Für mutiges Auftreten gegen rechts

25.05.2016

Mainpost 25.05.2016

 

BERLIN/STAMMHEIM

Für mutiges Auftreten gegen rechts

Wer erinnert sich noch? Es gab einen Lehrpfad für Antidemokraten, Bürger kehrten den Marschweg der Partei „Die Rechte“ durch ihr Dorf frei vom „braunen Dreck“, den sie in Mülltonnen füllten, die Musikkapelle blies den Neonazis den Marsch und mehr als 1000 Menschen kamen an Pfingsten 2015 zu einer Andacht gegen rechts. All das hat das Bündnis „Stammheim ist bunt“ initiiert.

Unter anderem dafür wurde die couragierte Bürgerinitiative, die sich mit rechtskonformen und friedlichen Mitteln erfolgreich gegen die Ansiedlung der Kleinstpartei „Die Rechte“ in ihrem Ort wehrte, jetzt gebührend geehrt.

Gegründet schon 2014

„Stammheim ist bunt“ wurde übrigens nicht erst nach der Ankündigung der Rechten, ihre Landesparteizentrale im Winzerort einrichten zu wollen, gegründet. Das war bereits im Jahr 2014 der Fall gewesen, als der Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann seinen ersten Vortrag in eben dem Anwesen hielt, das die Partei „Die Rechte“ später anmietete.

Eine Delegation von „Stammheim ist bunt“, darunter fast alle Gründungsmitglieder, reiste am Montag in die Bundeshauptstadt, um im Haus der Berliner Festspiele zusammen mit 60 weiteren Preisträgern die Auszeichnung für das Engagement gegen Extremismus und Gewalt entgegenzunehmen.

Die Stammheimer hatten beim bundesweiten Wettbewerb des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ (BfDT) einen mit 3000 Euro dotierten Preis gewonnen. Beim Ausrichter des Wettbewerbs waren Bewerbungen von rund 400 Initiativen eingegangen.

Michael Stegmüller, technischer Leiter und Gründungsmitglied der kreativen und bunten Stammheimer, war beeindruckt von der Vielfalt der Ideen, die auch die anderen Preisträger für Demokratie und Toleranz entwickelten. In Videobeiträgen, in Kurzinterviews oder in Eigenvorstellung präsentierten sich die Preisträger in Berlin.

Die „Flüchtlingshilfe“ war die größte unter den Kategorien. Die Stammheimer wurden in der Kategorie der Aktionen gegen „Antisemitismus und Rechtsextremismus“ ausgezeichnet. Sinn der Veranstaltung in Berlin war es auch, dass sich die Aktiven der verschiedenen Initiativen untereinander kennenlernen und womöglich vernetzen. Dazu präsentierte sich jeder Preisträger an einem kleinen Stand.

Was die Stammheimer mit ihrem Preisgeld machen, ist noch nicht entschieden.

Jahrestag des Grundgesetzes

Die Veranstaltung fiel sinnigerweise auf den 66. Jahrestag der Verabschiedung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Gleichzeitig riefen vor 16 Jahren die Bundesministerien des Innern und der Justiz das „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ ins Leben, um zivilgesellschaftliches Engagement für die Demokratie zu stärken.

Eingeladen waren am Montag neben den Preisträgern zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Sport und Zivilgesellschaft sowie die 410 jugendlichen Teilnehmer des Jugendkongresses „Demokratie mit Wirkung“.

San Glaser und ihre Band begeisterten die über 700 Gäste mit den von Jazz- und Soulklängen geprägten Liedern ihres Albums „Beautiful Stranger“. Gemeinsam mit der Moderation von Özlem Sarikaya, Journalistin des Bayerischen Rundfunks, bildeten sie den Rahmen des Festakts.

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, dankte in seinem Grußwort den Teilnehmenden und den Gästen für ihr Engagement.

 

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