"Lehrpfad für Rechte" eröffnet

26.05.2015

Mainpost, 26.05.2015

 

STAMMHEIM
"Lehrpfad für Rechte" eröffnet

Kreative Idee und Gottesdienst im Stammheim

Überwiegend ruhig verlief bis zum Spätnachmittag des Pfingstsonntags der Tag in Stammheim. In jeweiliger Sichtweite begannen um 16 Uhr sowohl der Gründungsparteitag der Splitterpartei „Die Rechte“ auf der Freifläche eines angemieteten Haus in der Ortsmitte und eine ökumenische Andacht, zu der die beiden Kirchen eingeladen hatten.

Der Tag begann aber zunächst mit einer neuen kreativen Aktion von „Stammheim ist bunt“. Die Stammheimer wiesen den für den Abend geplanten Marschweg der Rechten zu einem „Lehrpfad für Rechte“ aus. Entlang der Demonstrationsstrecke hat das Stammheimer Bündnis anlässlich des 66. Geburtstages des Grundgesetzes (23. Mai 1949), die ersten 19 Artikel des Grundgesetzes an Straßenlaternen und Bäumen plakatiert. Die Infopunkte sind mit bunten Kreisekreisen auf der Straße markiert. Zusätzlich angebrachte Papiergirlanden an den Gartenzäunen erläutern den Inhalt der Grundrechte. Genau zur Mittagsstunde wurde der „Lehrpfad für Rechte“ eröffnet.

Der Gottesdienst vier Stunden später hatte enormen Zulauf von sehr vielen jungen, aber auch älteren Bürgern, praktisch allen demokratischen Parteien, Gewerkschaften und Verbänden. Die Polizei spricht von 1000 Teilnehmern. Da aber die Veranstalter alleine 1000 Sitzplätze bereitgestellt hatten und viele Besucher mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten, kann die zahl auf einige hundert höher angesetzt werden.

Dabei waren auch viele, die sonst mit Kirche nicht viel am Hut haben, die Aktion aber lobten. Die etwa 100-minütige Andacht verlief überwiegend friedlich. Lediglich über einen Zeitraum von etwa 20 Minuten kam es zu Störungen, weil aus dem Haus der Rechten durch Lautsprecher verstärktes Brüllen drang. Das waren wohl Reden zum Parteitag, die etwa 25 Linke mit Sprechchören beantworteten. Die mit massivem Aufgebot angerückte Polizei forderte beide Seite zu mehr Ruhe auf und kesselte den kleinen Pulk der Linken ein, so dass die Andacht nahezu ungestört zu Ende ging.

Durch die Ansprachen der Kirchenvertreter zog sich wie ein roter Faden, dass Ausgrenzung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nirgendwo Platz haben dürften. Dagegen stellten sie Gastfreundschaft und menschliche Begegnung. Die Sprecher freuten sich, dass so viele Menschen den Nachmittag des Pfingstsonntags geopfert hatten, um diese große Demonstration der Buntheit zu besuchen. Gekommen waren unter anderem Günther Klöss-Schuster, Dekan des evangelischen Dekanats Castell, Werner Kirchner, Dekan des katholischen Dekant Schweinfurt-Süd, Pater Pascal Herold, Prior der Abtei Münsterschwarzach sowie die Ortsgeistlichen Andreas Engert auf katholischer und Georg Salzbrenner auf evangelischer Seite,

Einige der Rechten verfolgten den Gottesdienst provozierend lässig in den Fenstern des Obergeschosses sitzend.

Am Ende forderte Heinrich Krapf, der den kirchlichen Teil des Tages organisiert hatte, die Besucher auf, nach Hause oder zum Stammheimer Musikfest zu gehen. Der größte Teil kam dem auch nach. Was am Abend passieren wird, das konnten weder Veranstalter noch Polizei nach dem Ende der Andacht sagen.

Norbert Finster

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