Flurneuordnung abgeschlossen: Mit der Weisheit der Eule

29.05.2019

Mainpost 29.05.2019

Zeilitzheim

Flurneuordnung abgeschlossen: Mit der Weisheit der Eule

Das Thema Flurneuordnung sei ein "Dauerbrenner" in der Gemeinde Kolitzheim, wie Bürgermeister Horst Herbert es beim Flurbereinigungsfestakt in Zeilitzheim zu Beginn seiner Ansprache formulierte. Umso erfreulicher war der Anlass dieser Veranstaltung, denn das Verfahren und die Arbeiten der Flurbereinigung im Ort sind nun weitestgehend abgeschlossen.

Eine 2,50 Meter hohe Eule aus Stahlblech am "Eulenberg" ist das Denkmal für die erfolgreichen Ergebnisse der Neuordnung mit ihren Vorteilen für die Landwirtschaft und den Naturschutz. Pfarrerin Victoria Fleck und Pfarrer Emeka Ikejiama segneten den neu errichteten Aussichtspunkt, der einen guten Ausblick auf die Flur von Zeilitzheim ermöglicht. Die Klänge des Posaunenchors umrahmten die Feierlichkeit, bei der auch die Ortsbevölkerung zahlreich zugegen war.  

Bereits im Oktober 2008 wurde in Zeilitzheim eine beschleunigte Zusammenlegung nach dem Flurbereinigungsgesetz angeordnet. Bei der Wege- und Gewässerplanung hatte sich gezeigt, dass eine zweckmäßige Bodenordnung ein neues Wegenetz mit größeren wasserwirtschaftlichen Maßnahmen erfordert. Deshalb wurde im August 2011 das beschleunigte Zusammenlegungsverfahren eingestellt und gleichzeitig eine Flurerneuerung für ein Gebiet mit insgesamt 776 Hektar angeordnet.

Neben der Gemarkung Zeilitzheim erstreckte sich dieses auch über Teile der Gemarkungen Kolitzheim, Herlheim, Brünnstadt, Krautheim und Gaibach. Die Flurstücke waren im Eigentum von 114 Besitzständen.

Nach Ermittlung der Bodenwerte im Frühjahr 2012 und einem ersten Wegebauprogramm konnten bereits im Herbst 2013 die neuen Gewannen mit Grenzsteinen abgemarkt werden.

Ende 2015 wurden die Teilnehmer über ihre Wünsche gehört, damit im ersten Halbjahr des darauffolgenden Jahres das Neuverteilungsprojekt aufgestellt werden konnte. Die Grenzen der neuen Flurstücke wurden im Juli und August 2016 in die Örtlichkeit übertragen, sodass die Teilnehmer noch im Herbst erstmals ihre neuen Flurstücke bewirtschaften konnten.

Zusammen mit dem zweiten Bauprogramm wurden Wege mit einer Länge von rund 5,5 Kilometern ausgebaut, größtenteils als Asphalt- und Schotterwege, aber auch als (Voll-)Pflasterwege. Als Ausgleichsmaßnahme wurde der Moorbachgraben mit seinen Randbereichen zum Gewässerschutz und als Lebensraum für Insekten und Vögel aufgewertet.

Dem Feldhamster konnten in besten Lössböden zwei Streifen mit einer Gesamtfläche von 6800 Quadratmetern zur Verfügung gestellt werden. Die Ausgleichsflächen haben insgesamt einen Umfang von 3,9 Hektar.

Zusätzlich zur Ausgleichsverpflichtung wurden entlang der Volkach zum Schutz des Gewässers Randstreifen angelegt. Im Rahmen der Flurbereinigung konnten auch Maßnahmen für Freizeit und Erholung durchgeführt werden, wie beispielsweise eine Sitzgruppe am Weinbachgraben mit Zugang zum Wasser.

Insgesamt lagen die Gesamtkosten bei rund 1,4 Millionen Euro. Diese wurden durch eine staatliche Förderung in Höhe von einer Million Euro, einer Eigenleistung der Teilnehmer von 350 000 Euro und durch 30 000 Euro von der Gemeinde gedeckt.

