Kirchweihprediger hatten auf dem Kreuzpfadhügel das Sagen

12.11.2019

Mainpost 12.11.2019

Lindach

Kirchweihprediger hatten auf dem Kreuzpfadhügel das Sagen

Nun weiß man im ganzen Kreuzpfadort, was so mancher Lindacher und so manche Lindacherin im Jahr über alles angestellt haben. Felix Dittmann und Jonas Wirsching traten als Verkünder solcher unangenehmen Botschaften auf. Sie fungierten in bewährter Weise wiederum als Prediger der Lindacher Martinikirchweih auf dem Dorfangerplatz. Unterstützt wurden sie beim Verfassen des literarischen Werkes von der gesamten Dorfjugend, die sich sehr zahlreich und engagiert am diesjährigen Kirchweihgeschehen beteiligte. Musikalisch begleitete die örtliche Blaskapelle „Die Lindacher Böhmer“ unter der Leitung von Walter Strauß mit schmissigen Weisen die Predigt. Recht zahlreich erschien das Publikum bei kühlem, aber insgesamt freund-lichen Wetter, um den gereimten Glossen der Prediger  zu lauschen. Manche Dorfereignisse, die gekonnt vorgetragen, mit viel Hintersinn verpackt und lockerem Wortwitz garniert wurden, quittierten die Zuhörer mit Lachsalven und reichlich Beifall.

Ins Visier nahmen die Prediger das Lindacher Straßenweinfest, das im vergangenen August stattfand. Angeblich wird von den Weinfestbetreibern der umliegenden Weinorte mit großem Neid auf das hiesige Weinfest geblickt, so die Prediger, weil es stets enorm viele Besucher anzieht, im Gegensatz zu den anderen. Deshalb würde man nicht einmal vor Sabotageaktionen zurückschrecken. So soll ein Besucher aus einem konkurrierenden Dorf beim letzten Fest brennende Kerzen auf die Musikerbühne geworfen haben. Die Band sei panikartig vor dem drohenden Flammeninferno geflohen. Doch ein heldenhafter Lindacher Feuerwehrmann löschte ganz cool die Flammen kurzerhand mit Silvaner, weil ihm in der Not nichts anderes zur Verfügung stand.

Etwas Besonderes bot man beim letzten Jubiläumsweinfest den Besuchern. Als Höhepunkt fanden Hubschrauberrundflüge statt, die ein einheimischer Pilot organisierte. Angeblich sei da ein Lindacher den Rotorblättern des Fluggeräts etwas zu nahe gekommen, wodurch seine Frisur erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde und seine blutenden Wunden notfallversorgt werden mussten. Ein besonderes Pech ereilte eine Lindacherin beim Entsorgen von Altglas. Sie hatte alle Händevollzutun und warf statt des Altglases ihren Autoschlüssel in den Container. Jetzt war guter Rat teuer, denn wie sollte sie wieder das unentbehrliche Utensil ob der engen, runden Einwurföffnungen erhaschen? Nach langem Hin und Her gelang die Befreiung mittels Magnetismus. Die Prediger moralisierten: „Autoschlüssel sind aus Metall, die taugen nicht für Flaschenmüll!“ Großes Pech hatte eine Autofahrerin beim Abholen ihrer Tochter von der Schule. Ihr geparktes Auto wurde gleich zweimal am selben Tag, von vorne und von hinten, gerammt. Nun war es fahruntüchtig. Mutter und Kind mussten mit dem Schulbus nach Hause fahren, während das Auto den Weg in die Werkstatt antrat. Aufs Korn genommen wurde auch ein junger Gartenbesitzer, der sich erstmals beim Kartoffelanbau versuchte. Er dachte, viel Wasser hilft viel! Welch ein Irrtum! Die Kartoffeln wuchsen mehr rückwärts als vorwärts. Die Prediger resümierten: „Nur die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln. Die zu gescheiten erleben meistens nur die Pleiten!“

Aufgelockert wurde die Predigt von originellen Sinn- und coolen Trinksprüchen wie: „Jeder Mensch hat seinen Glauben! Doch ich glaub ich trink noch Einen!“ Oder: „Wollen die Kinder nicht recht gehorchen, lassen die Mütter sie in der Lindacher KiTa versorgen!“ Oder. „Bei kaltem Wetter läuft die Nase, bei kaltem Bier auch die Blase!“

 

 

Eingeleitet wurde das Kirchweihgeschehen auf dem Dorfangerplatz mit dem Einholen der Kirchweihfichten. Mit Traktorgespannen, Bäume und Dorfjugend im Gepäck, fuhr man mit viel Hallo und Gaudium über den Kreuzpfadhügel. Das war das Signal für die Lindacher aus ihren Häusern zu kommen, um der Kirchweihpredigt zu lauschen. Kirche, Gasthäuser und die Anwesen der beiden örtlichen Gemeindräte schmückte man mit prächtig aufgeputzten Fichten; dabei zeigten sich die Volksvertreter  als sehr spendable Gastgeber. Über großen Besuch konnten sich am Abend das FC-Sportheim erfreuen, wo der traditionelle Kirchweihtanz über die Bühne ging, sowie an allen Kirchweihtagen die beiden Gasthäuser, die ebenfalls reichlich Gäste begrüßen durften. Weniger erfreulich war dagegen der Besuch des Kirchweihgottesdienstes am Sonntag; wiesen doch die Bänke recht große Lücken auf. Kein Wunder! Die Tanzbodenbesucher hatten da wohl noch nicht ausgeschlafen.

Einen frommen Wunsch hatten die Kirchweihprediger am Schluss ihrer Ausführungen noch an ihr Publikum: „Hoffentlich stellt ihr im Laufe des Jahres wieder was an, damit wir im nächsten Jahr wieder was zu berichten hamm!

 

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