Erntedank: Gottesdienstbeauftragte springen für Pfarrer ein

29.09.2020

Mainpost 29.09.2020
Gernach
Erntedank: Gottesdienstbeauftragte springen für Pfarrer ein

Mut, dass es die Gottesdienstbeauftragten gibt" – so mag manche Gottesdienstbesucherin und mancher Gottesdienstbesucher gedacht haben, auf dem Weg zum Erntedankgottesdienst: Pfarrer Thomas Amrehn musste nämlich in Quarantäne bleiben, sodass er die Erntedankgottesdienste nicht halten konnte. Doch die Gottesdienstbeauftragten Heidi Reißner, Elke Dressel, Gaby Berchtold und Doris Berchtold sprangen kurzfristig ein und so konnten in allen drei Gemeinden Wortgottesfeiern zum Erntedank stattfinden.

Bei allen Gottesdiensten stand der Gedanke im Mittelpunkt, dass die Schöpfung von Gott geschenkt ist, und wir alle daher verpflichtet sind, dieses Geschenk Gottes zu achten. Es ging daher um den Dank für die Gaben, die uns die Erde schenkt, und die uns zur Nahrung dienen. "Es geht nicht um das 'Immer noch Mehr' – sondern darum, die ganze Schöpfung im Blick zu haben" – so ein Gedanke von Heidi Reißner, die in Oberspiesheim der Wortgottesfeier vorstand.

In der Lesung aus dem Philipperbrief klingt an, dass es auch damals schon Auseinandersetzung und Streit in der Gemeinde gab. Paulus mahnt zum konstruktiven Dialog: "Was immer wahrhaft, edel, liebenswert, ansprechend ist… darauf seid bedacht", mahnt er die Gemeinde von Philippi. Sich bewusst zu machen, dass uns das Leben, und auch das Miteinander in der Gemeinschaft anvertraut ist, könne unser Herz öffnen füreinander.

Dankbar für das Geschenk der Ernte

Elke Dressel, die die Wortgottesfeier in Unterspiesheim leitete, stellte den Gedanken in den Mittelpunkt, dass "die Ehrfurcht vor dem was gewachsen ist, im Bewusstsein, dass dies alles nicht selbstverständlich ist" uns dankbar sein lassen kann für das Geschenk der Ernte. Sie nahm Bezug auf die Extremwetter-Konferenz in Hamburg, "die vielleicht die letzten Zweifler, vielleicht sogar den großen Leugner des Klimawandels aus den USA weckt".

Ihr Appell: "Lasst uns das besser machen. Denn es ist nicht fünf vor 12, sondern schon zehn nach 12 – für uns vielleicht nicht mehr, aber für unsere Kinder und Enkel." In den Fürbitten wurde dargestellt, was für unser Leben wichtig ist, und was oft als selbstverständlich genommen wird: Die Fürbitte für alle, die sich für gutes Klima einsetzen, wurde begleitet von einem Ministranten, der einen Luftballon zum Altar trug. Und auch eine Maske, die wir alle tragen müssen, wurde zum Altar gebracht, für alle Menschen, die an Corona erkrankt sind, die unter den Kontaktbeschränkungen und den Folgen der Krankheit leiden.

Gerechte Verteilung der Gaben

Gaby Berchthold und Doris Berchtold gestalteten die Wortgottesfeier in der St. Aegidius-Kirche in Gernach. Sie stellten den Gedanken in den Mittelpunkt, dass wir für die Schöpfung verantwortlich sind, und damit auch für eine gerechte Verteilung der Gaben: "Die Erde ist uns nicht als Besitz übergeben, sondern nur als Leihgabe anvertraut, damit wir sie bewirtschaften in seinem Sinn. Die Erde gilt es zu erhalten, die Früchte der Erde müssen mit Ehrfurcht gebraucht werden. Und wir, die wir so ziemlich aus dem Vollen schöpfen, sind auch verantwortlich für eine gerechte Verteilung der Gaben, die er uns schenkt."

Die Lesung aus dem 1. Buch der Könige zeigt am Beispiel des Propheten Elija, wie Gott uns stärkt: der Prophet hatte allen Lebensmut verloren, aber die Speise, die Engel ihm reichten, gab ihm die Kraft, vierzig Tage und vierzig Nächte durch die Wüste zu wandern. Natürlich ist diese Geschichte aus dem Alten Testament nicht als historische Erzählung zu verstehen. Sie schildert die Erfahrung von Menschen, die im Vertrauen auf Gott in der Erfüllung dessen, was ihnen aufgetragen war, über sich hinauswachsen konnten.

Gaben gehen an die Schweinfurter Tafel

Im Gleichnis aus dem Evangelium, das von dem Unkraut im Weizen berichtet, wird darauf deutlich, dass wir alle Menschen sind, die gute Seiten haben, dass wir Zuneigung und Liebe schenken können, anderen helfen können, dass wir aber auch an anderen schuldig werden, indem wir Solidarität verweigern, andere ausschließen, nur an uns denken. "Lasst beides (Unkraut und Weizen) wachsen bis zur Ernte", sagte Jesus: Es gilt, alle Seiten, die guten und die weniger guten im Blick zu haben, barmherzig zu sein mit sich und anderen.

Gaby Berchold segnete die Erntegaben, indem sie diese mit Weihwasser besprengte. Im Segensgebet, von Doris Berchtold gesprochen, kam der Dank und die Freude über die geschenkten Gaben zum Ausdruck, und die Bitte, dass wir diese Gaben nach dem Willen Gottes gebrauchen. Die Sorge um Menschen, die weniger haben, wird auch konkret: Alle Gaben, die die Gläubigen in jeder der drei Gemeinden zum Schmuck der Erntealtäre gespendet haben, wird der Schweinfurter Tafel zur Verfügung gestellt – wie jedes Jahr.

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