Alles in allem sei die Flurbereinigung ein "Gewinn für alle", resümierte Bürgermeister Horst Herbert in seiner Rede. Die Gemeinde Kolitzheim ist mit einer rund 5000 Hektar bewirtschafteten Fläche stark landwirtschaftlich geprägt. Ein gravierender Wandel im Bereich der Landwirtschaft in den vergangenen 70 Jahren fordere unter anderem auch Veränderungen in den Produktions- und Arbeitsbedingungen der Landwirte, so der Bürgermeister weiter. Trotz langer Diskussionen und großer Befürchtungen hätten alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung für alle erarbeitet.

Zukunftstaugliche Schlaglängen und Flächengrößen für eine wirtschaftliche Produktion und ein optimiertes Wegenetz seien entstanden. Die Notwendigkeit der Veränderungen sieht Horst Herbert darin, gesunde Lebensmittel zu einem vernünftigen Preis produzieren zu können, die Landwirtschaft zu bewahren und um etwas für die Natur zu tun. "Flurbereinigung ist Gemeindeentwicklung und Zukunftsgestaltung", so sein Statement.

"Flurbereinigung ist Gemeindeentwicklung und Zukunftsgestaltung."

Horst Herbert, 
Bürgermeister

Pfarrerin Victoria Fleck schilderte mit ihren Worten verschiedene Gedanken, die die Menschen haben könnten, während sie durch die großen Augen der Eule in die neugestaltete Flur schauen. Vielleicht sehen einige die aufwendige Arbeit auf den Feldern und haben Zweifel an der Neuordnung, andere aber das Positive, wie beispielsweise die neuen Wegesysteme, breite Grünstreifen und effektiver gewordene Felder.

Ein unverzichtbarer Partner in Bezug auf die Flurerneuerung ist das Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken (ALE) mit den beiden Vorsitzenden, Reiner Väth und Johannes Krüger. Die 400 Kilogramm schwere Eule, die durch Metallbildhauer Harald Krischker gefertigt wurde, stelle ein Denkmal zum Nachdenken dar, so Reiner Väth. Durch ihre Augen könnten Passanten hindurch sehen, die Aussicht genießen und ihren Blick weit schweifen lassen.

"Jeder soll sich dabei zukünftig fragen, was wir für die Natur tun können", so Väth, der erklärte, dass in den Gitter-Augen der Eule die Feldeinteilung vor und nach der Flurbereinigung nachgebildet wurde. Krüger sprach zudem von einem "mustergültigen Ablauf" des Verfahrens und brachte seine Freude über die gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zum Ausdruck.

Der örtliche Beauftragte Werner Herbert zeigte sich ebenfalls erfreut über die Entwicklungen und die durchaus schnelle Fertigstellung. "Es profitieren Landwirte, Grundstückseigentümer, aber auch die Natur. Die neuen Wege laden zum Spazierengehen und Radfahren ein", so Werner Herbert.

"Es profitieren Landwirte, Grundstückseigentümer, aber auch die Natur. Die neuen Wege laden zum Spazierengehen und Radfahren ein."

Werner Herbert,
örtlicher Beauftragter

Die Landtagsabgeordnete Barbara Becker wies auf die symbolische Bedeutung der Eule hin, die für Klug- und Weisheit stehe, die für eine solche neue Ordnung der Flur in jedem Fall notwendig gewesen sei.

Landrat Florian Töpper zeigte sich in seinem Grußwort erfreut über die nun "zukunftsfähige Landwirtschaft" in Zeilitzheim und Umgebung. Auch gefällt ihm, dass durch die Darbietung der Kindergartenkinder der Nachwuchs mit in den Festakt eingebunden wurde und die Abschlussfeier der Flurbereinigung mit dem Feuerwehr- und Kindergartenfest, das am gleichen Wochenende im Ort stattfand, verbunden wurde. Das Kindergartenteam hatte ein passendes Lied im Gepäck, das das Flurbereinigungsfest gelungen abrundete.

 

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