Sonne liefert Strom-Ernte für 650 Familien

06.03.2009

Mainpost 05.03.2009

KOLITZHEIM/LÜLSFELD

Sonne liefert Strom-Ernte für 650 Familien

 

Die ÜZ als regionaler Energieversorger geht im Solarpark Kolitzheim den Investitionsschritt mit

Wo einst der Bauer traditionell seine Felder bewirtschaftete und Kraut, Getreide und Rüben anbaute, dort wird heute immer öfter Solarstrom geerntet. Einer dieser großen Solarparks ist jetzt vor den Toren Kolitzheims entstanden.

 

Der Standort wurde allerdings nicht von ungefähr gewählt. Denn an der Wadenbrunner Straße hat das Fotovoltaik-Kompetenzzentrum Kolitzheim mit den drei europaweit agierenden Firmen Beck-Energy, S(olar) & F(otovoltaik) und Blitzstrom seinen Sitz. So lag es nur nahe, die Solarstromanlage hier zusammen mit dem regionalen Energieversorgungsunternehmen, der ÜZ Lülsfeld, zu errichten.

Die auf der Freifläche und den Dächern der Betriebsgebäude erzeugte Leistung liegt zusammen bei über 2,3 Megawatt Strom. Die Überlandzentrale Lülsfeld (ÜZ) ist zu 50 Prozent an der weithin sichtbaren und auffälligen bodenmontierten Fotovoltaik-Anlage beteiligt.

Acht Millionen Euro investiert

„Die Kosten beliefen sich für die Freifläche auf rund sechs Millionen Euro und für die Dachanlagen auf Hallen und Bürogebäude noch einmal auf zwei Millionen Euro. Während die Freifläche knapp 1,8 Millionen Kilowattstunden (kW/h) pro Jahr liefert, sind es bei der Dachfläche 560 000 kW/h. Das entspricht bei der Freifläche dem Strombedarf von rund 500 und bei der Dachfläche von 150, zusammen also von 650 Vier-Personen-Haushalten.

Konkret werden für die auf der Freifläche erzeugte und ins Netz eingespeiste Energie rund 600 000 Euro jährlich vergütet. Durch die Dachfläche – hier gibt es eine höhere Vergütung – kommen 240 000 Euro an Stromeinnahmen herein.

Unter dem Strich liegt die Einsparung von Kohlenstoffdioxid (CO•) pro Jahr bei rund 1230 Tonnen.

Auch dieses Solarkraftwerk funktioniert wie folgt: Die Dünnschicht-Solarzellen in den Modulen erzeugen aus dem Sonnenlicht elektrische Energie (Gleichstrom). Wechselrichter wandeln den Gleichstrom in Wechselstrom um. Der Stromzähler registriert wiederum den erzeugten Solarstrom, der in das öffentliche 20-kV-Stromnetz eingespeist wird. Die Vergütung erfolgt entsprechend dem so genannten Erneuerbaren Energie-Gesetz (EEG).

Solarstromanlagenbetreiber, die Anlagen auf einem Dach bis 30 kW Nennleistung betreiben, erhalten so ab 2009 genau 43,01 Cent für die Kilowattstunde (kWh). Bei größeren Dachanlagen mit einer Leistung von mehr als 30 kW wird die darüber hinausgehende Erntemenge mit 40,91 Ct/kWh, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer, gefördert. Diese Kosten werden über ein Umlageverfahren, dem so genannten „Wälzungprozess“, von allen Stromkunden (mit Ausnahme von stromintensiven Betrieben) getragen. Für jede Kilowattstunde Stromverbrauch ist damit ein Aufschlag von derzeit deutlich mehr als ein Cent verbunden.

Spreu trennt sich vom Weizen

Somit lebt die ganze Branche der regenerativen Energien im Moment aber stark von den Subventionen aus Steuergeldern. Deshalb ist man im Fotovoltaikzentrum in Kolitzheim auch so darauf aus, die Systemkosten für die Produktion des Solarstroms jedes Jahr weiter zu senken, um dauerhaft auf dem Markt bestehen zu können.

Denn die ersten Insolvenzen in der Solarbranche hat es schon gegeben. Die Spreu trennt sich vom Weizen. Nur wer die Technologie voll beherrscht, wird überleben. Die Kolitzheimer Solarstrom-Pioniere reihen sich selbst im Augenblick unter den „Top 5“ der Branchenführer in Deutschland ein.

Die Beck Energy GmbH als Vorreiter in Sachen schlüsselfertige Freiflächen-Solarkraftwerke hat allein im Jahr 2008 insgesamt 20 solcher Anlagen in Europa gebaut und so einen neuen Maßstab im Bereich der Lieferung und Erzeugung umweltfreundlicher Energie und der Einsparung von CO•im Dienste des Klimaschutzes gesetzt. Beck-Energy setzt dabei in erster Linie auf den Dünnschichtmodul-Hersteller First Solar, der seine Produkte auch kostenlos recycelt sowie auf die Padcon-Großwechselrichter. Die im Moment größten Zentralrichter weltweit verfügen über einen hohen Reifegrad.

Die Zusammenarbeit in Sachen Solarpark Kolitzheim auf kaufmännischer wie technologischer Ebene bewerten Bernhard Bedenk von der ÜZ Lülsfeld und Martin Zembsch von Beck-Energy übereinstimmend als befruchtend und sehr angenehm.

Bernhard Bedenk ist Verantwortlicher für Umweltprojekte bei der Unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ) und einer der beiden Geschäftsführer der gemeinsamen Projektgesellschaft für den Solarpark in Kolitzheim. Der andere Geschäftsführer ist Martin Zembsch. Er ist zugleich Geschäftsführer der Beck-Energy-Tochter Climagy GmbH, die selbst in den Bau von Solarkraftwerken investiert.

Bei regenerativer Energie vorn

Über 34 Prozent des Stroms, den die ÜZ an die Kundschaft absetzt, werden bereits aus regenerativen Energien wie zum Beispiel Wasserkraft, Windkraft, Biomasse oder eben per Fotovoltaik in Solarstromanlagen erzeugt. Damit nehmen die Lülsfelder Energieversorger bundesweit einen absoluten Spitzenplatz ein.

Bernhard Bedenk: „Deshalb war es für uns als Netzbetreiber auch wichtig, diesen Investitionsschritt in Kolitzheim gemeinsam zu gehen.“

 

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