„Nach Elstar fragen die meisten“

14.09.2007

Mainpost 14.9.2007

 

LINDACH/STAMMHEIM

„Nach Elstar fragen die meisten“

 

Bei den Zwetschgen ist das Obstanbaugebiet Mainschleife, zu dem auch Lindach und Stammheim zählen, eines der bedeutendsten in Deutschland. Anders bei den Äpfeln. Da liegen die Anbau-Schwerpunkte woanders. Doch gibt es auch im Landkreis Betriebe, bei denen der Anbau von Äpfeln eine nicht unbedeutende Rolle spielt.

Zum Beispiel im Früchtehof Bedenk in Lindach oder im Obst- und Weinbaubetrieb Wieland in Stammheim. Reinhold Bedenk hat etwa 900 Apfelbäume auf zwei Äckern in der Lindacher Flur. Er baut die Sorten Jonagold, Elstar, Boskoop, Gala, Rubinette, Idared, Pilot, Golden Delicious, Topaz und Delbarestivale an. Franz und Doris Wieland setzen auf die Frühsorten Colina, Sauza und Alkmene, die bereits geerntet sind, sowie die Sorten Gala, Delbarestivale, Elstar, Pinova, Jonagold, Idared, Braeburn, Pilot, Topaz, Golden und Red Delicious, Boskoop, Gloster, Rubinstar und Pink Crisp. Etwa 3000 Apfelbäume haben sie auf fünf Feldern bei Stammheim.

„Mit vom Feinsten“

Mit der diesjährigen Apfelernte sind sie zufrieden. „Die Äpfel schmecken gut, sind auch schön groß und schön gewachsen. Nur die Menge liegt unter dem Durchschnitt“, sagt Reinhold Bedenk. Und Franz Wieland meint: „Die Qualität ist sehr gut, mit vom Feinsten“. Allerdings könne er die Aussage des Vereins Fränkische Obstbauern von Anfang August, wonach die fränkischen Erwerbsobstbauern eine gute bis sehr gute Ernte einfahren können, was den Ertrag angeht, nicht teilen. Der sei insgesamt nicht so groß wie in den Vorjahren.

Die Frühsorten sind bereits geerntet. Die ersten wurden Anfang August reif. Zur Zeit sind die mittelfrühen wie Gala, Delbarestivale oder Elstar an der Reihe. „Der Elstar ist der Liebling der Kunden“, sagt Doris Wieland. Und auch Reinhold Bedenk bestätigt: „Der Elstar ist mit der gefragteste Apfel“. Der Ertrag bei dieser Sorte sei aber heuer bei seinen Bäumen nur mittelmäßig.

Zwei Wochen früher

Etwa 500 Kilogramm Äpfel, rund ein Zehntel seiner jährlichen Apfelmenge, hat er bereits geerntet. Die Äpfel seien heuer etwa zwei Wochen früher reif. Er rechne damit, dass die Ernte größtenteils schon Ende September abgeschlossen sein werde. Franz Wieland schätzt, dass es Mitte Oktober wird, bis als letzte Sorte der Pink Crisp reif wird, eine sehr späte Sorte, von der er im vergangenen Jahr 500 Bäume pflanzte.

Dass sie relativ viele Sorten im Sortiment haben, das hat für Bedenk und Wieland mehrere Gründe. Zum einen sorgen sie so dafür, dass die Kunden eine größere Auswahl haben. Außerdem gibt es ab August bis spät in den Herbst hinein ständig frische, aromatische Tafeläpfel zu ernten, die entweder sofort gegessen werden können oder erst noch eingelagert werden müssen, bis sie die volle Genussreife haben. Dank ihrer Kühlräume können die beiden Obstbauern fast das ganze Jahr über, bis Mai oder Juni, frische Äpfel anbieten. Auch was die Erntearbeit angeht, ist es ein Vorteil, viele Sorten zu haben, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif werden. Denn die Äpfel spielen in beiden Betrieben nicht die Hauptrolle, sondern werden immer bei Bedarf zwischendurch geerntet.

Gut haltbar bis Mai oder Juni

Mit Hilfe der Kühlräume können die beiden Apfel-Produzenten bis Mai oder Juni Äpfel ihre Ware an die Kunden liefern. Vorher ging bei den Wielands der Obstverkauf meist nur bis Weihnachten. Das Obst, das dann noch da war, wurde zum Destillieren im eigenen Betrieb weiterverarbeitet. Und Reinhold Bedenk versuchte meistens im Januar, sein Obst, das er nicht für Obstler oder Apfelsaft benötigte, auf einen Schlag oder in mehreren Tranchen an den Mann zu bringen.

Verkauf ab Hof

Über 80 Prozent der Äpfel werden als Tafelware an die Kunden verkauft, bei beiden Betrieben ab Hof. Franz Wieland verlangt für seine Äpfel die ganze Saison über durchgehend 90 Cent pro Kilogramm. Abnehmer sind Privatkunden und einige Hofladen-Besitzer. Wie im Vorjahr will er auch wieder beim Herbstfest in Gerolzhofen sein Obst anbieten. Reinhold Bedenks Apfelpreis variiert je nach Sorte zwischen 80 Cent und einem Euro. Die Hälfte seiner Tafel-Äpfel gehen im Privat-Verkauf weg. Die andere Hälfte wird von Kunden geholt, die sie auf den Märkten in Schweinfurt und Würzburg anbieten.

Damit die Äpfel schön groß werden, dünnen die beiden Obstbauern an Bäumen, die zu viele Früchte angesetzt haben, im Juni einen Teil der Äpfel aus. „Das macht zwar Arbeit, zahlt sich aber aus, denn die restlichen Äpfel werden größer“, sagt Reinhold Bedenk. Vier Tage hat er mit seinem Vater Elmar die Fruchtausdünnung erledigt.

Apfel wird Zwetschge überholen

Dem Apfelanbau werde in seinem Betrieb in Zukunft eine größere Rolle zukommen, meint Franz Wieland, denn die Zwetschgenpreise fallen ständig, weil immer größere Mengen aus dem Ausland auf den Markt drängen. Dazu komme, dass in den Ostländern der EU die Arbeitskräfte billiger sind als in Deutschland und sich das bei der Zwetschgenernte, die allein schon wegen der Fruchtgröße arbeitsintensiver ist als die der Äpfel, auswirkt. Außerdem seien Zwetschgen nicht lange lagerfähig. „Auf Dauer wird der Apfel die Zwetschge überholen“, ist sich Wieland sicher.

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