"Full house" bei der Bürgerversammlung in Gernach

28.01.2020

Mainpost 28.01.2020

Gernach
"Full house" bei der Bürgerversammlung in Gernach

Bis zum letzten Platz besetzt war das TSV-Sportheim bei der Bürgerversammlung in Gernach – der letzten Bürgerversammlung vor der Neuwahl von Gemeinderat und Bürgermeister im März.
Mehr als 70 Bürger waren gekommen. Bürgermeister Horst Herbert zeigte sich erfreut über das Interesse an der Kommunalpolitik. Sein Dank galt allen, die sich im Dorfleben einbrächten, vor allem den örtlichen Gemeinderäten Dieter Dietz und Reinhard Heck, die schon seit zwölf  Jahren im Gemeinderat aktiv seien.
Er gab einen Rückblick über die wichtigsten Ereignisse der vergangenen sechs Jahre. Speziell zu Gernach informierte das Gemeindeoberhaupt, dass die Gemeinde zum Jahresende 2019 521 Einwohner hatte, zwölf mehr als 2014.

Für das neue Baugebiet sei die Planung in Auftrag gegeben, die Gemeinde habe die ersten Grundstücke erworben.

Überraschend für die Kirchenstiftung St. Aegidius, aber auch für die Gemeinde sei der zusätzliche Renovierungsbedarf von Schieferturm und Kirchendach gekommen. Die Gemeinde beteiligt sich an den  Kosten für die Außenrenovierung von Langhaus und Kirchturm, die mit etwa 350 000 Euro zu Buche schlagen, sowie an den neu entstandenen Kosten für die überraschend notwendige Dachrenovierung von 200 000 Euro jeweils zu einem Drittel. Ob und in welcher Höhe sich das Bischöfliche Ordinariat an den Kosten beteiligt, sei aufgrund des geltenden Baustopps noch offen.

Ein "Jahrhundertereignis", wie es Pfarrer Amrehn bezeichnet habe, sei die Glockenweihe gewesen. Anerkennung sprach der Bürgermeister der im vergangenen Jahr gegründeten Nachbarschaftshilfe in Gernach aus, die in gemeinsamer Trägerschaft von Johannisverein und Kirchenstiftung St. Aegidius gegründet wurde. Er wünschte sich, dass in anderen Gemeinden ähnliche Initiativen entstehen würden.

Rückblickend erinnerte er auch an Altbürgermeister Lothar Weilhöfer, der im vergangenen Jahr gestorben ist.  Er war Bürgermeister in Gernach, als der Ort noch selbständige Gemeinde war. Nach den Ausführungen von Horst Herbert brachten die Bürger viele Fragen, Anregungen und Anliegen in die Diskussion ein.

Peter Claassen machte sich Sorgen um die Zukunft der Wasserversorgung: überall in der Umgebung entstünden Gewächshäuser. "Warum genehmigt man deren Bau, obwohl wir Probleme mit dem Grundwasser haben?" - so seine Frage. Die Antwort des Bürgermeisters: Jeder Bauer kann grundsätzlich anbauen, was er wolle, aber für die Entnahme von Grundwasser brauche er eine Erlaubnis, die vom Wasserwirtschaftsamt  erteilt wird.

Diese Genehmigungen würden in letzter Zeit zurückhaltender erteilt, aber es sei festzustellen, dass  bedingt durch die zunehmende Zahl von Sonderkulturen, mehr bewässert werde. Die Bewässerung geschehe aber häufiger als früher mit punktgenauer Tröpfchenbewässerung. Zweifel blieben in der Versammlung, ob die Entnahmemengen wirkungsvoll kontrolliert würden. Der Bürgermeister regte an, an der enstsprechenden Stelle im Landratsamt nachzufragen.

Der Annahme von Edwin Pohli, dass Flurbereinigung ohne Rücksicht auf das Anliegen von Naturschutz durchgeführt würden, widersprach der Bürgermeister: Umweltschutzmaßnahmen seien – neben der Verbesserung der Bewirtschaftungsmöglichkeiten – zum Beispiel auch durch Wegebau – ausdrücklich ein Ziel der Flurbereinigungsmaßnahmen.

"Warum genehmigt man den Bau von Gewächshäusern, obwohl wir Probleme mit dem Grundwasser haben?"

