Gernacher Frauenbund unterstützt Perinatalzentrum

04.12.2015

Gernach

Gernacher Frauenbund unterstützt Perinatalzentrum

500 Euro für das Perinatalzentrum in Schweinfurt konnten Vorstandsmitglieder des Frauenbundes Gernach an den Chefarzt der Kinderklinik, Dr. Johannes Herrmann, übergeben. Dieser Betrag ist der Erlös eines Benefizkonzerts mit der Musikkapelle Gernach und dem Singkreis „Intakt“ aus Oberschwarzach. Es fand im Oktober in der St.-Aegidius-Kirche in Gernach statt.

Der Frauenbund Gernach hatte das Konzert organisiert. Beide Kapellen verlangten kein Honorar. Nicht zuletzt deshalb kam der Betrag zusammen.

Johannes Hermann war sehr erfreut über die Spende, die ihm die Vorsitzende des Frauenbundes, Gaby Berchtold, überreichte. So sei es möglich, manche Dinge für die Kinder, aber auch für ihre Eltern zu finanzieren, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Es könnten zum Beispiel Spiele und Bücher angeschafft werden, oder Lagerungskissen.

Klar sei die Spende willkommen, so Hermann, aber noch mehr freue ihn, dass man an die Perinatalstation denke, eine Einrichtung für Frühgeborene. Mancher dieser Kinder hätten es schwer, ihren Weg ins Leben zu finden, wenn die Entwicklung im Mutterleib vorzeitig unterbrochen wird.

Herrmann nahm sich viel Zeit, die Frauen über die Aufgaben des Perinatalzentrums zu informieren. So arbeite man eng mit den Perinatalzentren in Bamberg und Bayreuth zusammen. Man hat alle 14 Tage Videokonferenzen organisiert, in denen man sich fachlich über komplizierte Zustandsbilder austauscht und so die Erfahrung der Spezialisten an gleich drei Standorten nutzen könne.

Die Kinderklinik in Schweinfurt verfügt über 81 Betten. Etwa 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen, wie Mediziner, Sozialpädagogen, Erzieherinnen oder Ergotherapeuten kümmern sich um die Patienten. Etwa 1400 Kinder kämen jährlich hier zu Welt. Insgesamt betreue man 3500 Geburten, rechne man die 2100 Kinder dazu, die vom Abholdienst der Klinik aus anderen Kliniken geholt würden oder von diesen nach Schweinfurt überwiesen würden. Kinderklinik und Perinatalzentrum seien eingebunden in das soziale Versorgungsnetz der Region, so Herrmann.

Im Perinatalzentrum tue man alles, die kleinen Patienten möglichst gut zu versorgen. Manchmal sei die Prognose schwierig, aber man erlebe immer wieder Überraschungen. Kinder, deren Entwicklung man kritisch einschätzte, entwickelten sich besser, als man aufgrund des medizinischen Befundes zu hoffen wagte. Andere dagegen, die man stabiler einschätzte, hätten mit späteren Komplikationen zu kämpfen, die entwicklungsverzögernd wirkten.

Die Behandlung richte sich nach bewährten Leitlinien: bei bestimmten Diagnosen ist eine bestimmte Behandlungsweise vorgesehen, die immer wieder an die aktuelle Situation des neu- oder frühgeborenen Kindes abgestimmt werde. Ein Anliegen der Klinik sei es, den Eltern einen möglichst frühen und intensiven Kontakt zu ihren Kindern zu ermöglichen. Man habe immer im Blick, wie wichtig der Körperkontakt zur vertrauten Person, meist der Mutter, für eine gute Entwicklung sei.

So würden im Jahresdurchschnitt etwa 20 Mütter mit ihren Kindern in der Klinik übernachten. Dabei müsse man logistische Meisterleistungen vollbringen, denn man müsse die Zimmerbelegung auch nach den Krankheiten und Bedürfnissen der Kinder ausrichten: So könne man zum Beispiel ein Kind, dessen Immunabwehr geschwächt ist, nicht mit einem Kind in ein Zimmer legen, das an Durchfall leidet.

Die kritische Grenze bei Frühgeburten sei die 23. Schwangerschaftswoche: Kinder, die vor diesem Termin auf die Welt kommen, hätten keine Überlebenschance, weil die Entwicklungsdefizite zu groß sind, als dass sie durch die Perinatalmedizin aufgefangen werden könnten.

Von den Kindern, die in der 24. Schwangerschaftswoche entbunden werden, stirbt etwa ein Drittel, ein weiteres Drittel ist schwerbehindert, und ein Drittel entwickelt sich normal. Gerade in dieser Phase stellten sich ethische Fragen, die dann mit der Ethikkommission besprochen werden.

Wenn eine Krankheit oder eine Entwicklungsverzögerung des Kindes schon im Mutterleib erkannt wird, so Herrmann, sei es gut, wenn die Mutter in das Perinatalzentrum kommt, wenn sie noch schwanger ist. Dadurch kann gewährleistet werden, dass das Kind die bestmögliche Hilfe erhält, weil die Spezialisten vor Ort seien.

 

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