Kolitzheimer Gemeinderat traf sich zur Marathonsitzung

10.10.2020

Mainpost 10.10.2020

Kolitzheim

Kolitzheimer Gemeinderat traf sich zur Marathonsitzung

Die zweite Bürgermeisterin Katharina Graf gratulierte Bürgermeister Horst Herbert im Namen des Gemeinderats am Beginn der Sitzung zu seiner Auszeichnung mit der Kommunalen Verdienstmedaille in Silber (wir berichteten). Sie hob hervor, dass Herbert schon seit 1996 das Amt des Bürgermeisters innehabe, und dass er auch im Kreistag und im Bezirkstag Mitglied war. Ihr Dank galt auch seiner Ehefrau, die seinen Einsatz für die Gemeinde und darüber hinaus stets mitgetragen habe.

Dass die Sitzung des Gemeinderats sich dann zu einer Marathonsitzung entwickeln würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Der öffentliche Teil endete etwa um Mitternacht. Geschuldet war diese Rekordlänge der Diskussion über die Geschäftsordnung, und der Tatsache, dass auch die vorausgehenden Tagesordnungspunkte mehr Zeit in Anspruch nahmen, als gedacht.

Zu Beginn standen Bauanträge auf der Tagesordnung. Der Antrag zur Errichtung einer Einfriedung in Unterspiesheim, für die eine Höhe von 1,80 Meter gewünscht wurde, sorgte für Diskussionen, denn der Bebauungsplan sieht eine maximale Höhe von 1,20 Meter vor. Bürgermeister Horst Herbert informierte, dass 1,80 Meter erstmalig in diesem Baugebiet beantragt worden seien. Ralf Schmitt plädierte mit dem Argument, dass der Bebauungsplan ja schon 20 Jahre alt sei, und sich seit dieser Zeit "viel getan" habe, für ein entgegenkommendes Votum des Gremiums.

Angst vor Präzedenzfall

Ulrike Bach hielt dagegen mit der Überlegung, dass man mit der Zustimmung einen Präzedenzfall schaffe, und man befürchten müsse, dass man in Unterspiesheim dann Grundstücke habe, die "wie Festungen" aussehen. Auch die von Bürgermeister Horst Herbert auf Nachfrage vorgetragene Begründung des Bauherrn für seinen Antrag, dass die Erhöhung zum Stil seines Hauses passe, überzeugte das Gremium nicht, sodass das gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt wurde.

Die Voranfrage zur Erneuerung eines Dachstuhls in Oberspiesheim beinhaltet den Wunsch, die Dachneigung zu erhöhen, was der Bebauungsplan hergibt. Der Kniestock soll um 50 Zentimeter höher werden, als im Bebauungsplan vorgesehen. Die Gesamthöhe des Hauses verändert sich nur unwesentlich. Das Gremium stellte in Aussicht, diesen Planungen das Einvernehmen zu erteilen, wenn der Plan eingereicht wird.

Die Erschließungsplanung für die geplante Baugebietserweiterung des Baugebietes "Am Auweg" stellten Markus Schraub und Manfred Richler vom Ingenieurbüro FMP-design vor. Da der Untergrund aus Lößboden besteht, wie das Bodengutachten ergab, muss die Stabilisierungsschicht für den Straßenuntergrund 80 Zentimeter stark sein. Für die Straßen ist Asphalt vorgesehen, die Parkstreifen und der Gehweg sollen mit Betonpflaster ausgeführt werden. Die farbliche Gestaltung des Pflasters – die Mehrkosten dafür belaufen sich auf etwa 2 bis 2,50 Euro, wie die Nachfrage von Ilona Dusel ergab.

 

Pflaster im verkehrsberuhigten Bereich

Der verkehrsberuhigte Bereich soll komplett gepflastert werden. Das Argument, das den Befürwortern einer Teeroberfläche entgegengehalten wurde: Pflaster trägt dazu bei, dass Autofahrer beim Wechsel von Teer auf Pflaster ihre Fahrt automatisch verlangsamen. Außerdem seien Pflastersteine, in Fischgrätverbund verlegt, widerstandsfähiger gegen horizontale Kräfte, wie sie etwa bei Kurvenfahrten von Lkw entstehen, so Berthold Pfaff.

Die Bordsteine sollen mit fünf Zentimeter Höhe relativ niedrig sein, aber doch eine deutliche Grenze zur Fahrbahn bilden. Die Betonpflastersteine seien zwar lauter als die Teerstraße, aber viel weniger lärmerzeugend als die Granitpflastersteine auf dem Marktplatz in Zeilitzheim. Die Preisunterschiede zwischen Teerbelag und Pflasterung seien nicht erheblich – etwa fünf Euro pro Quadratmeter sei das Pflaster teurer, so die Auskunft der Gäste vom Ingenieurbüro.

Ein weiteres Thema: Es ist ein gleichmäßiger Straßenverlauf zu gewährleisten. Die Vermessung hat Höhendifferenzen von 60 Zentimeter ergeben, diese müssen ausgeglichen werden, damit das Wasser abfließen kann; geschähe dies nicht, könnten bei starken Regenfällen Rückstaus in die Keller der anliegenden Bauplätze entstehen. Von der Bewässerung her, so informierte der Bürgermeister, sei man aufgrund der gegebenen Höhenverhältnisse und der schon vorhandenen Kanalisation dazu gezwungen, eine erweiterte Mischwasserbehandlung vorzusehen – obwohl das Trennwassersystem die sinnvollere Lösung wäre.

33 Bauplätze "Am Auweg"

Der Vorschlag von Norbert Weissenseel, dass man die Bauherren im neuen Baugebiet – auch durch eine Bezuschussung durch die Gemeinde – dazu ermutigen könne, eine Zisterne in ihrem Grundstück anzulegen und so mit dafür zu sorgen, dass der Wasseranfall auch bei Starkregen geringer würde, führte zu einer engagierten Diskussion. Die Vertreter des Ingenieurbüros informierten, dass die Berechnungen für die Auslegung des Kanals unabhängig davon erfolgen müssten, ob es Zisternen gibt oder nicht.

Natürlich sei es zu begrüßen, wenn das Regenwasser für die Bewässerung von Gärten und Rasen benutzt wird, anstelle des Leitungswassers. Bürgermeister Horst Herbert führte an, dass es seitens des Wasserwirtschaftsamtes angesichts des längerfristig zu erwartenden Wassermangels und des sinkenden Grundwasserspiegels andere Überlegungen gäbe, die man auch mit in die Planungen einbeziehen müsse. Der Vorschlag des Bürgermeisters, die Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes einzuladen, um deren Sichtweisen mit einzubeziehen, fand allgemeine Zustimmung. Der Beschluss, die Ausschreibung vorzunehmen, damit man im Frühjahr mit den Baumaßnahmen beginnen kann, erfolgte einstimmig.

Die Erschließungskosten für das gesamte Baugebiet "Am Auweg" belaufen sich auf etwa 1,76 Millionen Euro. Insgesamt sollen 33 Bauplätze für das Baugebiet ausgewiesen werden, für den ersten Bauabschnitt mit 18 Bauplätzen sind die Kosten auf etwa 880 000 Euro geschätzt. Die Entsorgungsgebühren für das abgefahrene Material fallen dabei erheblich ins Gewicht. 

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