Sebastian, Petrus und Paulus in neuem Glanz

28.05.2015

Mainpost, 28.05.2015

 

UNTERSPIESHEIM
Sebastian, Petrus und Paulus in neuem Glanz

Restaurierung der Heiligenfiguren an der Turmfassade von St. Sebastian abgeschlossen

Die aufwändige Restaurierung der Figuren an der Trumfassade der Kirche St. Sebastian ist nun abgeschlossen. Restaurator Petro Schiller geht davon aus, dass sie für die nächsten 35 Jahre ausreichend gewappnet sind.

Der Maurermeister Georg Anton Wüst hat die Kirche in den Jahren 1780 bis 1790 gebaut. Die drei großen Nischen (Conchien) in der Fassade über dem Haupteingang hatte er schon vorgesehen. Ursprünglich sollten wohl größere Figuren dafür geschaffen werden. Darauf weisen die Sockelaufbauten hin, informiert Petro Schiller aus Königsberg. In der Zeit zwischen 1820 und 1840 schaffte man Abhilfe: Die Pfarrei hatte wohl die Gelegenheit, kleinere Heiligenfiguren zu erwerben. Damit die Proportionen stimmen, wurden die Sockel für die Heiligenfiguren so erhöht, dass die Figuren gut zu den schon vorhandenen Conchien passen.

Der heilige Sebastian, als Patron der Kirche, steht ganz oben, durchbohrt von den Pfeilen seiner Henker. Links schaut der heilige Petrus, leicht erkennbar an dem Schlüssel, entsprechend dem Bibelwort: „Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben“ auf die Gläubigen herab, die das Gotteshaus durch den Haupteingang betreten. Rechts steht der heilige Paulus, erkennbar an seinem Schwert und an seiner typischen Bartform, dem „Philosophenbart“. Wo die Statuen vorher standen, ist nicht mehr zu ermitteln; es kann auch sein, dass sie ursprünglich andere Heilige darstellten, und durch die Beigabe von Schwert und Schlüssel zu Petrus und Paulus umgewandelt wurden. Die Kopfhaltung von Petrus lässt vermuten, so Pfarrer Thomas Amrehn, dass er ursprünglich als Apostel Johannes Teil einer Kreuzigungsgruppe gewesen sein könnte. Die Ausführung der Statuen legt die Vermutung nahe, dass sie ursprünglich nicht für die große Entfernung in lichter Höhe gedacht waren, denn Gesicht, Faltenwurf und weitere Details sind sehr differenziert ausgearbeitet. Aus der Art der Ausarbeitung lässt sich schließen, dass die drei Figuren von dem selben Künstler geschaffen wurden, dessen Name aber auch nicht mehr herauszufinden ist. Das Trio Kirchenpatron – in Unterspiesheim der heilige Sebastian – , Petrus und Paulus war zur damaligen Zeit durchaus weitverbreitet, denn man wollte gerade durch die Figuren der Apostelfürsten zeigen, dass man dem katholischen Glauben angehört, weiß Pfarrer Thomas Amrehn.

Der Zahn der Zeit hatte schon ziemlich an den Heiligenfiguren genagt: Paulus war das Schwert abhandengekommen, er war ohne Hände, das Buch war nur noch bruchstückhaft vorhanden, auch die Sockel aller Figuren hatten sehr gelitten – auch weil Tauben sie als Landeplatz liebten. Ihre Hinterlassenschaften ließen den Stein stark verwittern. Petrus fehlte die linke Hand, ebenfalls der Schlüssel, den er in dieser Hand hielt. Die Statue insgesamt zeigte starke Spuren der Verwitterung.

Mit Blattgold überzogen

Die Restauration sollte die Statuen wieder so herstellen, dass sie dem Ursprungszustand ziemlich nahekommen. So ergänzte Schiller die Hände aus massivem Sandstein und zwar so, dass sie unter dem Gewand, das den Arm bedeckt eingefügt wurden. Das Schwert für Paulus und der Schlüssel für Petrus wurden aus Edelstahl hergestellt und mit hochwertigem Blattgold überzogen, um der Verwitterung Einhalt zu gebieten. Die Pfeile die den Heiligen Sebastian durchbohren, waren noch die Originalpfeile; auf ihnen war noch das das ursprünglich verwendete Blattgold nachweisbar.

Es war ziemlich aufwendig, so Pfarrer Amrehn und Steinrestaurator Schiller, herauszufinden, wie man die Figuren restaurieren müsse, damit sie dem Ursprungsbild möglichst nahekommen. Figuren aus der Zeit von 1820 bis 1840 von anderen Kirchen, alte Fotografien der Turmfassade, wurden zum Vergleich herangezogen, bis man sich schließlich auf eine Lösung festlegte.

Viele Besprechungen mit dem Bauamt des Bischöflichen Ordinariats und Landesamt für Denkmalpflege waren nötig, um die optimale Lösung zu finden. Klar, dass diese aufwendige Restaurierung, die für Petro Schiller ein „nicht alltäglicher Auftrag“ war, nicht für umsonst zu haben ist. Pfarrer Amrehn gibt den Kritikern der recht hohen Aufwendungen zu bedenken, dass die Kirchen in unseren Dörfern einzigartige Kulturdenkmäler sind, die sachgerecht zu erhalten den Aufwand rechtfertige.

Problem Tauben

Zur sachgerechten Erhaltung gehört auch der Schutz gegen die Tauben: Auch wenn das Drahtgitter den schönen Anblick etwas stört, ist es nötig, um erneute Verschmutzung durch die Tauben und andere Vögel zu verhindern: Taubenkot und die damit verbundene Feuchtigkeit würden die restaurierten Statuen sehr schnell angreifen und das gelungene Werk schnell erneutem Verfall preisgeben.

Von unserem Mitarbeiter Erhard Scholl

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