Katrin Baul ist wieder daheim

08.10.2018

Mainpost 08.10.2018

ZEILITZHEIM

Katrin Baul ist wieder daheim

Vier Jahre, einen Monat, eine Woche und einen Tag war Bäckergesellin Katrin Baul aus Zeilitzheim auf der Walz und durfte ihrem Heimatdorf nicht näher als 50 Kilometern kommen. Nach alter Tradition brachten sie nun am vergangenen Samstag zwei Wandergesellinnen (Schneiderin, Schreinerin) sowie vier Wandergesellen (Holzwerker, Schmied, Steinmetz) im „Spinnermarsch“ (Gänsemarsch) nach Hause zurück.

Dabei zeigten sie überhaupt keine Eile. Etwa eine Stunde ließen sie die zahlreichen, zur Begrüßung bereitstehenden Verwandten, Dorfbewohner und Freunde, warten. Nach dem traditionellen Abschied von ihren Begleitern und der Durchtrennung eines rot-weißen Bandes betrat Katrin Baul dann endlich wieder den Ortsbereich ihres Heimatdorfes.

Nun konnten sich dann auch die Rückkehrerin und die sehnsüchtig auf sie Wartenden endlich begrüßen, wobei so manche Träne floss. Auch musikalisch wurde die rückkehrende Wandergesellin willkommen geheißen. Hierzu hatten sich Musiker der Zeilitzheimer Heiligenbergmusikanten, der Spiesheimer Musikanten sowie der Feuerwehrkapelle des Altlandkreises Gerolzhofen zusammen getan.

Bei allen hatte Katrin Baul vor ihrer großen Reise aktiv mit musiziert. Damit war dann allerdings das Begrüßungsritual noch nicht beendet. Nun musste die Rückkehrerin noch Schwerarbeit leisten. Sie sollte eine Schnapsflasche, die bei ihrer Verabschiedung vor vier Jahren hinter dem Ortsschild vergraben wurde, wiederfinden und ausgraben. Ein ehemaliger Wandergeselle erleichterte ihr dabei die Arbeit, indem er sie mit einem Minibagger unterstützte.

Nachdem festgestellt war, dass das Getränk noch genießbar ist, konnte schließlich rund um die Tribüne am Sportplatz die Rückkehr gefeiert werden. Wer danach nicht oder nicht mehr nach Hause konnte, dem bot sich unter Anderem die Möglichkeit auf einer Strohunterlage in einem Zelt zu übernachten.

In den Jahren ihrer Wanderschaft hat die Zeilitzheimerin sehr viel gesehen und erlebt (ein ausführlicher Bericht folgt). Unterwegs war sie in ganz Deutschland und in europäischen Ländern wie Österreich, Italien, Griechenland, Rumänien, Ungarn und Norwegen. Den Höhepunkt und Abschluss der langen Walz bildeten die letzten drei Monate. Zusammen mit einem befreundeten Zimmerergesellen lebte und arbeitete sie in Kanada.

Am Sonntag vor ihrem Ankunftstag im Heimatort sammelten sich die, sie nach Hause begleitenden Wandergesellinnen und -gesellen in Bamberg. Entlang des Mains und über Königsberg ging es nach Schweinfurt und letztendlich nach Unterspiesheim. Hier, bereits in der Heimatgemeinde, sorgte Pfarrer Thomas Amrehn für die letzte Übernachtungsmöglichkeit, ehe es dann endgültig in Katrins heimatliches Zeilitzheim zurück ging.

 

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