Platz trägt Namen des Vogelweiders

17.09.2008
Mainpost 17.09.2008

HERLHEIM

Platz trägt Namen des Vogelweiders

Lob von allen Seiten für das Geschichtsbewusstsein der Herlheimer 

Nach den Recherchen des Höchberger Studiendirektors a. D. Gerhard Wagner hatte Walther von der Vogelweide, der bekannte Minnesänger aus dem Mittelalter, von König Friedrich II ein Lehen in Herlheim erhalten, auf dem er 15 Jahre lang lebte und um das Jahr 1230 starb. Das Lehen erhielt er für seine Verdienste, aber wohl auch, weil einst sein Vater, Walter von Stollberg, mit dem Königshof Herlhem belehnt war.

Zum Gedenken an diesen berühmten ehemaligen Einwohner wurde nun in der Mitte des Dorfes ein Stein aufgestellt, und der Name des Platzes heißt künftig Walther-von-der-Vogelweide-Platz. Stein und Platz wurden am Tag des offenen Denkmals eingeweiht, wobei der örtliche Gemeinderat Walter Wiegand zahlreiche interessierte Bürger begrüßen konnte.

„Ich hab mein Lehen, alle Welt, ich hab mein Lehen! Der edle König hat mich versorgt, dass ich den Sommer über Luft und im Winter Hitze habe.“ Mit diesen jubilierenden Sätzen des Minnesängers begann zweiter Bürgermeister Martin Mack seine Ansprache. Mack berichtete, dass der Gemeinderat zunächst skeptisch fragte, was die Herlheimer mit Walther von der Vogelweide wollten. Die geschichtlichen Nachforschungen und Erklärungen Gerhard Wagners überzeugten dann schließlich auch den Gesamtgemeinderat.

 

„Ich möchte die Herlheimer zu ihrem berühmten Namensgeber des Dorfplatzes daher gratulieren und sie ermuntern, weiter das Geschichtsbewusstsein so wie bisher wach zu halten und zu fördern“, so das stellvertretende Gemeindeoberhaupt. Herlheim sei schon immer ein geschichtsträchtiger Ort gewesen, erinnerte Mack. Er wies auf den Kapellenhügel hin und darauf, dass Herlheim eine Urpfarrei war.

 

Die Dorfgemeinschaft Herlheim habe das Thema des Tages des offenen Denkmals „Vergangenheit aufgedeckt, Archäologie und Bauforschung“ beim Schopf gepackt, sagte Kreisheimatpfleger Longin Mößlein. Heute werde die Geschichte, die geschichtlich gewachsene Struktur des Dorfes vorgestellt, als Archäologie und Bauforschung. Mößlein wies auf die Fahrten zu Kapellenhügel und Herrenbrunnen, auf die Rundgänge durchs Dorf mit Erklärungen zur Geschichte und die Vorstellung eines ehemaligen Zehnthofes mit Bauforschung und Grabungsfunde hin.

 

Vergangenheit aufgedeckt habe die Dorfgemeinschaft, indem sie den Dorfplatz in „Walther-von-der-Vogelweide-Platz“ umbenannt und das jahrelange Fordern des Vogelweiders um sein Lehen mit einem Gedenkstein gewürdigt habe, so der Kreisheimatpfleger. Von Zweiflern, Kritikern und Skeptikern solle man sich nicht verdrießen und vergrämen lassen. Bis heute habe noch keiner die Wagnerschen Ergebnisse schriftlich widerlegt oder begründet, dass sie nicht stimmen, so Mößlein.

 

Pfarrer Martin Asiegbu erteilte Gedenkstein, Platz und einer nach der Renovierung wieder aufgestellten Statue des Heiligen Wendelin anschließend den kirchlichen Segen.

 

Im Anschluss an diese Auftaktveranstaltung hatten Interessierte die Möglichkeit, an historischen Dorfführungen und Rundfahrten zum Kapellenhügel und Herrenbrunnen teilzunehmen. Beim Gasthaus zum Adler konnten sich die Gäste zur Mittagszeit mit mittelalterlichen Gerichten stärken.

 

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