Peter Claassen, Gernacher Bürger

Dass die Busse sich manchmal nicht an die vorgegebene Route halten, kritisierten mehrere Bürger. Man werde auf die beiden Unternehmen, die dies betreffe zugehen, versprach der Bürgermeister.

Schulhaus-und Kindergartenneubau, Baugebietserschließungen, Neubau der Feuerwehrhäuser hätten aktuell höhere Priorität als der weitere Ausbau der Fahrradwege, war die Antwort von Bertram Schüll, wie es mit dem weiteren Ausbau der Radwege stehe.

Schwer vorherzusagen sei es, bis wann das neue Baugebiet in Gernach realisiert werden könne, antwortete Horst Herbert auf die Frage von Edwin Pohli zur zeitlichen Planungsperspektive.  Zur Zeit werde der Grundwasserspiegel begutachtet, um entscheiden zu können, ob die gewünschte Entwässerung im Trennwassersystem möglich wäre. Darüber müssen bei der Planung eines Baugebiets eine ganze Reihe von Behörden einbezogen werden. Es sei auch nicht vorab abzusehen, ob und in welchem Umfang Einwendungen gegen den Bebauungsplan vorgebracht werden, die die Planungen weiter verzögern können.

Zur Anfrage, was es mit dem Antrag zu einem "Mammut-Solarpark" in der Gemeinde Kolitzheim auf sich habe informierte Horst Herbert, dass Graf Paul Schönborn die Gemeinde informiert habe, dass er am Herleshof Flächen von 130 Hektar verpachten wolle. Ein Planer erstellt ein Konzept für den Solarpark und suche Investoren, die das Vorhaben finanzieren. Da für diese Fläche wohl ein erhöhter Pachtzins zu erzielen sei, befürchten die Landwirte, dass auch für die von ihnen landwirtschaftlich genutzten Flächen die Pachtzinsen steigen.

Zur Zeit gebe es ein ausgewiesenes Gewerbegebiet hinter der Firma Gleitsmann, so die Information auf die Nachfrage nach Gewerbegebieten. Der Verkehr dorthin müsse durch die Ortschaft geführt werden, die weitere Erschließung sei teuer und da es weitab von der Straße liege, sei dieses Gewerbegebiet, in Unterspiesheim gelegen, nicht attraktiv.

Andrea Heck wollte wissen, ob die Gemeinde daran denke, für Mietwohnungen gerade für junge Familien zu sorgen, die sich ein eigenes Haus nicht leisten könnten. Man habe in Unterspiesheim im Baugebiet Oberer Ried kleinere Bauplätze zu größeren zusammengelegt und die Bebauung dieser Bauplätze mit Mehrfamilienhäusern verpflichtend gemacht, ebenfalls sei im gleichen Ort  ein Wohnbauprojekt mit 30 Wohneinheiten geplant, antwortete der Bürgermeister.

Das Thema "Betreuungsangebote für ältere Menschen" habe man im Blick, so seine Antwort auf eine weitere Frage von Andrea Heck. Es gab schon Gespräche mit der Caritas, die jedoch noch keinen Bedarf gesehen habe. Erhard Scholl, Ansprechpartner der Nachbarschaftshilfe Gernach, informierte über diese neue Initiative: 21 Helfer stünden bereit, 13 Personen hätten sich Unterstützung gewünscht, Fahrdienste im Umfang von etwa 1000 Kilometern  seien bis zum Ende 2019 erbracht worden. 

Der Zustand der älteren Bäume im Ort macht den Gernachern Sorge: teils mussten sie gefällt werden, weil deren Standfestigkeit nicht mehr gesichert war, teils werden sie so sehr von Ungeziefer befallen, dass sie stark geschädigt sind. Man habe vor der Fällung jeden Baumes Fachleute zur Begutachtung herangezogen, so der Bürgermeister, und man behandle die Bäume entsprechend dem fachlichen Rat. Im übrigen seien in der Gemeinde im vergangenen Jahr 500 neue Bäume gepflanzt worden.

Eine Werbung für die stärkere Beteiligung am Seniorennachmittag startete Bruno Back: "Im Schnitt sind dreißig Rentner zu Gast beim Seniorennachmittag, dabei gibt es in Gernach 100 bis 120. Warum gehen die nicht raus ?" so seine Frage, an die sich die Bitte anschloss: "Kommt zu dieser Veranstaltung, die Leute, die für die Verpflegung sorgen und den Seniorentreff organisieren, freuen sich!"

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