Rüstzeug als Ministrantin gelernt

27.04.2006

Mainpost 27.4.2006

 

Rüstzeug als Ministrantin gelernt

 

LINDACH Am "Lindacher Kreuzpfad" schwingt eine neue Weinprinzessin das Zepter. Nach 734 Tagen im Amt reichte Kristin Wiederer am Freitag die Krone an ihre Nachfolgerin Sabine Wiederer weiter.

 

Es war eine stimmungsvolle Feier im Sportheim, die vom örtlichen Kulturverein mit seinem Chor unter der Leitung von Carmen Kuhn und der Blaskapelle, bei der Walter Strauß den Taktstock schwingt, musikalisch bereichert wurde. Eingebettet war die Krönungszeremonie in eine Weinprobe mit sieben edlen Lindacher Tropfen, die von der ehemaligen Kandidatin für die Fränkische Weinkrone, Nadine Wieland aus Stammheim, fachfraulich kommentiert wurde.

Zunächst blickte die scheidende Hoheit Kristin Wiederer auf zwei ereignisreiche Jahre als zehnte Lindacher Weinprinzessin zurück. "Wie jedes Mädchen der Mainschleife habe ich den geheimen Wunsch gehabt, einmal als Weinprinzessin meinen Heimatort zu repräsentieren", bekannte Kristin: "Und diese beiden Jahre waren von so vielen unvergesslichen Eindrücken geprägt, da reicht ein Abend zum Aufzählen gar nicht aus."

Ein kleines "Best of" ihrer Auftritte hatte sie für die Besucher im voll besetzten Sportheim in Wort und Bild aufbereitet. Es gab Termine wie das Volkacher Weinfest, so Kristin, "da wird einem ganz schön Ausdauer abverlangt." Gut in Erinnerung geblieben sind ihr auch die Festumzüge in Wipfeld, wo die Lindacher Winzer mit einem eigenen Wagen beteiligt waren, oder in Rödelsee, wo die Weinhoheiten in einem Blumenrömer durch die Straßen gezogen wurden.

Einen Ehrenplatz in ihren Erinnerungen bekam auch das Fränkische Weinfest in Gerolzhofens sächsischer Partnerstadt Rodewisch zugewiesen. Schön sei es dort gewesen festzustellen, dass sich nicht zuletzt die Präsenz des Weinadels in einer Verkaufssteigerung und einer Zunahme der Besucherzahlen niedergeschlagen hat. Besondere Höhepunkte ihrer Amtszeit nannte sie die Veranstaltungen, bei denen sie die Lokalmatadorin war: Die Lindacher Weinfeste etwa, oder auch den Versuch Lindachs beim "Genussmarathon", mit dem längsten Spargelwrap der Welt in das Guinness-Buch der Rekorde zu kommen.

Und dann natürlich fiel in ihre Amtszeit auch die Anschaffung einer neuen, von einem Goldschmied nach Plänen des Lindacher Bildhauers Erhard Markert gestalteten Krone durch den Winzerverein. "Heute habe ich die Ehre", so schloss Kristin nach Dankesworten an ihre Eltern, die Lindacher Winzer und ihre Amtskolleginnen ihren Rückblick, "dieses Schmuckstück weitergeben zu dürfen."

Bis es soweit war, durfte Kristin zunächst viel Anerkennung für ihre Amtsführung einheimsen. "Die lockere, charmante Art, mit der Du unseren Wein und unseren Ort repräsentiert hast", pries der Vorsitzende des Lindacher Winzervereins, Hubert Dotzel. Als er sie vor etwas mehr als zwei Jahren für das Amt gewinnen wollte, habe sie spontan zugesagt, obwohl sie zeitgleich auch ihre Ausbildung zur Arzthelferin zu schultern hatte. In dieselbe Kerbe schlugen auch Bürgermeister Horst Herbert und der "Steigerwälder Weinpapst" Dietmar Kordowich, der Kristin eine "eloquente Fürsprecherin des Lindacher Kreuzpfades" nannte.

"Das waren zwei Jahre einer sehr selbstbewussten Weinprinzessin", befand Landrat Harald Leitherer. Und als er in seinem launigen Grußwort die nächste Weinprobe anmahnte, stellte Kristin gleich noch einmal ihre Spontaneität unter Beweis. Flugs organisierte sie den großen Weinprinzessinnen-Römer und stellte ihn dem verdutzten Landrat bestens gefüllt auf den Tisch. "Niemand soll hier verdursten", meinte sie keck.

Dann rückte der Höhepunkt des Abends näher. Kristin setzte ihrer Nachfolgerin Sabine die Krone auf. "Oh Gott, ich? Ich doch nicht!", habe sie zunächst gedacht, als ihr das Amt der Weinprinzessin angetragen wurde. Die Repräsentationsaufgaben, das Reden halten - all das habe sie zunächst abgeschreckt, bekannte die 18-jährige Auszubildende zur Steuerfachangestellten, die als ihre Hobbies Korbball und Dart angibt. Doch nachdem sie etwas darüber nachgedacht hatte und auch ihre Chefin Zustimmung signalisierte, sagte sie zu. "Jetzt schaue ich mit Freude nach vorn und werde versuchen, Lindach und seine Weine bestmöglich zu vertreten."

Bestens gerüstet dafür sehen sie nicht nur ihre Vorgängerin Kristin und Hubert Dotzel, sondern auch Pfarrer Wendelin Lieb. "Sabine war immer eine tüchtige Ministrantin", verriet er: "Und so, wie Du Dich heute in Deiner Antrittsrede präsentiert hast, das hast Du alles als Ministrantin gelernt." Landrat Harald Leitherer witzelte daraufhin: "Wenn sie ihr Handwerkszeug in der Kirche gelernt hat, kann ja überhaupt nichts schief gehen."

Jennifer Herbert, für die die Krönung in Lindach der erste offizielle Auftritt als Fränkische Weinkönigin in ihrer Heimatgemeinde Kolitzheim war, machte Sabine ihre Amtszeit auch noch mal schmackhaft: "Genieße die Zeit, sie wird Dir viel für Deinen weiteren Lebensweg mitgeben."

Und Bürgermeister Horst Herbert beschied der Neuen: "Eine Weinprinzessin kommt weit vor einem Bürgermeister, einem Landrat oder einem Pfarrer. Denn so eine Krone fällt weit mehr auf, als wenn der Bürgermeister ohne Krawatte kommt oder der Pfarrer im schwarzen Anzug." Sabine Wiederer hat nun mindestens zwei Jahre Zeit, um alle diese wohlmeinenden Worte auf ihre Richtigkeit zu prüfen.

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