Eine Mariensäule als Blitzableiter

26.05.2017

LINDACH

Eine Mariensäule als Blitzableiter

Vor 125 Jahren, anno 1892, wurde auf dem Lindacher Dorfangerplatz die Mariensäule errichtet. Dieses Jubiläum nahm der Eigenheimerverein zum Anlass für ein kleines Dorffest.

Eingeleitet wurde die Feier unter freiem Himmel mit einem Gottesdienst. Pfarrer Andreas Engert zelebrierte die Messe, die Blaskapelle unter der Leitung von Walter Strauß und der gemischte Chor unter Carmen Kuhn sorgten für die musikalische Gestaltung. Die Besucher des Festes sangen die Marienlieder gerne mit.

In seiner Ansprache ging Pfarrer Engert auf die religiöse Bedeutung der Mariensäule im Dorfleben ein, dient sie doch bei der Fronleichnamsprozession als Stationsaltar. Im Alltag wache die Gottesmutter stets sichtbar über das Dorf und seine Bewohner, die ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihre Dankbarkeit der Gottesmutter beim Vorübergehen in einem kleinen Gebet zum Ausdruck bringen könnten. Dies sei früher für Katholiken die Regel gewesen.

Engert erinnerte an die Stifter, die Brüder Georg und Simon Englert, die das Denkmal errichten ließen. Die Mariensäule steht neben weiteren zehn Bildstöcken in Dorf und Umgebung an einem früher durch den Ort führenden vielbegangenen Wallfahrtsweg. Die Pilger hätten einst für das Seelenheil der Stifter einen Gebetsgruß gesprochen.

Früher wurde im Volk die Mariensäule auch als Blitzschlagsäule bezeichnet. Der Überlieferung nach ließen die Englert-Brüder sie im Vertrauen auf die Gottesmutter errichten, als Fürsprecherin bei ihrem Sohn Jesus, der Blitz und Hagelschlag vom Dorf fernhalten möge. Im Dorf sollen zuvor bei schweren Gewittern einige Blitze eingeschlagen haben, die Brände mit enormen Schäden verursachten.

Seit der Errichtung der Säule und ihrer Einbindung in die Fronleichnamsprozession soll tatsächlich kein Blitz mehr einen Brandschaden verursacht haben. Lediglich so genannte „kalte Schläge“, wie jüngst ein Einschlag im Kirchturm, der das Uhrwerk außer Funktion setzte, richteten etwas Schaden an.

Die Säule wird von einer Skulptur der Maria Immaculata gekrönt, der unbefleckten Jungfrau, die ihre Hände zum Gebet faltet. über ihrem Haupt schwebte einst ein Kranz mit zwölf Sternen, der von der Witterung allmählich zerstört wurde. Dieser fiel auch die farbige Bemalung der Statue zum Opfer.

Die Gemeinde Kolitzheim ließ vor einigen Jahren die Statue restaurieren, dabei wurde aus denkmalschützerischen Gründen auf die Erneuerung der Sternenkrone und auf einen neue Bemalung verzichtet. Die eindrucksvolle Rundsäule, die noch andere Bild- und Ornamentmotive aufweist, steht inmitten einer gepflegten Blumenrabatte und ist eine Zierde des historischen Dorfangerplatzes.

Das kleine Fest, das anlässlich des Jubiläums vonstatten ging, war trotz der etwas kühlen Witterung gut besucht. Als Höhepunkt kann man zweifellos die Rundfahrten mit dem Traktorgespann ansehen, die in den beginnenden Abendstunden rund um das Dorf, durch Fluren, Wiesengründe und durch den Wald gingen.

Viele Kinder, aber auch zahlreiche Erwachsene nutzten die Gelegenheit, einmal entschleunigt bei hereinbrechender Dunkelheit durch die Landschaft zu fahren und die Abendstimmung in der Natur zu genießen.

Unterwegs wurde an verschiedenen Stellen angehalten. Kurt Albert stellte dort Bildstöcke am Wegrand vor, berichtete von historischen Ereignissen, die mit diesen Orten verbunden sind oder über verschiedene Naturphänomene, die sich dort ereigneten.

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