"Erstarrt vor dem Maß an Gewalt"

13.05.2006

Mainpost 13.5.2006

 

"Erstarrt vor dem Maß an Gewalt"

 

oberspiesheim (tsc) "Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?" - Der Eingangstext der deutschen Messe von Franz Schubert dürfte wohl vielen Besuchern des Requiems für Hedwig Regina Glöckner aus dem Herzen gesprochen haben. Die 73-Jährige war am 3. April in Volkach Opfer eines Tötungsverbrechens geworden. Der Fall hatte überregional für Aufsehen gesorgt.

Hedwig Regina Glöckner, die die letzten 14 Jahre in Volkach gelebt hatte, wurde an der Seite ihres ersten Mannes auf dem Oberspiesheimer Friedhof beigesetzt. Gut 250 Trauergäste waren zum Gottesdienst erschienen - zu viele für die kleine Kirche. Pfarrer Georg Hartmann fand während der Messe bewegende Worte für die Verstorbene und die Umstände ihres Todes. "So wie Kain sich gegen Abel erhob, so hat sich hier die Gewalt eines Menschen gegen einen anderen gerichtet", sagte er. "Man erstarrt, wenn man sich das Maß von Gewalt vor Augen führt. Doch die Gewalt darf nicht zum Herrscher über Seele und Herz werden."

Über dem Sterben von Hedwig Regina Glöckner liege "viel Dunkelheit". Über ihr Leben seien "Gewalt und Zerstörungswut" hereingebrochen. "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen", zitierte Pfarrer Hartmann aus dem Markus-Evangelium. Dennoch gelte es, die Erinnerung an die Verstorbene wachzuhalten: "Mit ihrer Persönlichkeit, ihrer Freude an Farben, Formen und schönen Stoffen" habe die Schneidermeisterin vielen Menschen Freude bereitet.

Bei der anschließenden Beisetzung erinnerte Rechtsanwalt Dr. Helmut Fischer aus Volkach, ein Freund der Familie, an die lebensfrohe Art der Verstorbenen. Ihr Leben habe sie stets tapfer gemeistert.

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