Die Geschichte der Reichsgrafen Wolf von Wolfsthal

16.05.2017

Mainpost 16.05.2017

ZEILITZHEIM

Die Geschichte der Reichsgrafen Wolf von Wolfsthal

Sie war der Höhepunkt bei der Frühjahrstagung der Gesellschaft für fränkische Geschichte im Schloss Zeilitzheim: Die Familientafel der Reichsgrafen Wolf von Wolfsthal, deren Erlöschen sich 2017 zum 300. Mal jährt.
Unter Federführung von Dr. An-dreas Flurschütz da Cruz von der Universität Bamberg und Dr. Erich Schneider vom Museum für Franken Würzburg waren rund 80 Interessierte nach Zeilitzheim gekommen, um mehr über das Leben und Wirken dieser Familie zu erfahren, auf die auch die Erbauung des Zeilitzheimer Schlosses zurückgeht.

Warenhändler

Die Familie Wolf ist seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar. Ursprünglich Warenhändler, entstammte sie der städtischen Oberschicht von Schwäbisch Gmünd. Dr. Klaus Graf von der RWTH Aachen berichte in seinem Vortrag, wie die wohlhabenden, aber bürgerlichen Wolf durch erfolgreichen Handel in die patrizische Oberschicht der Stadt Schwäbisch Gmünd aufstiegen. Im Laufe des 15. Jahrhunderts gelangte die Familie über Nördlingen nach Augsburg und Nürnberg. Um 1500 war Heinrich Wolf dort einer der drei reichsten Bürger.
Spannende Einblicke in den Alltag des Nürnberger Patriziats am Ende des 15. Jahrhunderts gab Prof. Dr. Franz Fuchs von der Universität Würz- burg. Die Zuhörer erfuhren zum Beispiel, welche Speisen man zu sich nahm, worum gestritten wurde und wie die Herren ihre auf so vielen Gemälden überlieferte, doch bisher kaum beachtete Haartracht standesgemäß und unter großem Aufwand pflegten.
Möglicherweise als Kompensation für nicht zurückgezahlte Kredite verlieh der Kaiser der Familie 1501 das Adelsprädikat von Wolfsthal. Im Jahre 1505, beim Tod Heinrichs, waren die Wolf von Wolfsthal verarmt. Sohn Balthasar Wolf musste Nürnberg verlassen, konnte aber in mehreren Etappen wieder zwei Adelssitze erwerben und errichtete 1522 in Burgfarrnbach ein Wasserschloss.

Familienvermögen saniert

Pfarrer i.R. Christian Schümann aus Fürth präsentierte in seinem Bildvortrag die Memorialobjekte die die Familie im 16. und 17. Jahrhundert in der Burgfarrnbacher Kirche St. Johannis hinterlassen hatte.
Johann II Wolf von Wolfsthal machte im Dreißigjährigen Krieg als Oberst im Dienst der Bamberger Fürstbischöfe Karriere und sanierte das Familienvermögen. Er baute 1668 in Hallerndorf bei Forchheim ein neues Schloss, das für Jahrzehnte zum Mittelpunkt der Wolf wurde.
Von dort erwarb die Familie weiteren Besitz in Franken und darüber hinaus. Dazu zählten das Schloss und Dorf Neuses, das Rittermannlehen Westheim-Eschenau, die Burg Thannstein und das Rittergut Schenkenau in den Haßbergen. Auch der 1710 in den Grafenstand erhobene Philipp Gaston Wolf von Wolfsthal setzte die Erwerbungspolitik weiter. Es ließ das 1640 von seinem Vater erworbene Schloss Zeilitzheim von 1679 bis 1683 durch Andreas Keßler nach Plänen des Barockbaumeisters Antonio Petrini aus Würzburg neu errichten.
Erich Schneider stellte den Zuhörern noch weitere Immobilien aus dem Besitz der Familie vom 15. bis zum 18. Jahrhundert vor und beschrieb dabei sehr anschaulich, wie die Wolf von Wolfsthal diesen kontinuierlich und auf nicht immer einwandfreien Wegen vergrößerten und von Nürnberg aus immer weiter in die Hochstifte Bamberg und Würzburg vordrangen.

Am Ende aber scheiterten die dynastischen Pläne der Familie, weil 1713 der einzige erwachsene Sohn Ludwig Sigmund Wolf von Wolfsthal im Alter von nur 30 Jahren plötzlich verstarb. Da nun ohne männlichen Erben, adoptierte Philipp Gaston seinen Freund Graf Rudolf Franz Erwein von Schönborn aus dem benachbarten Wiesentheid, und vermachte diesem mit seinem Tod 1717 den gesamte Familienbesitz.

Abschluss und Höhepunkt der Tagung war die Enthüllung und Vorstellung der um 1500 entstandenen Wolfsthal-Tafel durch den Historiker Prof. Dr. Wim Vroom aus Amsterdam und Dr. Andreas Flurschütz da Cruz. Die Tafel, die sich heute in niederländischem Privatbesitz befindet, wurde nie ganz fertiggestellt und zeigt die Mitglieder der Familie aus drei Jahrhunderten. Noch heute gibt sie der Nachwelt viele Rätsel auf was ihr genaues Alter, den ausführenden Künstler, die Identität und genaue Absicht des Auftraggebers sowie die abgebildeten Personen und ihr Verhältnis zueinander betrifft.

Vom 24. Mai bis 30. Juli ist das Gemälde im Rahmen der Reihe „Gastspiele“ im Museum für Franken auf der Festung Marienberg in Würzburg zu sehen.

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