Lindach hat jetzt einen kupfernen Weg

14.11.2018

Mainpost, 14.11.2018

LINDACH

Lindach hat jetzt einen kupfernen Weg

„Es ist gut, dass sich in Lindach im Jahr über was front, worüber es sich zu berichten lohnt!“ Mit diesem Satz drückten die beiden Kerwa-Prediger, Florian und Felix Dittmann, ihre Freude aus, denn, dass das eine oder andere geschieht, ist letztlich die Grundlage für eine Kirchweihpredigt.

Den Schlusssatz der vorjährigen Kirchweihpredigt „Wir hoffen, liebe Lindier, ihr stellt im Laufe des Jahres was an, damit wir an der nächsten Kerm wieder was zu berichten ham!“, nahmen die Dorfbewohner wörtlich - und so war die Grundlage für die diesjährige Predigt gegeben. Aufgelockert wurde sie mit lustigen Werbe- und Trinksprüchen.

Mit schmissigen Musikstücken unterstützte die örtliche Blaskapelle die Prediger, um das zahlreich erschienene Publikum in Kirchweihlaune zu versetzen. Im Vorfeld hatte sich die Dorfjugend in vielen Sitzungen getroffen, um den gesammelten Stoff mit peinlicher Note in wohlgesetzten Reimen, gewürzt mit hintergründigem Humor, zu glossieren. Da wurde so mancher Dorfbewohner schonungslos auf die Schippe genommen. Den Stoff dazu hatte er zwar nicht ganz freiwillig geliefert, das tat der Sache keinen Abbruch. Jedoch nahm der Betroffene die Botschaft stets mit Gleichmut und Selbstironie auf, was von Größe zeugt.

Dabei verpackten die „Staren“, wie die Kirchweihjugend genannt wird, die mehr oder weniger peinlichen Begebenheiten in anschaulich vorgetragene Geschichten, die in meist gelungene Pointen mündeten. Bei passender Witterung versammelte sich viel Volk auf dem Dorfangerplatz, um dem Vortrag der Prediger zu lauschen. Unüberhörbare Lachsalven löste beim Publikum so manche Vortragspassage aus, denn da hatte man mit den Inhalten den Nagel auf den Kopf getroffen.

Unter anderem kam die Geschichte vom kupfernen Weg gut an, die einem Anwohner in der Blütenstraße passierte. Über Nacht verpasste er dem Gehsteig vor seinem Anwesen einen kupferfarbenen "Anstrich". So hat Lindach seit dem letzten Winter eben einen Kupferweg. Der Bürger hatte den Streusalzsack mit dem Sack Kunstdünger verwechselt. Ganz offensichtlich gingen die Chemikalien mit der Bitumenschicht eine ungünstige Verbindung ein. Das Ergebnis war die Kupferfarbe, die auf dem Teerbelag immer noch zu sehen ist.

Die Predigt war aber nicht das alleinige Kirchweihgeschehen. Wie es zur Kirchweihtradition gehört holten die Staren aus dem Gemeindewald mit einem Traktorgespann die Kirchweihbäume, die dieses Jahr allerdings etwas von trauriger Gestalt sind. Mit viel Getöse und Hallo fuhr man durch das Dorf. An der Kirche, an den Gasthäusern und an den Anwesen der beiden Gemeinderäte fanden die geschmückten „Krüppel-Kiefern“ ihren Platz.

Selbstverständlich war das Ganze wieder eine mehr oder weniger feucht-fröhliche Angelegenheit, was den Rahmen aber nicht sprengte. Gasthäuser und der Kirchweihtanz wurden gut besucht, der Gottesdienst am Kirchweihsonntag dagegen weniger. Allerdings hörte man hier von der Kirchweihtradition und der Weihehistorie herzlich wenig, was aber eigentlich in einer Kirchenpredigt an Kirchweih dazugehören müsste.

 

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