Traditionen werden weiter aufrecht erhalten

05.11.2008

Mainpost, 05.11.2008

 

LINDACH

Traditionen werden weiter aufrecht erhalten

 

Der Kirchweihprediger hat am Samstagnachmittag auf dem Lindacher Dorfplatz wieder das Sagen

Weithin sichtbar in der Umgebung und aus dem Kranz der Obstbäume, der sich um das Straßenangerdorf windet, überragt der Echterturm der Filialkirche die Dachlandschaft des Obstbaudorfs Lindach. Wenn sich das Bauernjahr seinem Ende zuneigt und die Natur sich auf die wohl verdiente Winterruhe vorbereitet, feiert der Kreuzpfadort seine Martini-Kirchweih.

 

Am kommenden Wochenende ist es wieder einmal soweit, denn das schmucke Gotteshaus hat Geburtstag, den 317.

 

Nach der Erhöhung des Spitzhelmturmes um das Jahr 1600 wurde erst 1691 das klassizistische Langhaus angebaut. Nun erst konnte man von einer Kirche im eigentlichen Sinn sprechen. Vorher stand über lange Zeit nur der steinerne Turm, neben der immer noch vorhandenen hölzernen, adeligen Eigenkirche der damaligen Dorfherrn. Dieses Holzbauwerk darf man sich nur als kleines Kapellchen vorstellen. Wohl aus Geldmangel konnte man erst sehr viel später das Langhaus an den steinernen Turm bauen. In diesen unsicheren Zeiten diente der Turm wohl der damaligen Bevölkerung als letzte Zufluchtsstätte, wenn wilde, kriegerische Horden das Leben der Menschen bedrohten. Von der Wehrhaftigkeit des viergeschossigen Turmes zeugen heute noch die dicken Mauern und die Schießscharte in der Wand.

 

Viele Kirchtürme der damaligen Zeit wurden mit der spitzen Echterhaube oder Echternadel, wie sie auch genannt wird, ausgestattet, nach dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn benannt, der immerhin 44 Jahre , von 1573 bis 1617 regiert hat. Als Ortskirche diente damals die am nördlichen Ortsrand stehende Kapelle, die auch bezüglich des so genannten Verirrtenläutens eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Der Anbau des Langhauses an den Echterturm war dann dar Anlass für die Neuweihe der Lindacher Kirche. Sie wurde aber nicht an Martini geweiht, wie man annehmen möchte, sondern schon im Frühsommer des Jahres 1691. Dennoch legte man das Kirchweihfest auf Martini, weil an diesem Festtag im Jahre 1695 die kleinste, zugleich auch die älteste, der drei Glocken geweiht wurde, wie der Chronist berichtet. Außerdem hatte die Landbevölkerung hier wohl auch eher Zeit zum Feiern.

 

Als Patron des Gotteshauses wählte man den heiligen Antonius, den Einsiedler, Mönchsvater und Pestheiligen, dessen Bildnis über dem linken Seitenaltar einst sehr eindrucksvoll von dem fürstbischöflichen Hofmaler Johann Peter Wagner zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Öl dargestellt wurde.

 

Zum Kirchweihgottesdienst, der aus organisatorischen Gründen diesmal schon am Samstagabend, 8. November, ab 18.30 Uhr gefeiert wird, lädt Ortspfarrer Wendelin Lieb die Gläubigen ein. Vorher, bereits ab 14.30 Uhr, veranstaltet die Lindacher Dorfjugend die so genannte Dorfkirchweih auf dem Angerplatz in der Ortsmitte. Da hat der Kirchweihprediger wieder das Sagen. Man darf gespannt sein, welche großen und kleinen Sünden der Ortsbewohner da wieder aufgedeckt und belächelt werden. Manchem wird die öffentliche Erwähnung zwar nicht so recht passen, aber es hat sich in den letzten Jahren stets gezeigt, dass man durchaus seinen Gleichmut behalten hat. Andere dagegen sind enttäuscht , wenn sie in der Kirchweihpredigt unerwähnt bleiben.

 

Am Samstagabend ab 20 Uhr trifft sich dann die Dorfjugend und die jung gebliebenen Älteren beim Kirchweihtanz im Saal des Sportheimes. Kulinarisches aus Küche und Keller bieten die Dorfgasthäuser von Samstag bis Montag den Gästen.

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