Trikots aus ausgedienten Flaggen der NS-Zeit geschneidert

30.05.2006

Mainpost 30.5.2006

 

Trikots aus ausgedienten Flaggen der NS-Zeit geschneidert

 

stammheim (vgs) Im Herbst 1946 wurde der SV Stammheim gegründet und der Gasthof Goldener Hirsch "Zapf" zum Vereinsheim auserkoren. Im Rotationsverfahren führten in den ersten elf Jahren sechs verschiedene Vorsitzende den Verein.

Der erste Vorsitzende war Clemens Moller. Die Anfänge waren nicht einfach. In der Not war Kreativität gefragt. Ein Platz um Fußballspielen war schnell gefunden. Die Trikots wurden aus ausgedienten Flaggen aus der NS-Zeit geschneidert und ein Lederball angeschafft.

Das Fußballfeld war nicht wie heute mit Rasen bedeckt. Es war damals ein "Sandplatz". Ein Dorfacker wurde als Fußballplatz umfunktioniert. So begab es sich, dass am Vortag eines Verbandsspieles auf dem Spielfeld gelegte Kartoffeln von den Spielern vor Spielbeginn wieder ausgegraben werden mussten.

Ein Jahr nach der Vereinsgründung wurde eine Damen-Handballmannschaft (Großfeld) gegründet. Der Spielbetrieb wurde jedoch bereits ein Jahr später wegen Bedenken des Ortsgeistlichen wieder eingestellt. Gründe hierfür waren die kurzen Hosen (sie reichten bis knapp über die Knie) und die kurzärmlichen Hemden. Von 1957 bis heute leiteten und leiten noch vier Vorsitzende die Geschicke des Vereins. Gottfried Wirsching (über 20 Jahre), Peter Wirsching, Herbert Wieland und Klaus Klüpfel.

Die erste Meisterschaft im Fußball konnte der Verein 1952 verbuchen. Drei Jahre später stieg die Mannschaft aber wieder ab. Ihr gelang aber gleich in der folgenden Saison 1956 der Wiederaufstieg. Unter der Führung von Gottfried Wirsching wurde die Jugendausbildung im Verein angestoßen. Die Früchte hieraus konnte der SV 1965 ernten. Er errang die Meisterschaft und spielte von nun an für drei Jahre in der A-Klasse.

Eine weitere Meisterschaft folgte 1973. In dem Jahr wurde auch ein Turnier begründet, an dem alle zwei Jahre die bundesweit verstreuten Ortschaften Stammheim und ein Stammheim in der Schweiz an Pfingsten teilnehmen. In der Turniergeschichte konnte sich der SV Stammheim bereits vier Mal in die Siegerliste eintragen.

Die sportlichen Glanzzeiten erlebte der Verein unter der Regie von Peter Wirsching. 1981 erreichte der SV das DFB-Pokal Viertelfinale auf unterfränkischer Ebene, 1982 wurde er Meister in der B-Klasse Schweinfurt 2, 1983 Meister in der A-Klasse Haßgau mit bayerischem Tor-Rekord von 116 erzielten Treffen in einer Saison, 1985 Dritter in der Bezirksliga Ost. Nur um einen Punkt verpasste die Mannschaft die Relegationsspiele zum Aufstieg in die Landesliga.

In den 90-er Jahren ging es dann wieder abwärts. Im Jahr 2000 wurde aber der Aufstieg in die Kreisklasse und nur ein Jahr später in die Kreisliga perfekt gemacht.

Nicht nur im Fußball bietet der Verein ein sportliches Betätigungsfeld. Bereits 1971 wurde die Damengymnastikabteilung gegründet, 1985 die Tennisabteilung. 1993 etablierte sich die Korbballabteilung. 1994 wurde eine Kinderturngruppe ins Leben gerufen. 1995 schloss sich die Tischtennisabteilung an. Das jüngste Kind des Vereins ist die Volleyballabteilung.

In diese Zeit der 90er Jahre fällt auch der Bau des Sportheims, das unter der Führung von Herbert Wieland im Juli 1996 bezogen wurde.

Heute hat der Verein 425 Mitglieder, 256 aktive Sportlerinnen und Sportler tummeln sich in sechs Abteilungen. Seit 2000 ist Klaus Klüpfel Vorsitzender, der die Geschicke des Vereins umsichtig für die Zukunft in die Bahnen lenkt.

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