„Ein Gefühl wie Exerzitien im Kloster“

13.03.2020

Mainpost 13.03.2020

Herlheim
„Ein Gefühl wie Exerzitien im Kloster“

Der Riehlshof präsentiert sich beim Betreten wie eine Oase", sagte Dr. Michael Schmidt am Donnerstag in Herlheim. Bei der Besichtigung des Denkmalprojekts im Zentrum des Dorfes verglich der stellvertretende Leiter der Baudenkmalpflege von Bayern das nostalgische Gefühl mit "Exerzitien im Kloster". Für die Interessengemeinschaft für Bauwerkerhalt, Umwelt- und Kulturpflege e.V., die das 1584 erbaute Wohnstallhaus Riehlshof in Besitz hat und sich seit Jahren für dessen Erhalt einsetzt, war der Besuch aus München wegweisend.

Zu dem Treffen waren zahlreiche Fachleute aus der Denkmalpflege erschienen, unter ihnen die Leiterin des Bauarchivs des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege von Thierhaupten, Julia Ludwar, der Leiter der Jugendbauhütte von Bayern, Stefan Aichner, der Referent des Landkreises Schweinfurt des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Hans-Christof Haas, sowie der Kurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Reinhold Schöpf.

Ziel der Zusammenkunft, die im Hof des Anwesens mit einer Vorstellungsrunde begann, war es, "ein Gefühl dafür zu bekommen, wohin die Reise gehen soll", sagte Schmidt eingangs. Unter Würdigung dieses spannenden Baudenkmals aus dem späten 16. Jahrhundert wolle man sich die Problematik vor Ort anschauen, "was der Patient so will".

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der IG Bauwerkerhalt, Umwelt- und Kulturpflege e.V., Matthias Braun aus Gerolzhofen, und mehreren Mitgliedern des Fördervereins verschafften sich Schmidt und seine Kollegen einen detaillierten Blick hinter die Kulissen des Hauptgebäudes und der beiden ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Nebengebäude. "Wir sind schon gespannt, was sich uns auf der Zeitreise durch das Gebäude alles erwartet", sagte Schmidt mit Blick auf die Wertigkeit. Die Baukonstruktion des alten Gebäudes und die Ausstattungsdetails interessierten ihn am meisten.

Gemeinsam stellten die Teilnehmer Überlegungen an, wie man unter dem Aspekt der "Jugendbauhütte" das Denkmalprojekt für die nächsten Jahre konzipieren kann. Matthias Braun freute sich über die Unterstützung aus München und der Mitarbeiter der Denkmalbehörden. Dass sich Bayerns zweithöchster Denkmalschützer und seine Behörde für das Herlheimer Projekt interessieren und künftig eng kooperieren wollen, sieht er als Glücksfall.

Der erste Kontakt ist geknüpft, exakte finanzielle Zusagen wurden noch nicht getroffen. Jetzt will man erst einmal gemeinsam Fachplaner ins Boot holen, die gesamte Nutzungskonzeption erstellen und vor allem auch den Zeitfaktor festlegen. Schmidt will sich zeitnah dann Gedanken über die finanzielle Unterstützung machen. "Wir überlegen uns, wie die Finanzierung neben dem Einsatz der Jugendbauhütte aussehen könnte", versprach der stellvertretende Leiter der Baudenkmalpflege von Bayern. Mit Zuschüssen könne eine zielgerichtete Planung dieses hochwertigen Denkmals gestaltet werden.

Bereits im Oktober waren die Nachwuchsdenkmalschützer der Regensburger Jugendbauhütte auf dem Riehlshof im Einsatz. Zwei Wochen lang erledigten sie Maurerarbeiten und Restaurierungen mancher Decken. Ab dem 20. Mai sind die jungen Handwerker wieder eine Woche lang vor Ort. Ihr Auftrag ist dann der Lehmbau. Mit der Jugendbauhütte Regensburg, die erstmals in Unterfranken im Einsatz ist, können Jugendliche von 16 bis 26 Jahren traditionelle Handwerkstechniken erlernen, sie am Original anwenden und das Besondere des Echten und Authentischen mit eigenen Händen spüren und erfahren. In einem freiwilligen sozialen Jahr oder im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes lernen sie die vielfältigen Arbeitsfelder der Denkmalpflege und in der gemeinsamen Unterkunft Teamgeist kennen. "Die Begeisterung bei den Jugendlichen über das gemeinsame Werk ist so groß, dass sie manchmal sogar die Brotzeit vergessen", plauderte Matthias Braun aus dem Nähkästchen.

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