Geschafft: Mike ist Hubschrauber-Berufspilot

06.06.2021

Mainpost 06.06.2021

Lindach

Geschafft: Mike ist Hubschrauber-Berufspilot
Mike Endres ist am Ziel seiner Träume angelangt. Nach acht Jahren Ausbildung hat er die Prüfung zum Berufspiloten für Hubschrauber bestanden.
Der 29-jährige gelernte Werkzeugmechaniker Mike Endres aus Lindach hat eine große Leidenschaft: das Fliegen. Nun will er sein Hobby zum Beruf machen und hat dafür einen sechsstelligen Betrag aus Eigenmitteln in die Ausbildung zum Berufspiloten für Hubschrauber investiert. Nach acht Jahren Ausbildung hat er die Prüfung jetzt bestanden.

Das teuerste an der Ausbildung waren die Flugstunden. Fast 13 000 Minuten war er zusammen mit seinem Fluglehrer Kay Stabenow im Helikopter unterwegs, um die praktischen Voraussetzungen für die Berufspilotenlizenz zu erfüllen.

Ausbildung im Siegerland

Um während der Ausbildung zum Flugplatz zu gelangen, musste Mike Endres jedes Mal 260 Kilometer einfache Strecke zurücklegen. Vom Siegerland-Flughafen im Städtedreieck zwischen Koblenz, Siegen und Gießen aus startete er seine Ausbildungsflüge. Der Siegerland-Airport war der Heimatflughafen, "die sogenannte Base". Ganze Wochenenden war er unterwegs, um sein großes Ziel zu erreichen. Wenn es keine Übernachtungsmöglichkeiten in einem Hotel oder Gasthaus gab, "dann bin ich eben noch am gleichen Tag nach Hause gefahren", blickt der junge Mann zurück.
Mit einem kurzen Lächeln erinnert er sich an seine erste Flugstunde am 4. September 2013. "Ich konnte die Bell 206 keine zehn Sekunden stabil halten", erinnert er sich. Gut also, wenn ein erfahrener Fluglehrer mit an Bord sitzt und für spontane Stabilität der Maschine in der Luft sorgt. "Auf der Stelle zu schweben", sieht er als eine der schwierigsten Übungen mit dem Helikopter an. "Alle Steuerorgane müssen da zusammenspielen und man muss noch dagegen steuern und nachjustieren.
 Lernen neben dem Hauptberuf

Natürlich könne man eine Ausbildung zum Piloten schneller durchziehen, sagt er mit Blick auf acht lange Jahre. Weil er aber natürlich auch arbeiten und sein Geld als Sachbearbeiter bei einem Schweinfurter Automobilzulieferer verdienen musste, "ging die Hubschrauberausbildung nur so nebenbei". So benötigte er drei Jahre, um den Privatpilotenschein zu absolvieren. Freunde und Bekannte durfte er danach beim Fliegen mitnehmen, beruflich war es ihm aber bislang untersagt. Erfahrung sammeln war angesagt. In den Folgejahren beflog Mike ganz Deutschland. So erreichte er die praktische Stundenanzahl, die er zur Zulassung für die Berufspilotenprüfung benötigte.

"Wenn man fliegt, fühlt man sich wie ein Vogel", schwärmt Mike von der Leichtigkeit in der Luft. Die Erde von oben zu betrachten, sei schon einmalig und ein tolles Gefühl. Im Hubschrauber unterwegs zu sein, sei schon etwas "ganz Besonderes" und anders als in einem Flugzeug. Der Rundum-Blick sei durch die großen Scheiben im Helikopter wesentlich besser. "Der Hubschrauber hat viele Fenster und ist sehr offen gestaltet."

Es gibt keinen Autopiloten
Mike begeistert auch die Technik und die Flugkunst an sich. "Das manuelle Steuern eines Hubschraubers fordert dich zu jeder Sekunde. Da gibt es keinen Autopiloten", schildert er. Sein Eltern waren anfangs sehr skeptisch. Das habe sich geändert, als beide einmal mit ihm geflogen sind. "Da ist das Eis förmlich geschmolzen." Von da an hatte er die volle Unterstützung der Eltern. Auch seine Brüder und seine Freundin Vanessa Dereser  ("Die findet das Fliegen auch faszinierend") standen während der Ausbildung immer hinter ihm. "Mit dieser Rückendeckung konnte ich mich super auf die Lernphasen konzentrieren."

Weil in seiner Lizenz die Bell 206 eingetragen ist, wird Mike künftig als Berufspilot ausschließlich mit diesem Hubschrauber unterwegs sein. Wegen der Corona-Pandemie werden aktuell nicht sehr viele Aufträge bei ihm eingehen, da ist er sich sicher. Aber danach rechnet er mit einem vollen Terminkalender, sei es bei Veranstaltungen oder Personentransporten. Die Kontakte zu seiner Flugschule Kayfly am Siegerland-Airport sind sehr eng. Als Pilot auf Abruf (Freelancer) wird er dort eine Anstellung erhalten. "Da habe ich schon großes Glück", erzählt Mike. Mit dem Inhaber habe sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.

Später mal im Rettungshubschrauber?

Wegen seines aktuellen Berufs wird sich die gewerbliche Fliegerei wohl erst einmal auf das Wochenende beschränken. Ob es ihn einmal zur Luft- oder Bergrettung ziehen wird, lässt Mike offen. "Es ist ein langer Weg dahin, aber es ist ein Ziel von mir", blickt der erfahrene Feuerwehrmann nach vorne. "Fliegen und gleichzeitig Leben retten, was will man eigentlich mehr."

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