Turmkreuz, Turmkugel und Turmhahn werden gesegnet

01.09.2020

Mainpost 01.09.2020
Gernach

Turmkreuz, Turmkugel und Turmhahn werden gesegnet

Man kann wohl von einem besonderen Aegidiusfest in diesem Jahr sprechen, nicht nur wegen Corona. Deswegen wurde der Festgottesdienst in der Lebenshalle im Gernacher Friedhof gefeiert. Vor allem ist dieses Patrozinium der Gernacher Kirche in diesem Jahr besonders, weil Turmkugel, Hahn und Turmkreuz gesegnet wurden. Dieses Ereignis war in Gernach zum letzten Mal 1972 zu verzeichnen. Pfarrer Thomas Amrehn gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese Zeichen des Glaubens an der Spitze des Kirchturms lange Bestand haben mögen.

Zu Beginn des Gottesdienstes hatte der Priester Weihwasser gesegnet. Das Weihwasser erinnert die Christen an ihre Taufe, ist zugleich ein Zeichen der Verbindung mit all denen in der Welt, die auch getauft sind. In seiner Predigt nahm der Seelsorger Bezug auf den Patron der Gernacher Kirche: St. Aegidius lebte zuerst als Einsiedler. Vom Pfeil des Königs Flavius getroffen, der eine Hirschkuh jagte, sei er verwundet worden. Dies tiefgreifende Erlebnis sei für ihn Anlass gewesen, den Wald zu verlassen und "die Saat des Glaubens auszusäen. Man sät nur für die Zukunft. So ist es auch unsere Aufgabe als Christen, unseren Glauben und unsere Hoffnung als Kirche in die Zukunft zu tragen."

Wetterhahn konnte nicht mehr restauriert werden

Dann informierte er, dass der Hahn auf der Spitze des Kirchturms von der Kunstschmiede Sauer in Dettelbach neu geschaffen wurde. Der alte Wetterhahn sei nicht mehr zu restaurieren gewesen, auch weil er von Schüssen beschädigt gewesen sei. Der Hymnus "O ew'ger Schöpfer aller Welt", der auf den Heiligen Ambrosius (339 bis 397) zurückgeht, spricht von den verschiedenen Bedeutungen, die der Hahn im christlichen Leben hat. So zum Beispiel: "Der Hahn,, des Tages Herold ruft, der Wächter in der Finsternis. Sein Schrei trennt von der Nacht die Nacht…" oder: "so stehet rasch vom Schlafe auf: der Hahn weckt jeden, der noch träumt. Der Hahn bedrängt, die säumig sind, der Hahn klagt die Verleugner an. Hoffnung erwacht beim Hahnenschrei, und Lindrung strömt den Kranken zu."

Nach der Segnung des Wetterhahnes stimmte der Seelsorger den Kreuzeshymnus "O heil'ges Kreuz sei uns gegrüßt" an. In der dreimaligen Wiederholung dieses Hymnus war spürbar, dass das Kreuz der Mittelpunkt und das Zentrum des christlichen Glaubens ist. Schon seit mehr als zwei Jahrhunderten war das Turmkreuz Ausdruck des Glaubens an Kreuz und Auferstehung der Gläubigen in Gernach.

In dem Gesang der Gemeinde drückte sich der Wunsch aus, dass dieser Glaube an die Gegenwart Gottes auch in schwerer Zeit auch weiterhin Menschen Kraft und Zuversicht gibt. Das Kreuz an der Kirchturmspitze soll daran erinnern. Es ist vergoldet – Zeichen dafür, dass nach dem Kreuz die Auferstehung folgt – so der Glaube der Christen.

Zeugnisse der Vergangenheit in der Turmkugel 

Der Seelsorger verglich die Turmkugel mit der kostbaren Perle: Der Evangelist Matthäus (Mt. 13, 45 f.) berichtet über ein Gleichnis Jesu, in dem er das Himmelreich mit der kostbaren Perle vergleicht, die ein Kaufmann findet. Daraufhin verkaufte er alles, um diese Perle zu erwerben. So könne die Kirchturmkugel auch Aufforderung sein, das Kostbare unseres Glaubens immer wieder neu zu entdecken und an die künftige Generationen weiterzugeben.

