlerin je eine Rose zuwarfen, sang Rena Schwarz perfekt „Für mich soll's roten Rosen regnen“.

Es versteht sich von selbst, dass sie danach nicht ohne Zugabe von der Bühne durfte.

 

 

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