Die wahre Sehnsucht der Frau gilt dem Neandertaler

31.05.2006

Mainpost 31.5.2006

 

Die wahre Sehnsucht der Frau gilt dem Neandertaler

 

Gernach (ES) "Chansons der tausend Gefühle" - unter diesem Motto stand die FrauenZeit in Gernach. "Sinnlich, melancholisch, aber auch frech und frivol, doch immer mit einem Augenzwinkern erfährt das Publikum so Einiges über die wichtigste Sache des Lebens, die Liebe" - so steht es in der Ankündigung von Silvia Kirchhof und Achim Hofmann zu ihrer Veranstaltung zu lesen.

Sie haben nicht zu viel versprochen, waren sich alle Besucherinnen der "FrauenZeit" in Gernach einig. "Frauenzeit" wird verantwortet vom Frauenbund Gernach, und fand nun schon zum dritten Mal statt. "FrauenZeit" ist ein Angebot von Frauen nur für Frauen, mit Themen, die für Frauen aktuell sind, die kleine Inseln im Alltag bieten und die beitragen, Frau-Sein überzeugter zu leben.

Silvia Kirchhof und Achim Hofmann begeistern die Frauen vom ersten Augenblick an, auch wenn Silvia Kirchhof "mit der Erotik der Bazille auf den Stimmbändern" sang. Trotz einer Erkältung der Sängerin hatte das Duo den Abend nicht abgesagt, was mit Beifall aufgenommen wurde.

Die Ambivalenz des Glücklichseins hatte das erste Chanson zum Thema: "Wenn ich ja mal glücklich wäre, hätt' ich Sehnsucht nach dem Traurigsein." Den Verlust der Unschuld, für jede Frau ein tiefgreifendes, unvergessliches Erlebnis, beschreibt ein Gedicht von Frank Wedekind. Deutlicher wird die Entdeckung der Liebe geschildert im Lied vom Kuckucksnest beschrieben, das 1969 verboten wurde, aber seit 2002 als CD wieder zu haben ist.

Im Gang durch die Entwicklung der Frau kommt die Sängerin schließlich nach der Zeit der Aufklärung, des Sturms und Drangs, in der Zeit der Romantik an.

Dass sich frau wegen "dem Emil und seine unanständige Lust" nicht "die Neese verhuntzen" lässt, steht fest und auch klar ist: "ich lass keinen Doktor ran an meine Brust, wegen dem Emil und seine unanständige Lust", denn: "wie ich bin, hast Du Emil schon immer gewusst, dann hätt'ste mich nicht nehmen gemusst".

Die Entstehung von Boeuf Stroganoff schildert ein Chanson über russische Liebe: Weil ein Liebhaber nicht nur den Leib, sondern auch die Seele der Geliebten begehrt hatte, wurde er zu Boeuf Stroganov in der Küche verarbeitet mit russischen Säbeln, und so klein, dass er nicht mehr zu erkennen war.

Zum Schluss zeigte Silvia Kirchhof, wie sie sich auf die sensitiven, die ordinären und die robusten Männer einstellen kann: Klar ist eines bei allen: "Im Liebesfalle sind doch wirklich alle ein bisschen tralala tralala...". Und die wahre Sehnsucht der Frau gilt doch dem Neandertaler, der ihr direkt und unverhüllt zeigt, was er als Mann von ihr will...

Der Applaus erzwang eine Zugabe, die die Sängerin, schon angegriffen von den "Bazillen der Erotik auf ihren Stimmbändern", gerne gab.

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