Die Kirchturmkugel, einmal an der Kirchturmspitze angebracht, enthalte auch Kostbarkeiten, nämlich Zeugnisse darüber, wie unsere Vorfahren ihren Glauben gelebt haben. Die Dokumente, die bei den Kirchturmrenovierungen in den Jahren 1919, 1946 und 1972 schon in der Kirchturmkugel geborgen waren, werden in einer eigenen Kartusche wieder eingefügt. Dokumente über die aktuelle Situation von Kirche und Gesellschaft weltweit, des näheren Umfeldes und von Gernach werden in einer eigenen Kartusche ebenfalls in die Kirchturmkugel gegeben. Der Seelsorger las das Schriftstück vor, in dem die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation geschildert wird.

"Omnia ad maiorem Dei gloriam – alles zur größeren Ehre Gottes" ist dieses Schriftstück überschrieben. Papst, Bischof, Dekan, Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Ministerpräsident, Landrat, Bürgermeister werden benannt, ebenso die Mitglieder der Kirchenverwaltung Gernach, an ihrer Spitze Kirchenpfleger Michael Werner, der enormes im Zusammenhang mit der Kirchenrenovierung geleistet hat.

Wandel der Seelsorge wird beschrieben

Weiter sind auch die Gernacher Mitglieder im Pfarrgemeinderat und des Ortsausschusses Gernach aufgeführt. Die Veränderung der Schulsituation wird geschildert, der geplante Schulhausneubau, ebenso die Schließung des Gernacher Kindergartens im Jahr 2009, und die Gründung der Nachbarschaftshilfe Gernach im Jahr 2019. Aufgeführt werden auch die örtlichen Vereine und ihre Vorsitzenden – insgesamt 14, die das örtliche Geschehen prägen.

Der Wandel der Seelsorge wird ebenfalls beschrieben: die Loslösung der Filialgemeinde St. Aegidius aus der Pfarrei Heidenfeld im Jahr 1967, der Pfarrei Unterspiesheim angeschlossen, unterliegt auch dem deutschlandweiten Wandel der kirchlichen Situation. Diese ist gekennzeichnet durch Kirchenaustritte vieler Mitglieder, bedingt durch "verschiedene Finanzskandale und dem übergriffigen Verhalten Geistlicher." Gernach gehört der Pfarreiengemeinschaft St. Raphael an, zusammen mit Unter- und Oberspiesheim. Aktuell wird diese Pfarreiengemeinschaft dem Pastoralen Raum Gerolzhofen zugeordnet.

Die umfangreichen Renovierungsarbeiten am Gernacher Gotteshaus werden ausführlich dargestellt, auch die finanzielle Belastung, die diese Renovierung für die Kirchenstiftung St. Aegidius mit sich bringt, aber auch die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde Kolitzheim, das bischöfliche Ordinariat und private Spender wird geschildert.

Am Fest Kreuzerhöhung kommt alles auf dem Turm

"Möge uns Gott die Kraft geben, die Glaubensfreude und den Dienst füreinander zu erhalten und zu stärken, damit wir als christliche Gemeinde vor Ort zu treuen Zeugen der Frohen Botschaft und guten Begleitern für die Menschen werden", ist als guter Wunsch für die Zukunft zu lesen.

Am Fest Kreuzerhöhung (14. September) sollen Wetterhahn, Turmkreuz und Turmkugel nach der aktuellen Planung auf der Spitze des Kirchturms verankert werden. Der Seelsorger gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass man am Fest des Heiligen Aegidius im Jahr 2021 den Abschluss aller Renovierungsarbeiten mit einem großen Fest feiern könne – im 1301. Jahr nach dem Tod des Heiligen Aegidius.

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