Temperamentvolle Tango-Show

06.04.2006

Mainpost 6.4.2006

 

Temperamentvolle Tango-Show

 

zeilitzheim Nicht nur die frisch gekürte fränkische Weinkönigin macht den kleinen Weinort Zeilitzheim zu einem außergewöhnlichen Dörfchen im Frankenland. Auch durch die ausgefallenen Ereignisse, die das Schloss Zeilitzheim unter der Regie der Familie von Halem zu bieten hat, werden Besucher in den Ort gelockt. So auch als die Gründer der Formation "Argentina Tango-Folk", Sergio Grazioli (Gitarre) und Carmelo Silva (Bandoneon), unterstützt von der Sängerin Clementina, einen ganz besonderen Abend unter dem Motto "Tangos de hoy y de siempre" boten.

 

Der erste Teil war ganz dem Zuhören und Erleben einer temperamentvollen Tangoshow vorbehalten, denn nicht nur die drei Musiker gaben ihr Bestes. Das Paar Tobias und Tanja aus Würzburg zeigte dem Publikum, wie ein richtiger Tango getanzt wird, was die Zuhörer im Anschluss an das Konzert auch selbst ausprobieren konnten.

Doch zuerst hieß es Bühne frei für die Musiker: Carmelo Silva (72), seit 60 Jahren mit dem Bandoneon verbunden, fühlt sich der traditionellen Linie des Tangos verpflichtet. Er gilt als einer der großen Interpreten des Bandoneons.

Sergio Grazioli hingegen ist nicht nur Gitarrist. Auch das Arrangieren und Komponieren sind ihm eine Herzensangelegenheit. Und so waren es nicht nur die Präzision und das Feingefühl im Umgang mit der Gitarre, die die Zuhörer zu wahren Begeisterungsrufen trieben. Auch seine Fähigkeit, jedes Stück, umrahmt durch eine Geschichte, lebendig werden zu lassen, erlaubten dem Publikum einen Einblick in die Welt des Tangos.

Das wundervoll harmonierende Trio wurde durch die Sängerin Clementina komplettiert, deren kraftvolle Stimme und facettenreiches Auftreten der Freude der Drei am gemeinsamen Musizieren Ausdruck verlieh.

Mit Werken des großen Astor Piazzolla, Francisco Canaro, Vicente Greco, Carlos Gardel, Osvaldo Pugliese oder Anibal Troilo wartete das Konzert, das von einer Tango-Bilderausstellung der jungen Wiener Malerin Maia Parussel umrahmt wurde, mit allem auf, was im Bereich des Tangos und der Argentinischen Folklore Rang und Namen hat.

Gleichwohl standen die Eigenkompositionen von Sergio Grazioli ihren namhaften Vorbildern in keiner Weise nach, sondern reihten sich vielmehr in die lange Tradition des Tangos ein.

Auch Wissenswertes gab es an diesem Abend: Die Drehorgel, einst ein äußerst beliebtes argentinisches Instrument, mit dem die Musiker von Ort zu Ort gezogen waren, ist heute sogar aus dem Stadtbild von Buenos Aires verschwunden und wird nicht einmal mehr für die Touristen hervorgeholt. "Organito", ein Stück, bei dem die ganze Fingerfertigkeit der Musiker deutlich wurde, stellte also eine Hommage an die vormals so oft gesehene Drehorgel dar.

Musiker und Tänzer boten "Buenos Aires que digo" und "Caminito" gemeinsam in einem großen Finale zur Freude der Gäste dar. Dessen ungeachtet war dies nicht der Schlusspunkt des Abends. Der Saal wurde geräumt und zu einer Tanzfläche umfunktioniert, auf der die ehemals hingerissenen Zuschauer nun selbst zu Tangotänzern und -tänzerinnen wurden.

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