Eine Krippe aus Zigarrenkisten

24.12.2018

Mainpost 24.12.2018

 

ZEILITZHEIM

Eine Krippe aus Zigarrenkisten

Ein klein wenig Nostalgie überkommt Lucia Schirling und ihren Bruder Otto Then schon, wenn sie im Wohnzimmer der Schirlings in Zeilitzheim vor der Weihnachtskrippe stehen. Es ist die alte Krippe, die ihr Vater Anton Ferdinand Then um die Zeit von 1932 einst selbst gefertigt hat.

Diesmal hat sich Schirlings Sohn Claus die Mühe gemacht, das Erbstück wieder komplett aufzubauen. Nicht nur das, er ergänzt und repariert an manchen Stellen. Hintergrund ist, dass sich die Familie entschloss, dieses Jahr wieder einmal Weihnachten gemeinsam in Zeilitzheim zu feiern. Dazu kommen die beiden auswärts lebenden Schwestern mit ihren Kindern. Der Nachwuchs hat die Krippe noch nie gesehen, das spornte Onkel Claus an, das Ganze aufzustellen.

Mit der Laubsäge

Das hätte sicher auch seinem Großvater Anton Then gefallen. Dieser machte sich damals in mühevoller Kleinarbeit mit der Laubsäge ans Werk. Als Material diente ihm das Holz von Zigarrenkisten, wohl weil man zu der Zeit häufig improvisieren musste. Die Vorlage einer Laubsäge-Krippe hatte er Anton Then zwar, häufig wurde jedoch improvisiert. Später wurden die Figuren fein säuberlich mit dem Pinsel selbst bemalt. Vor allem die Engel seien eine schwierige Aufgabe gewesen, weiß Otto Then noch. Die Kleider, die Haare, die Flügel und manche Feinheiten, da war Gefühl gefragt.

„Unser Vater bastelte viel und konnte sehr gut zeichnen“, weiß Lucia Schirling noch vom Vater, der manches Talent besaß. Er musizierte, leitete einst die Zeilitzheimer Kirchenmusik. „Wir saßen oft um den Adventskranz und haben auch viel musiziert“, so Otto Then. Dazu wurde im Winter zuhause häufig gebastelt, nicht nur die Krippe, auch Schränkchen, Regale und manche Dinge mehr entstanden.

Wenn sie vor der Krippe stehen, werden bei den Geschwistern Lucia Schirling und Otto Then die Erinnerungen an ihre Kindheit in den Vierziger und Fünfziger Jahren wieder lebhaft.

„Ein Weihnachten ohne Krippe gab es bei uns zuhause nicht. Sie stand immer bis Lichtmess (2. Februar).“ Das Aufstellen war Männersache. Erst das Gestell, dann die Häuser, dann das Moos und schließlich die Figuren, so lief die Reihenfolge. „Wenn sie aufgebaut wurde, durfte mein Bruder mithelfen. Die sieben Jahre jüngere Schwester aber nicht“, muss Lucia Schirling heute beim Erzählen etwas schmunzeln. Die Figuren durfte man auf keinen Fall verändern, „da war der Vater sehr streng.“

Schwierig sei jedes Mal der Einbau der Lampen gewesen, weil diese nur an schmalen Drähtchen hingen, weiß Otto Then. Sobald einer locker wurde, ging gar nichts mehr. Er konstruierte einst extra ein Stromhaus, als ein neuer Trafo mit 220 Volt angeschafft wurde.

Die gesamte Konstruktion ist etwa zwei Meter lang und 90 Zentimeter breit. Sie befand sich früher auf einem rappelvollen Bücherschrank. Nicht nur die Darstellung mit dem Jesuskind in der Krippe, Maria, Josef, Ochs und Esel, Schafe und Hirten, gehören zu dem Werk. Darüber stehen mit Stadttor, Tempel, Festung und weitere Bauten. Das soll Jerusalem symbolisieren.

Stabilerer Aufbau

Der Aufbau, der das Ganze trägt, wurde mit der Zeit stabiler gemacht. Die gesamten 42 Figuren, „passen alle in so eine kleine Zigarrenkiste. Wenn man sie ordentlich hinein räumt“, sagt Lucia Schirling. Nur die Drei Könige und das Kamel werden extra gelagert wegen ihrer Größe.

In den letzten Jahren wurde die Krippe kaum einmal komplett aufgebaut, und wenn, dann nicht auf ihrem eigentlichen Platz. Diesmal wollte das Lucia Schirlings Sohn Claus, worüber sie im Nachhinein sehr froh ist. „Man muss ein Gefühl dafür haben. Claus identifiziert sich richtig mit der Krippe, ich hätte kein Händchen dazu“, gibt sie zu.

Spaß beim Werkeln

Auch Otto Then macht es richtig Spaß, wieder ein wenig mit zu werkeln am Erbstück. Immer wieder werden Ideen ausgetauscht, was man noch ergänzen und verbessern könne. Then hat sich für sein Zuhause selbst eine gebaut.

Bei den Schirlings kann nun also Weihnachten kommen. Die Enkel werden sicher ihre Freude an den alten Figuren haben, die einst ihr Urgroßvater schuf. Eines Tages werden sie vielleicht das gute Stück aufstellen.

 

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