Plätze zuhauf, aber immer weniger Kinder

27.03.2006

Mainpost 27.3.2006

 

Plätze zuhauf, aber immer weniger Kinder

 

Kolitzheim Ein neues Gebäude und doch gibt es bald keine Nutzung mehr dafür? Dies könnte bei dem erst im Jahre 1998 in Betrieb genommenen Kindergarten in Lindach der Fall sein. So jedenfalls stellte sich die Lage während der Bürgerversammlungen zu Beginn des Jahres dar. Trotz der jeweils nur drei Geburten, die im Ort in den vergangenen drei Jahren verzeichnet werden konnten, sieht dies Kindergartenleiterin Barbara Karbacher aber anders.

Die Zahl von 21 Kindern, unter diesen auch vier Zweijährige, bliebe im nächsten Jahr auf alle Fälle konstant. Aufgrund von Nachfragen aus Kolitzheim, dem einzigen Kindergarten der Großgemeinde der die Nachfrage nach freien Plätzen nicht befriedigen kann, könnte die Zahl sogar noch ansteigen, so die Kindergartenleiterin.

Bedenkliche Entwicklung

Aber nicht nur in Lindach, sondern wie in ganz Deutschland, ist die Geburtenrate in allen acht Ortsteilen der Großgemeinde Kolitzheim zurückgegangen, was sich wiederum auf die acht Kindergärten auswirkt.

In den Bürgerversammlungen ging Bürgermeister Horst Herbert immer wieder auf diese bedenkliche Entwicklung ein. So wurden im vergangenen Jahr in der Großgemeinde nur 44 Geburten verzeichnet. Damit hat sich die Rate innerhalb von 20 Jahren halbiert. Beinahe 300 Kindergartenplätze werden in den acht Einrichtung der Gemeinde angeboten, davon im Moment aber nur 163 genutzt.

In Kolitzheim selbst wurden im Jahre 2005 zwar nur zwei, in den drei Jahren davor allerdings zehn und zwei mal elf Kinder geboren, deshalb wird der Kindergarten weiterhin voll belegt sein. Gut ausgelastet ist auch der Kindergarten in Oberspiesheim. Hier musste ebenso wie in Stammheim aber schon eine Gruppe geschlossen werden.

Die einzige zweigruppige Einrichtung in der Großgemeinde befindet sich im Moment in Unterspiesheim. Allerdings wird diese auch nur von 35 Kindern besucht. Nur noch mit acht bis zehn Kindern rechnen die Verantwortlichen des Gernacher Kindergartens für das Jahr 2006/2007. Um die Einrichtung noch ein Jahr weiter führen zu können wurde beschlossen, die dann fehlenden finanziellen Mittel durch Zuschüsse aus den Eigenmitteln zu ergänzen und die Öffnungszeiten zu verkürzen.

In Herlheim wird im kommenden Kindergartenjahr noch die Minimalanzahl von 15 Kindern erreicht werden. Danach wird allerdings auch hier voraussichtlich Schluss sein.

Erholt hat sich die Situation in Zeilitzheim, da die Geburtenzahlen wieder etwas angestiegen sind und außerdem verstärkt Kinder unter drei Jahren den Kindergarten besuchen. Diese Möglichkeit, sowie Nachmittagsbetreuung von Schulkindern, was besonders in Oberspiesheim rege angenommen wird, ist zwar in allen Kindergärten angeboten, wird aber nicht überall genutzt.

Auf Dauer Schließungen nötig

Bürgermeister Horst Herbert sieht dank des neuen Kindergartengesetzes, das speziell eingruppige Kindergärten fördere, zwar die Möglichkeit, die Einrichtungen noch eine Weile am Leben zu erhalten, auf Dauer werde man allerdings nicht davon absehen können einige davon zu schließen.

Da es für Kindergärten keine Beförderungspflicht von Seiten der Gemeinde gäbe, wären dann die Eltern selbst für den Transport ihrer Kinder in einen anderen Ortsteil zuständig, so Herbert. Über die Weiternutzung der dann leer stehenden Gebäude habe man sich noch keine Gedanken gemacht. Zudem gehörten einige der Häuser nicht der Gemeinde, sondern den kirchlichen Trägervereinen. Allerdings macht sich das Gemeindeoberhaupt hierüber keine Sorgen, da die Kindergartengebäude, im Gegensatz zu leer stehenden Schulgebäuden, leichter für andere Zwecke genutzt werden könnten.

In den caritativen Kindergärten sei die Gemeinde auch nicht für das Personal zuständig, das dann entlassen werden muss. Lediglich in den beiden gemeindlichen Kindergärten in Stammheim und Zeilitzheim, die im Moment nicht zu den gefährdeten Einrichtungen zählen, müsste das Personal im Falle einer Schließung unter Berücksichtigung des Sozialplanes entlassen werden.

 

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